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Energie

»Energie als strategisches System« – gerade im Mittelstand

29.07.2026
von Pia Soldan

Die Mischung machts. Wie für eine Pralinenschachtel gilt das auch für Unternehmen, die auf eine sichere und möglichst kostengünstige Energieversorgung setzen. Insbesondere mittelständische Betriebe sind darauf angewiesen, sich vor dem Hintergrund schwankender Energiepreise und -verfügbarkeiten über einen intelligenten Maßnahmenmix flexibel aufzustellen.

Terminmarkt vs. Flexibilisierung?

Der Königsweg liegt in der Mitte. So ist Verlässlichkeit gerade für den Mittelstand eine wertvolle Größe. Nur wer die eigene Energieversorgung mittelfristig überblickt und dabei planbar wirtschaften kann, ist in der Lage, die eigene Produktion auf stabile Füße zu stellen. Nur so lassen sich Innovationen verantworten, ohne allzu große Verlustrisiken in Kauf zu nehmen. Die benötigte Energie auf dem Terminmarkt zu beziehen, ist hier ein probates Mittel.

Sicherheit hat jedoch ihren Preis. Wer über lange Zeiträume hinweg zu gleichen Konditionen arbeitet, verzichtet gleichzeitig auf potenzielle Ersparnisse, die sich auf günstige Marktbewegungen gründen. Im Projekt FlexGUIde haben Hochschulen, das Fraunhofer IPA, Energiedienstleister sowie mittelständische Unternehmen erforscht, wie der Mittelstand möglichst kosteneffizient am Energiemarkt agieren kann.

Volatile Strompreise und begrenzte Budgets

Natürlich sind die Energiekosten in der Produktion von der benötigten Energiemenge abhängig. Ein weiterer wesentlicher Faktor aber stellt der Zeitpunkt der einzelnen Produktionsschritte dar. So gilt es, zunächst Produktionsschritte zu identifizieren, die sich zeitlich verschieben lassen. Auf diese Weise kann das Unternehmen seine Maschinen hochfahren, wenn die Strompreise sich gerade auf einem niedrigen Niveau bewegen, beispielsweise wenn aufgrund der Witterung besonders viel Solarstrom verfügbar ist.

Versorgt das Unternehmen entsprechende KI-Systeme mit Daten zu seiner Produktion, seinem Energieverbrauch und seiner Flexibilität, können diese einen »Fahrplan« entwickeln, nach dem der Energieverbrauch möglichst kostengünstig gestaltet wird, wie Christopher Pfeiffer von der MVV Trading GmbH beschreibt, die an FlexGUIde aktiv mitgewirkt hat.

Die Lastprognose als Tool zur Kostenersparnis

Um fundierte Prognosen über die Lasten in der Zukunft treffen zu können, nutzen entsprechende KI-Systeme ein breites Portfolio an Daten, erläutert Lukas Baur im Rahmen von FlexGUIde als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fraunhofer IPA. Relevant sind in diesem Zusammenhang neben vorhandenen PV- oder Windkraftanlagen und Energiespeichern Produktionspausen wie Betriebsferien, Feiertage oder Wochenenden. Hinzu kommen folgende produktionsspezifische Parameter:

  • Produktionsmenge
  • Reihenfolge
  • Produkte
  • Auftragslage
  • Anlagentakt
  • Produktionsausfall

Diese Daten fließen anschließend in automatisierte Prozesse. Für KMU ist das Voraussetzung, denn kaum ein mittelständisches Unternehmen kann es sich leisten, Personal für die Beobachtung der Märkte, des Energieverbrauchs und des Energiedargebots einzusetzen.

Wie KMU Batteriespeicher integrieren

Seit fünfzehn Jahren nutzt Familie Grimm auf ihrem Hof im schwäbischen Wolfertschwenden Solarstrom aus eigener Produktion. Bislang jedoch lebte der Betrieb vom Dach in die Maschine – Energie, die der Hof nicht unmittelbar verbrauchte, ging verloren. Den gewonnenen Solarstrom zu speichern, war der logische nächste Schritt.

Gleichzeitig hatten bereits Energiespeicherentwickler ein Auge auf die Flächen der Grimms geworfen, liegen diese doch unmittelbar am örtlichen Umspannwerk. Zusammen mit dem Energieunternehmen Green Flexibility startete Johannes Grimm bald ein Energiespeicherprojekt, das seinem Unternehmen nun auf zweierlei Weise zugutekommt: Der Hof kann seine selbst produzierte Energie zeitversetzt nutzen und ist um eine Einnahmequelle reicher. Da gerade für mittelständische Unternehmen umfangreiche Investitionen mit hohen finanziellen Risiken verbunden sein können, lohnt es sich, potenzielle Partnerschaften in Sachen Energiespeicherung ausfindig zu machen.

Der Mittelstand und seine Zukunftsfähigkeit

»Typisch mittelständisch ist die Suche nach pragmatischen Lösungen – solide, nachvollziehbar, finanzierbar«, fasst Jochen Schneider als Geschäftsführer der Wattstor GmbH im Industrieanzeiger zusammen. Unverzichtbar sei es jedoch, »Energie als strategisches System zu denken – als Zusammenspiel aus Eigenanteilen, Beschaffungsmodellen, Flexibilitätsoptionen und Risikosteuerung«. Genau an dieser Stelle brächten KMU die besondere Fähigkeit mit, flexibel auf neue Gegebenheiten zu reagieren. Auf diese Weise könnten sie sich selbst in die Lage versetzen, auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen zu können. 

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