Seit über 15 Jahren entwickelt und gestaltet CANCOM Austria – ein führender IT-Systemintegrator und Serviceprovider in Österreich – die Digitalisierung für und mit der Energiebranche

Christoph Amlacher

Jürgen Krammer
Im Interview: Christoph Amlacher & Jürgen Krammer, Business Development Manager Energy, CANCOM Austria AG
Die Energiewirtschaft befindet sich im größten Wandel ihrer Geschichte. Smart Meter, intelligente Stromnetze, E-Mobilität und dezentrale Energieerzeugung stellen Energieversorger, Netzbetreiber, Unternehmen und Konsument:innen vor neue Herausforderungen. CANCOM Austria hat dafür eigene Plattformen entwickelt: SEM NG (Smart Energy Management Next Generation) für intelligentes Management von Smart-Meter-Daten und Dynamic Load Management für die Steuerung moderner Ladeinfrastrukturen.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Datenmengen in Echtzeit zu erfassen, zu verarbeiten und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten.
Herr Amlacher, die Energiewende wird oft als technologische Herausforderung beschrieben. Welche Rolle spielen digitale Plattformen dabei?
Amlacher: Die Energiewende ist ohne digitale Plattformen praktisch nicht umsetzbar. Wir bewegen uns weg von einer zentralen Energieversorgung hin zu einem hochdynamischen System mit Millionen von intelligenten Messpunkten, Solaranlagen, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Elektrofahrzeugen.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese Datenmengen in Echtzeit zu erfassen, zu verarbeiten und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten. Genau hier kommen digitale Plattformen ins Spiel. Sie schaffen die Grundlage dafür, dass Energieversorger ihre Netze effizient betreiben und Kundinnen und Kunden ihren Energieverbrauch aktiv steuern können.
CANCOM Austria beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren intensiv mit Energiedatenmanagement und entwickelt die dafür notwendigen Plattformen selbst. Unsere Lösungen entstehen nicht im Labor, sondern gemeinsam mit Energieunternehmen und anderen Partnern auf Basis konkreter Marktanforderungen.
Eine dieser Plattformen ist SEM NG. Was genau verbirgt sich dahinter?
Amlacher: SEM NG steht für Smart Energy Management Next Generation. Es handelt sich um eine umfassende Plattform für die Erfassung, Verarbeitung und Verwaltung von Energiedaten.
Die Plattform kann Strom-, Gas-, Wasser- sowie Wärme- und Kältezähler verschiedener Hersteller und Kommunikationstechnologien integrieren. Die empfangenen Daten werden auf Plausibilität geprüft, revisionssicher gespeichert, aufbereitet und anschließend beispielsweise an Abrechnungssysteme, Kundenportale oder andere Marktteilnehmer weitergegeben. Einfach gesagt: SEM NG verwandelt Milliarden von Messwerten in nutzbare Informationen.
Welchen Nutzen haben Energieversorger konkret?
Amlacher: Für Energieversorger stehen vor allem drei Themen im Vordergrund: Effizienz, Skalierbarkeit und Sicherheit.
Mit SEM NG lassen sich viele Arbeitsschritte rund um die Verarbeitung von Messdaten automatisch erledigen, die bisher oft manuell durchgeführt werden mussten. Die Plattform prüft die Qualität der Daten, ergänzt fehlende Werte und wandelt Messdaten bei Bedarf in die benötigten Formate um. Zudem automatisiert sie zentrale Geschäftsprozesse und unterstützt Energieversorger und Netzbetreiber dabei, auch große Mengen an Smart Metern effizient zu verwalten.
Gleichzeitig ist die Plattform auf zukünftiges Wachstum ausgelegt. Dank ihrer modernen Microservice-Architektur können Energieversorger Millionen von Messpunkten effizient verwalten und dabei bereits die Anforderungen des OE Companion Standards 2.0 erfüllen.
Ein weiteres wesentliches Thema ist die Sicherheit. Mit Unterstützung der aktuellen DLMS Security Suites und Hardware Security Modulen erfüllt SEM NG die hohen Anforderungen an Datenschutz und Kommunikationssicherheit.
Was bedeutet das für Endkund:innen?
Amlacher: Viele Menschen sehen Smart Meter noch immer als reines Abrechnungsinstrument für die Erfassung des Zählerstands. Tatsächlich sind sie die Grundlage für eine völlig neue Art des Energiedatenmanagements und damit die Basis für die Energiewende.
