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11 April 2021

Ewan McGregor: «Ich lass mich gerne überraschen, was nach der nächsten Kurve kommt».

Schauspieler Ewan McGregor war wieder mit dem Motorrad und seinem Kumpel Charley Boorman unterwegs. Diesmal durch Südamerika – und erstmals auf einer elektrischen Harley Davidson. Von der Südspitze Argentiniens ging es Richtung Norden nach Los Angeles. Wie es den beiden erging, ist in der Doku-Serie «Long Way Up» auf Apple TV+ zu sehen.

Ewan McGregor, die Gretchen-Frage «Motorrad oder Auto?» können Sie wohl einfach beantworten, stimmt’s?

Ja, Motorradfahren ist aufregender. Ausser, wenn eines meiner Kinder mit dabei ist, bin ich eigentlich immer auf dem Motorrad unterwegs. Ich liebe es, früh morgens zur Arbeit zu fahren, wenn die Strassen noch leer sind. Aber leider lässt es die Versicherung bei Filmen oft nicht zu, dass ich mich selber zur Arbeit fahre.

Dafür haben Sie mit Ihren Doku-Serien «Long Way Round», «Long Way Down» und jetzt «Long Way Up» ganze Weltreisen auf zwei Rädern unternommen. Den letzten Trip von der Südspitze Argentiniens bis hinauf nach Los Angeles in den USA bestritten Sie und Ihr Kumpel Charley Boorman auf Elektro-Harleys. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Sie sind schnell, agil, gleiten gut und sind vor allem leise. Es gibt keine mechanische Vibration zwischen Fahrer und Boden, deshalb spürt man den Belag richtig durch die Räder und kann selbstbewusster fahren. Es ist auch weniger ermüdend. Wir kamen jeweils frischer am Tagesziel an.

Long Way Up
Ewan Mc Gregor und Charley Boorman ©appleTV+

Damit Sie sicher immer die Batterien laden konnten, wurden im Vorfeld an gewissen Orten Auflade-Stationen eingerichtet. Empfanden Sie es als Nachteil, sich an diesen Fixpunkten orientieren zu müssen?

Die ständige Rechnerei, wie weit und mit welcher Geschwindigkeit man noch fahren kann, bis man wieder aufladen muss, hat uns gewisse Freiheiten genommen. Vor allem am Anfang hatten wir oft den Stress, ob wir es noch schaffen würden, bevor die Batterie leer war. Aber am Schluss machte auch diese Mathematik Spass.

Die Elektro-Harley wurde extra für den Trip entwickelt und in Genf getestet. Mit welchen Bikes sind Sie normalerweise unterwegs?

Die meisten meiner Motorräder sind italienische Moto Guzzi. Die fahre ich schon seit ich zwanzig Jahre alt bin. Wow, also fast 30 Jahre! Und jetzt nach dem Trip habe ich natürlich auch eine Harley-Davidson.

Sind Sie wie Schauspielkollege Keanu Reeves auch ein guter Mechaniker?

Ich bewundere ihn, wie er seine eigenen Motorräder zusammenbaut. Ich beherrsche die Grundlagen: Ich kann den Vergaser einstellen, die Reifen auswuchten und das Öl wechseln. Den Motor überlasse ich anderen, obwohl ich den vermutlich mit genauen Instruktionen auch wieder zusammenbauen könnte. Früher kam ja alles mit einer Gebrauchsanleitung, wie man das macht. Die britischen Autos und Motorräder brauchen offenbar mehr Wartung als andere. Es wurde daher von uns immer erwartet, dass wir das selber machen. Ich habe also eine Ahnung…

Sie hatten natürlich auch ein Support-Team auf der Tour. Und der Dritte, meist Unsichtbare im Bunde, war der Schweizer Kamera-Mann Claudio von Planta. Er war auch schon bei den früheren Bike-Trips mit der Kamera dabei. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Claudio ist definitiv mehr als unser fünftes Rad! Er hat den Look der «Long Way»-Trips kreiert und all unsere unglaublichen Erfahrungen festgehalten. Unsere Zusammenarbeit fing so an: Er war der Einzige, der bereit war, gleichzeitig Bild und Ton zu machen. Alle anderen Kameraleute wollten noch einen Ton-Mann mitbringen, aber wir wollten nur noch ein zusätzliches Motorrad dabeihaben. Jemanden, der locker und easy war. Claudio hat bei seinen Reportagen in Afghanistan eine kompakte Ausrüstung entwickelt. Er hatte nur eine kleine Kamera und zwei Radio-Empfänger plus zwei Mikrofone.

Diesmal hatte er auch eine Drohne dabei…

Genau, man kann unsere zwei Bikes beispielsweise nun auch ganz klein in der Weite der Atacama Wüste sehen. Sobald wir irgendwo anhielten, filmte er los wie eine Maschine. Claudio ist wirklich ein spezieller Typ. Ich kenne sonst niemanden wie ihn.

Ewan McGregor
Ewan McGregor ©HFPA/Armando Gallo
Sind Sie über die Jahre in Kontakt geblieben?

Ja, er ist ein Freund geworden. Er schickte mir kürzlich ein Video, wie sein Motorrad auf dem Weg zu einer Hochzeit eine Panne hatte. Es war immer noch das gleiche Motorrad wie von «Long Way Round» von 2004 mit den Gebets-Fahnen aus der Mongolei dran! Mein Bike und das von Charley von damals stehen längst im Transport Museum von Glasgow. [lacht]

Was haben Sie bei diesen langen Fahrten über sich gelernt?

