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18 Mai 2021

Wenn Anne Hathaway bei der Arbeit nichts mehr lernen würde, würde sie aufhören.

Anne Hathaway (38) hat die Nase vorn: Mit «Locked Down» hat sie einen der ersten Spielfilme gedreht, in dem das Coronavirus vor und hinter der Kamera ein Thema ist. Im Gespräch erzählt die Schauspielerin, wie sie selber mit der neuen Normalität umgeht.

Anne Hathaway, es dauert nicht mehr lange und wir leben ein Jahr mit der Pandemie. Was haben Sie in dieser Zeit über sich gelernt?

Was ich sicher gelernt habe: Ich breche nicht mehr in Panik aus, wenn meine Kinder in einen Business Call reinplatzen. Mich stört das ja bei anderen auch nicht. Aber offenbar habe ich für mich zuvor andere Regeln festgelegt. Ich bin also ein sanfterer Mensch geworden. Auch im Umgang mit mir selber.

Kann man Sie also auch weniger frustrieren als zuvor?

Frust kann es immer geben, aber ich bin einfach flexibler geworden. Wenn es wirklich einmal zu viel wird, schreibe ich meinem Mann. Er eilt dann zu Hilfe und nimmt die Kinder, wenn ich ein bisschen Zeit für mich brauche, damit ich mich hinlegen kann. Aber generell versuchen wir das Leben mit Humor anzugehen. Das hilft immer. Und auch Tanzen. Das machen unsere beiden Kinder ebenso gerne. So tanzen wir oft nach dem Abendessen.

Welche Musik beflügelt Sie am meisten?

Mir gefällt alles Mögliche. Mein Lockdown-2020-Musiker war vor allem Sam Cooke. Er hat mir in vielen Momenten geholfen, als ich dachte, jetzt verliere ich den Verstand. Da kommt zur Melodie so viel Seele, Spiritualität und Freude. Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen.

Sie waren aber nicht immer zu Hause in Los Angeles, sondern haben den HBO Max-Film «Locked Down» in London gedreht. Wie war das möglich?

Ich hatte mich damit abgefunden, dass ich 2020 keinen Film drehen würde. Und so legte ich an einem Freitag im September das Telefon weg – es würde sowieso niemand anrufen – und spielte mit meinem Sohn. Normalerweise schaue ich einmal pro Stunde sicher aufs Handy. Man will ja nichts verpassen. Aber nicht an diesem Freitag. Als ich endlich nachschaute, hatte ich 19 verpasste Anrufe von meinem Agenten. Da wusste ich, entweder war etwas sehr Gutes oder sehr Schlimmes passiert. Es waren gute, aber verrückte News: Es gäbe ein Rollen-Angebot mit einem Drehbuch von Steven Knight unter der Regie von Doug Liman und ich müsste in neun Tagen nach London. Ob ich einen gültigen Pass habe und ob ich das schnell lesen könne.

Ich hatte mich damit abgefunden, dass ich 2020 keinen Film drehen würde.

Anne Hathaway
Und: Hatten Sie einen gültigen Pass?

Ja, und ich las das Drehbuch sofort und zoomte nachher mit Doug Liman. Innerhalb von 30 Minuten sagte ich zu. Neun Tage später war ich in London und sechs Tage danach fiel die erste Klappe.

Sie drehten einen Monat lang, vor allem in einem Haus, aber auch im leeren Harrods Shopping Palast. Wie ging das mit den Covid-Massnahmen?

Es war harte, ehrgeizige Arbeit in 18 Tagen so viele Seiten abzudrehen. Aber ich liebte jede Sekunde. Es war ja ein Film mit kleinem Budget, also entsprechend mit einer kleinen Crew. Es gab nicht 200 Leute zu managen. Wir wurden dauernd auf Covid-19 getestet und trugen immer Masken. Jeder und jede nahm die eigene Verantwortung sehr ernst. Und es scheint, dass alles gut gegangen ist.

Sie verkörpern in «Locked Down» Linda, die Managerin eines Mode-Unternehmens, die wegen der Pandemie die Schliessung der Harrods Boutique abwickeln soll. Chiwetel Ejiofor spielt Lindas frustrierten Mann, der nur Jobs im Lieferdienst bekommt. Die Beziehung ist dabei zu zerbrechen, aber vor der Trennung planen die beiden noch einen Juwelenraub. Inwiefern strapaziert der Lockdown die Beziehung?

Es wäre wahrscheinlich ziemlich langweilig gewesen, wenn wir einen Film über ein glückliches Paar gedreht hätten, das den Lockdown problemlos zusammen übersteht. Das sind zwei ganz spezifische Figuren, die nur aus bestimmten Gründen zusammen sein können, aber bereit sind, für die Liebe zu kämpfen – was sie selber überraschte.

Machen Sie beim Drehen selber auch noch Erfahrungen, die Sie überraschen?

Ja klar. Wenn ich da nichts mehr lernen würde, würde ich vielleicht aufhören und jemandem anderen die Chance überlassen. Bei diesem Film habe ich gelernt, loszulassen. Es gab so vieles, worüber ich keine Kontrolle hatte und das schiefgehen konnte. Aber wir sagten trotzdem alle zu und versuchten, Probleme kreativ zu lösen. Das Drehbuch war am Anfang gar noch nicht fertig, ich konnte also nicht mit einer pfannenfertigen Performance erscheinen. Ich musste auf meine Erfahrung und auf die Erfahrung meines ausserordentlichen Szenen-Partners Chiwetel, meines Regisseurs und die Worte auf dem Blatt vertrauen.

Sie haben während des Lockdowns vermutlich keinen Diamanten geraubt. Was war Ihre verrückteste Lockdown-Idee?