In Ländern wie Schweden, Norwegen oder Finnland sind variable Stromtarife und aktives Netzmanagement bereits deutlich weiterverbreitet. Dort passen Haushalte ihren Verbrauch aktiv an die aktuelle Netzsituation und die Strompreise an, größtenteils schon automatisiert. Elektroheizungen, Wärmepumpen und Boiler werden automatisch dann betrieben, wenn Strom besonders günstig oder besonders nachhaltig verfügbar ist. Auch das Laden von Batteriespeichern und Elektrofahrzeugen wird an die Verfügbarkeit von selbst produziertem Solarstrom oder die aktuellen Marktpreise angepasst.
Damit solche Modelle funktionieren, braucht es verlässliche und zeitnah verfügbare Energiedaten. SEM NG liefert genau diese Datengrundlage.
Für Privatpersonen bedeutet das perspektivisch niedrigere Energiekosten, mehr Transparenz und die Möglichkeit, selbst aktiv an der Energiewende teilzunehmen. Unternehmen profitieren von einer besseren Analyse ihres Energieverbrauchs, einem optimierten Lastmanagement und einer höheren Energieeffizienz.
Herr Krammer, die zweite Eigenentwicklung von CANCOM Austria ist das Dynamic Load and Energy Management CANCOM EMS. Warum wird dieses Thema immer wichtiger?
Krammer: Die Elektromobilität wächst rasant. Gleichzeitig bringt der Ausbau der Ladeinfrastruktur eine Reihe an Herausforderungen mit sich: Die Netzanschlussleistung der Ladestandorte ist physikalisch begrenzt und die tatsächlich verfügbare Leistung oft von der Netzauslastung abhängig. Der jeweilige Netzbetreiber gibt daher immer öfter dynamische Leistungsgrenzen vor. Wenn mehrere Schnellladestationen gleichzeitig mit hoher Leistung betrieben werden, übersteigt dies in der Regel diese Leistungsgrenzen und es muss steuernd eingegriffen werden. Es gilt auch, Leistungsspitzen und damit verbundene Kosten zu vermeiden und Verbrauchsprognosen des Strombezugs einzuhalten.
Genau dieses Problem löst unser Dynamic Load and Energy Management CANCOM EMS. Die Lösung überwacht sämtliche Energieflüsse und verteilt die verfügbare Leistung in Echtzeit intelligent auf die einzelnen Ladepunkte. Dadurch können deutlich mehr Fahrzeuge mit optimierter Leistung geladen werden, ohne dass Grenzwerte überschritten oder kostspielige Netz- oder Infrastrukturerweiterungen notwendig werden. Die Lösung ermöglicht es auch, dank einer direkten Schnittstelle zu den Fernwirksystemen der Netzbetreiber die aktuell verfügbare Netzleistung zu berücksichtigen. Die Ladeleistung wird dynamisch angepasst, um jederzeit die maximale Ladeperformance zu ermöglichen und trotzdem alle Grenzwerte sicherzustellen.
Welche Vorteile haben Betreiber von Ladeinfrastrukturen?
Krammer: Für Betreiber von Ladeparks, Energieversorger oder Tankstellenketten steht immer die Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt. Gleichzeitig müssen sie allen Anforderungen als Bestandteil einer kritischen Infrastruktur gerecht werden und auch eine große Anzahl an Ladestandorten effizient managen.
Unser System reduziert Investitionskosten durch bessere Nutzung bestehender Netzanschlüsse. Gleichzeitig werden Betriebs- und Netznutzungskosten massiv gesenkt und die verfügbare Energie optimal verteilt. Durch die übergeordnete EMS-Cloud-Plattform wird Transparenz hergestellt und Monitoring, Fernwartung und Alarmierung auch für viele Standorte einfach ermöglicht. Darüber hinaus stellt das CANCOM EMS die Basis für zukunftsträchtige Geschäftsmodelle und Optimierungen dar.
Eine besondere Stärke ist die Herstellerunabhängigkeit unserer Lösung. Über OCPP, Modbus oder MQTT lassen sich unterschiedliche Ladesäulen und Backend-Systeme integrieren. Darüber hinaus können Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und Netzbetreiber-Schnittstellen eingebunden werden. Es entsteht eine hochflexible Plattform, die sich an unterschiedliche Geschäftsmodelle anpassen lässt.
