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Die Könige ohne Thron

14.02.2022
von Léa Stocky

Es gibt noch etwa 20 Monarchien auf der Welt, in denen der König, die Königin, der Sultan, der Emir oder auch der Kaiser je nach Land grosse Machtbefugnisse behält. Einige Herrscher hingegen wurden von der Macht verdrängt und sind in den letzten Jahrzehnten zu Thronanwärtern geworden, wie es in Griechenland, Iran und Serbien der Fall ist. Der Fokus liegt hierbei auf drei Familien, die von ihrer Krone entmachtet wurden.

Im zwanzigsten Jahrhundert erschütterten Revolutionen, Staatsstreiche und Kriege die bestehende Ordnung in Serbien, Griechenland sowie dem Iran und zerrütteten ihre Monarchien. Es entstanden neue Regime und die Monarchen waren gezwungen, ins Exil zu gehen. Sie haben jedoch nie abgedankt und erheben auch heute noch Anspruch auf den verlorenen Thron.

Serbien als Opfer von Einflussspielen während des Zweiten Weltkriegs

Alexander von Serbien ist der Thronanwärter des gleichnamigen Landes. Die Geschichte des Untergangs der jugoslawischen Monarchie begann 1934, als der König Alexander I. in Marseille ermordet wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Peter II., der Sohn des Königs, erst elf Jahre alt. Aus diesem Grund wurde der jüngere Bruder von Alexander I., Prinz Paul, Regent bis Peter II. volljährig wurde.

Ende der 1930er-Jahre erschütterte der Zweite Weltkrieg unzählige Länder. Im Jahr 1941 traf sich Prinz Paul mit Hitler, um ein Bündnis zwischen dem bis dahin neutralen Jugoslawien und den Achsenmächten herzustellen. Der Pakt wurde im März 1941 unterzeichnet und noch im selben Monat wurde Prinz Paul durch einen von alliierten Unterstützern angezettelten Staatsstreich gestürzt. Peter II., der erst 17 Jahre alt war, wurde daraufhin zum König ernannt. Nach diesem Rückschlag beschloss Hitler, in Jugoslawien einzumarschieren, welches dann im April 1941 kapitulierte. Das Land wurde zerschlagen und die Königsfamilie war gezwungen, ins Ausland zu fliehen. Nach Kriegsende etablierten sich die Kommunisten. Die Monarchie wurde abgeschafft und die föderative Volksrepublik Jugoslawien ausgerufen.

1945 brachte Peter II., der letzte König von Jugoslawien, den aktuellen Kronprinzen Alexander zur Welt. Dieser wurde nach dem Zerfall Jugoslawiens zum Thronanwärter Serbiens. Seine Familie verzichtete nie auf die Krone und ihre Funktionen und betrachtet Alexander von Serbien daher gesetzlich gesehen immer noch als Herrscher.

Griechenland und die Überwindung der Diktatur

Als Nachfolger seines Vaters Paul I., wurde Konstantin II. 1964 König der Hellenen und Prinz von Dänemark. 1967 wurde ein Putsch von der Armee organisiert. Konstantin II. versuchte, mit einem weiteren Putsch darauf zu reagieren, was ihm jedoch nicht gelang. Dieser Misserfolg zwang ihn dazu, ins Exil nach Italien zu gehen. Die Militärdiktatur dauerte bis Juli 1974. Im Vorjahr wurde das erste Referendum von der Junta organisiert. Das Ziel war es, den Übergang des Landes zu einer Republik zu organisieren. Im Dezember 1974 wurden in einem zweiten Referendum die Beibehaltung der Republik und die Gründung der dritten Hellenischen Republik beschlossen. Während die Diktatur der Kolonialherren die Monarchie trotz der Verbannung des Königs aufrechterhalten hatte, versetzte dieses Referendum der griechischen Monarchie den Todesstoss, indem das Referendum sie abschaffte. Konstantin II. kehrte bis in die 2000er-Jahre nur zweimal nach Griechenland zurück: 1981, um an der Beerdigung seiner Mutter teilzunehmen, und 1993, um Urlaub zu machen. 2013 zog der Thronanwärter wieder nach Griechenland, obwohl ihm die griechische Staatsbürgerschaft aufgrund seiner Weigerung, einen Familiennamen anzunehmen, nicht gewährt wurde. Tatsächlich verwendet die Königsfamilie weiterhin den Zusatz «von Griechenland», was von einem Teil der öffentlichen Meinung und der politischen Klasse angeprangert wird.

König Konstantin II. und seine Frau Anne-Marie von Dänemark brachten fünf Kinder auf die Welt. Ihr ältester Sohn, Paul von Griechenland, der 1967 geboren wurde, ist der Diadoche – ein Titel, der griechischen Kronprinzen verliehen wird. Konstantin II. trägt die beiden Titel «König der Hellenen» und «Prinz von Dänemark». Tatsächlich besitzen die dynastischen Mitglieder Griechenlands die Titel «Prinz und Prinzessin von Griechenland» und «Prinzessin von Dänemark», seit der dänische König Georg I. im Jahr 1863 König der Hellenen wurde. Die Titel der griechischen Königsfamilie sind in Griechenland im Gegensatz zu Dänemark, wo sie legal bleiben, nur Höflichkeitstitel.

Reformen und umstrittene Macht im Iran

Im Iran wurde die Monarchie durch eine Revolution abgeschafft, die der Pahlavi-Dynastie ein Ende setzte. Diese war von 1925 bis 1979 mit zwei Schahs an der Macht: Reza Schah von 1925 bis 1941 und sein Sohn Mohammad Reza von 1941 bis 1979. 1963 leitete Mohammad Reza zahlreiche Reformen ein, um das Land zu modernisieren und wirtschaftlich zu entwickeln. Diese Zeit wird aufgrund ihrer Gewaltlosigkeit auch als «Weisse Revolution» bezeichnet. Unter anderem wurde eine Landreform durchgeführt, der Bildung der iranischen Jugend besondere Aufmerksamkeit geschenkt und den Frauen das Wahlrecht zugestanden. Diese Wende des Schahs stiess jedoch auf heftige Kritik, insbesondere von Rouhallah Khomenei, dem damaligen einflussreichen geistlichen Führer der Schiiten.

Reza Schah Pahlavi auf der iranischen 20-Rial-Note von 1974.

Reza Schah Pahlavi auf der iranischen 20-Rial-Note von 1974.

Im Laufe der Jahre wurden immer mehr Reformen infrage gestellt, insbesondere aufgrund der autoritären Ausrichtung des Schah-Regimes, welches die Unterstützung vieler westlicher Länder verlor. Im Jahr 1978 kam es zu Demonstrationen und Unruhen, um gegen Mohammad Reza zu protestieren. Im Januar 1979 musste dieser mit seiner Familie den Iran verlassen. Tatsächlich kehrt Ayatollah Ruhollah Khomenei, der sich 14 Jahre lang im Exil befunden hatte, in den Iran zurück und rief im Februar 1979 die Islamische Republik Iran aus. Der kaiserliche Staat Iran verschwand und das geistliche Oberhaupt wurde zum Obersten Revolutionsführer ernannt.

Mohammad Reza hatte drei Frauen. Seine dritte Frau, Farah Dia, hat 1960 ihren gemeinsamen Sohn und Erben Reza geboren. Er ist der Kronprinz und dem Gesetz nach König und wird Reza II. genannt. Seine Mutter war die erste und letzte Frau, die bei ihrer Krönung den Titel Shahbanou – Kaiserin von Iran –, erhielt.

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