Ach, ich habe – ganz langweilig – die Garage ausgeräumt. Über die Jahre haben sich viele Souvenirs von Dreharbeiten und Reisen angesammelt. Ich musste endlich mal schauen, was mir von all dem wirklich wichtig war. Das ist also nichts Verrücktes, aber man darf auch nicht vergessen: Meine Jungs sind vier und ein Jahr alt – das ist nicht die verrückte Zeit meines Lebens. Die war in meinen Zwanzigern.

Sie waren schwanger, als Sie noch vor der Pandemie die Roald Dahl Adaption «The Witches» drehten. Ging das problemlos für Sie?

Ich schätze mich sehr glücklich, dass es die Schwangerschaft mit Jack war und nicht die mit Jonathan. Meine beiden Schwangerschaften waren sehr unterschiedlich. Beim Älteren konnte ich mich fast nicht vom Sofa hochraffen. Ich ass Quesadillas und Eis, und alles, wonach es mir sonst gelüstete. Bei Jack konnte ich ins Fitness und Salat essen. Also war es auch kein Problem, die Hexe zu spielen.

Meine beiden Schwangerschaften waren sehr unterschiedlich.

Anne Hathaway
Unterhalten Sie Ihre Kinder nun vermehrt mit Kinderbüchern?

Ja, meinen Kindern vorzulesen ist eine meiner grössten Freuden. Vor allem, weil ich nicht singen darf: Mein älterer Sohn hasst meine Sing-Stimme, aber er erlaubt mir, die Stimmen der Figuren in Büchern zu interpretieren.

Wir machen auch oft Rollenspiele und versuchen, in unserer Fantasie zu leben. Es war schwierig, Jonathan zu erklären, wieso er seine Freunde aus der Spielgruppe nicht sehen kann. Er ist ja erst vier und ich will ihn nicht zu sehr verängstigen.

Dazu sind ja eben Hexen da…

Lustigerweise hatte ich als Kind nie Angst vor Hexen. «The Witches of Eastwick» und Bette Midler in «Hocus Pocus» sind mir positiv in Erinnerung geblieben. Auch Ursula aus «The Little Mermaid» und selbst die Wicked Witch of the West in «Wizard of Oz» faszinierten mich. Ich wollte wissen, wo sie und ihre Superkräfte herkamen und wie sie gelernt hatten, so zu lachen. Und dann spielt man eine Hexe und diese Töne kommen einfach aus einem raus. Keine Ahnung wieso! (lacht)

Es gibt Schauspielerinnen, die nicht gerne Hexen spielen, weil sie auf ein negatives stereotypisches Frauenbild zurückgehen. Sehen Sie das anders?

Oh… meine Kindheit ist geprägt von ikonischen Performances in diesen Rollen. Zum Teil bin ich auch wegen ihnen Schauspielerin geworden. Ich bin da wohl nicht die Richtige für dieses Thema.

Lustigerweise hatte ich als Kind nie Angst vor Hexen.

Anne Hathaway
Aber Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Rechte und die Darstellung von Frauen in der Welt geht. Was bedeutet es Ihnen nun beispielsweise, dass die USA mit Kamala Harris zum ersten Mal eine Frau als Vize-Präsidentin hat?

Für Leute wie mich, die eine progressive, nachhaltige, liebevollere und bewusstere Entwicklung sehen wollen, ist die Vertretung von allen Rassen und Geschlechtern in Machtpositionen schon lange überfällig. Ich hoffe, das ist nur der Anfang, was den Fortschritt Richtung Gleichberechtigung betrifft.

Wie zufrieden sind Sie mit sich und Ihrem eigenen Leben?

Ich weiss, dass ich in einer sehr glücklichen Lage bin, aber ich wäre ganz schön arrogant, wenn ich behauptete, ich sei mit allem zufrieden. Ich kann noch einiges an mir verbessern. Aber ich glaube, ich mache es ganz gut und weiss, was Bedeutung hat und was nicht. Ich hoffe, ich behandle andere mit Respekt und Liebe. Und ich versuche, weiter unkompliziert und dankbar auf diesem unglaublichen Weg zu gehen, der vor mir liegt.

Ich kann noch einiges an mir verbessern. Aber ich glaube, ich mache es ganz gut und weiss, was Bedeutung hat und was nicht.

Anne Hathaway
Hatten Sie je einen Aha-Moment, wie andere Sie wahrnehmen?

Der wichtigste Aha-Moment war wohl, als ich realisierte, dass es mir egal ist, wie man mich wahrnimmt. Das hinterliess einen starken Eindruck.

Welche Tools nutzen Sie, um unkompliziert und dankbar auf Ihrem Weg zu bleiben?

Bei «The Witches» zum Beispiel sass ich vier bis fünf Stunden in der Maske. Da hörte ich jeweils die Oprah Winfreys Super Soul Podcasts – fürs Zen und um hoffentlich eine bessere Person zu sein, wenn die Maske und die Frisur fertig waren. (lacht)

Und zum Schluss: Der Valentinstag steht bald vor der Tür. Haben Sie und Ihr Mann sich schon etwas «Shutdown»-konformes ausgedacht?

Die Aussichten auf ein romantisches Dinner in einem Restaurant stehen nicht gut. So denke ich, werden wir jemanden aus unserer Bubble fragen, ob sie auf die Kinder aufpassen können. Dann setzen wir uns ins Auto und fahren ein bisschen aus der Stadt. Vielleicht spielen wir einander Songs vor. Es wird jedenfalls etwas Einfaches. Und bevor uns die Kinder vermissen, werden wir bereits wieder zu Hause sein.

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Interview Marlène von Arx Headerbild HFPA

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