Können Sie dafür ein konkretes Beispiel nennen?
Krammer: Nehmen wir eine moderne Tankstelle oder einen Ladehub an einer Autobahn. Dort stehen häufig mehrere Schnellladestationen zur Verfügung, deren maximale Gesamtleistung höher ist als die verfügbare Anschlussleistung. Ohne intelligentes Lastmanagement müssten entweder kostspielige Netzverstärkungen durchgeführt oder die Ladepunkte statisch begrenzt werden. Unser Dynamic Load Management analysiert in Echtzeit den Energiebedarf aller angeschlossenen Fahrzeuge und verteilt die verfügbare Leistung dynamisch. Zusätzlich können Batteriespeicher integriert werden, die Lastspitzen abfangen, sowie Photovoltaikanlagen, die lokal erzeugte Energie direkt bereitstellen. Das Ergebnis ist eine deutlich effizientere Nutzung der Infrastruktur und ein optimales Ladeerlebnis für die Kund:innen.
Welchen Vorteil hat das für Fahrer:innen von Elektrofahrzeugen?
Krammer: Sie haben eine zuverlässige und möglichst schnelle Ladeerfahrung. Durch die intelligente Verteilung der Leistung werden vorhandene Ressourcen optimal genutzt. Ladepunkte stehen schneller wieder zur Verfügung und Wartezeiten können reduziert werden. Und Kund:innen profitieren von einer stabilen Ladeinfrastruktur, auch an stark frequentierten Standorten.
Je besser die vorhandene Infrastruktur ausgelastet wird, desto schneller kann das Ladenetz insgesamt wachsen.
CANCOM Austria entwickelt beide Plattformen selbst. Welche Bedeutung hat das?
Krammer: Ja genau, das ist tatsächlich ein wesentlicher Unterschied zu vielen Marktteilnehmern. Wir kombinieren die Rolle des Systemintegrators mit jener des Softwareherstellers. Dadurch verfügen wir über tiefes technologisches Know-how und können sehr schnell auf neue Marktanforderungen reagieren. Unsere Teams kennen sowohl die regulatorischen Rahmenbedingungen der Energiebranche als auch die technischen Herausforderungen von Smart Metering, Smart Grids und E-Mobilität. Diese Kombination ermöglicht es uns, Lösungen anzubieten, die nicht nur technisch funktionieren, sondern auch den realen Anforderungen von Energieversorgern, Netzbetreibern und Infrastrukturbetreibern entsprechen.
Abschließend gefragt: Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus?
Krammer: Die Energieversorgung wird deutlich digitaler, dezentraler und intelligenter werden. Haushalte werden zunehmend selbst Energie produzieren, speichern und flexibel nutzen. Elektrofahrzeuge werden zu mobilen Energiespeichern, und Energieversorger werden ihre Netze wesentlich dynamischer steuern müssen als heute. Dafür braucht es digitale Plattformen, die Daten erfassen, analysieren und daraus automatisierte Entscheidungen ableiten.
Genau daran arbeiten wir bei CANCOM Austria seit vielen Jahren. Unser Ziel ist es, die technologische Grundlage für die Energieversorgung der Zukunft zu schaffen und unseren Kunden die Werkzeuge an die Hand zu geben, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern.
SEM NG von CANCOM Austria
- Eigenentwickelte Plattform für das Management von Smart Metern und zugehörigen Daten
- Mehr als 15 Jahre Erfahrung im Energiedatenmanagement
- Verwaltung von Strom-, Gas-, Wasser- und Wärme-/Kältezählern
- Hohe Skalierbarkeit, Sicherheit und Automatisierung
- Konform mit dem neuen OE Companion Standard 2.0
Dynamic Load Management von CANCOM Austria
- Intelligente Leistungsverteilung für E-Ladeinfrastrukturen
- Integration von Ladesäulen, Batteriespeichern, Photovoltaik und anderen Assets
- Herstellerübergreifende Anbindung über OCPP, Modbus und MQTT
- Netzbetreiberanbindung nach IEC 60870 und anderen Standards
- Optimierte Netzauslastung und geringere Infrastrukturkosten
- Unterstützung von Charge Point Operators, Energieversorgern, Tankstellen- und Flottenbetreibern
Weitere Informationen unter: cancom.at
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