Dass ich gerne lange Strecken fahre. Es ist für mich wie meditieren, da sprudeln Dinge hoch, über die ich ewig nicht mehr nachgedacht habe. Und ich habe gelernt, dass ich das Ungewisse liebe und mich gerne überraschen lasse, was nach der nächsten Kurve kommt. Dieser Trip mit den Elektro-Bikes musste etwas präziser geplant werden als die vorhergehenden. Denn nachts mussten wir ja, wie bereits erwähnt, aufladen können. Das nahm uns etwas die Freiheit, einfach nach Lust und Laune irgendwo die Zelte aufzuschlagen. Aber das hätten wir auch mit herkömmlichen Motorrädern jetzt nicht mehr machen können.

Wieso nicht?

Charley hatte 2016 einen Unfall, bei dem er sich das Bein havarierte. Er ist deswegen immer noch wacklig auf den Beinen. Und dann hatte er vor zwei Jahren in Südafrika nochmals einen Motorradunfall. Da brach er sich das Becken und war echt in einem schlechtem Zustand. Auf dem Boden im Zelt zu schlafen, ist nicht mehr sehr angenehm für ihn.

Die Reise führte Sie im Zick-Zack durch dreizehn Länder, darunter Chile. Sie haben angeblich Vorfahren aus Chile?

Ja, ich glaube, es war mein schottischer Ur-Ur-Grossvater, der am Ende des 19. Jahrhunderts nach Chile auswanderte. Er war Ingenieur, half in Chile das Eisenbahn-System aufzubauen und heiratete dort. Als er starb, kam sein chilenischer Sohn nach Glasgow als Wein-Importeur. Er wollte seine Mutter nachholen, aber sie starb leider auf der Überfahrt.

Sie haben diesen Südamerika-Trip im Herbst 2019 gemacht. Also gerade rechtzeitig vor der Pandemie, als man noch reisen konnte…

Genau. Was für ein Glück! Wir haben den Start im September allerdings etwas naiv gewählt. Wir dachten, so sind wir an Weihnachten wieder zu Hause. Das Wetter hatten wir bei der Planung gar nicht so richtig angeschaut. Als wir über die Berge nach Ushuaia flogen, fragten wir uns, wieso da im September noch so viel Schnee lag. Es war noch eisig kalt und wir waren ein paar Tage eingeschneit.

Long Way up bild
Ewan McGregor und Charley Boorman ©appleTV+
Die Fahrt ist auch eine Zusammenarbeit mit UNICEF. Sie besuchen unterwegs jeweils Heime und Schulen, in denen die Kinder Sie längst nicht immer als Obi-Wan Kenobi erkennen. Bald kehren Sie auf Disney+ wieder in der Rolle des Jedi-Master in der «Star Wars»-Serie «Obi-Wan Kenobi» zurück. Sind Sie aufgeregt?

Ja, und wie! Ich hätte vor zehn Jahren nicht gedacht, dass ich mich so auf die Rückkehr zu dieser Rolle freuen würde. Aber das tue ich nun wirklich. Vielleicht, weil ich jetzt auch näher am Alter von Alec Guiness bin, als er den ursprünglichen Obi-Wan spielte.

Ihre «Star Wars»-Prequel-Trilogie aus den Jahren 1999-2005 hatte ja auch ihre Kritiker…

Ich habe inzwischen eine andere Reaktion von den Fans gesehen, für die wir damals diese Trilogie gemacht haben. Sie waren damals Kinder und mochten unsere drei Filme nämlich ganz gerne. Das hat mir wirklich die Augen geöffnet und so freue ich mich darauf, Obi-Wan wieder zu spielen. Ich bin auch begeistert von unserer Regisseurin Deborah Chow, die schon Episoden von «The Mandalorian» inszenierte.

Wann fällt der Startschuss?

Im Frühling. Wir hätten schon 2019 und 2020 drehen sollen, aber es wurde wieder verschoben. Jedoch nicht wegen der Pandemie. Hingegen war meine Netflix-Serie «Halston» vom Corona-Lockdown betroffen: Letzten März mussten wir nach der Hälfte unterbrechen. Nach langen sechs Monaten Pause war es nicht nur wegen der Covid-Protokolle komisch, wieder zu drehen.

Was fasziniert Sie an Halston, dem legendären Fashion Designer aus den siebziger Jahren? Haben Sie Gemeinsamkeiten?

Das wüsste ich nicht, aber das spielt für mich auch keine Rolle. Er war ein interessanter Typ und zuerst Hutmacher.  Er entwarf die Box-Hüte für Jackie Kennedy. Es gibt auch spannendes Filmmaterial von ihm, wie er in China mit den Stoffherstellern verhandelt. Zudem finde ich es spannend, die siebziger Jahre in New York etwas näher anzuschauen.

Sie haben es erwähnt: Die Dreharbeiten mussten wegen des Lockdowns unterbrochen werden. Hat die Zeit zu Hause einen Globetrotter wie Sie nicht verrückt gemacht?

Überraschenderweise nicht. Ich war vorher nicht gut im Stillsitzen. Ich habe immer an etwas gearbeitet. Weil ich gerade vorher diese grosse Südamerika-Reise unternommen hatte, war wohl meine Abenteuerlust für den Moment gestillt. Es ist schlimm, das zu sagen, weil so viele Leute leiden, aber ich habe die Zeit in meinem Haus in Los Angeles eigentlich richtig genossen. Ich konnte mal Arbeiten ums Haus erledigen, zu denen ich sonst nie komme. Und ich habe mit meiner Familie in Schottland gezoomt – eigentlich hatten wir so mehr Familientreffen als zuvor.

Text Marlène von Arx

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