Landwirtschaft zwischen Klimadruck und wirtschaftlichem Wandel
Klimawandel, knappe Ressourcen und volatile Märkte setzen die Landwirtschaft unter Druck. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien, angepasste Anbaumethoden und widerstandsfähigere Lieferketten neue Perspektiven. Die Herausforderung: Lebensmittel verlässlich und wirtschaftlich produzieren, ohne die natürlichen Ressourcen zu überlasten.

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Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt die Erntebilanz 2026: Nach Schätzungen des Deutschen Bauernverbandes vom August dieses Jahres lag die Getreideernte in Deutschland bei 41,9 Millionen Tonnen – rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Hektarertrag bei Winterraps sank sogar um 20 Prozent. Zugleich erschweren Trockenheit, Starkregen und Spätfröste die Planung. Laut Deutschem Wetterdienst blühen Apfelbäume und Raps heute rund 20 Tage früher als vor 50 Jahren. Besonders im Obstbau steigt damit das Risiko von Spätfrostschäden.
Neue Wege auf dem Feld
Wie sich Betriebe anpassen können, zeigt beispielsweise Landwirt Thomas Domin aus Brandenburg. Bereits seit 2014 setzt er auf Agroforst: Baumreihen bremsen den Wind, schützen seine Felder vor Bodenerosion und helfen, Feuchtigkeit im Boden zu halten. Auch Zwischenfrüchte, vielfältige Fruchtfolgen und schonende Bodenbearbeitung tragen zum Bodenschutz bei. Neue Kulturen wie Sorghum oder Kichererbsen bieten zusätzliche Optionen – und moderne Züchtungsverfahren können Pflanzen widerstandsfähiger gegen Hitze und Trockenheit machen.
Mit Daten Ressourcen sparen
Satelliten, Sensoren und GPS-gesteuerte Maschinen ermöglichen einen gezielteren Einsatz von Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Feldroboter können Unkraut bekämpfen, künstliche Intelligenz wertet Wetter-, Boden- und Ertragsdaten aus. So lassen sich Ressourcen sparen und Arbeitsabläufe optimieren. Allerdings erfordert diese Technik Investitionen. Und ob sich diese rechnen, hängt von Betriebsgröße, Infrastruktur und konkretem Nutzen ab.
Versorgung breiter absichern
Nicht nur die Landwirt:innen, auch Lebensmittelindustrie und Handel müssen umdenken. Globale Lieferketten bieten Zugang zu unterschiedlichen Märkten, sind aber anfällig für Krisen und Probleme beim Transport. Regionale Produktion stärkt die heimische Wirtschaft, bleibt jedoch Wetterrisiken ausgesetzt. Eine breitere Streuung der Bezugsquellen, zum Beispiel durch einen Mix aus verschiedenen Herkunftsregionen und langfristigen Lieferverträgen, kann die Versorgung stabilisieren. Zugleich steigen die Anforderungen an Agrarrohstoffe: Neben Qualität und Preis zählen auch zunehmend Herkunft, Umweltbilanz und Rückverfolgbarkeit.
Wirtschaftlichkeit bleibt entscheidend
Ob neue Anbaumethoden, digitale Technik oder resilientere Lieferketten: Der Wandel muss sich für die Betriebe rechnen. Dafür braucht es Investitionsspielräume, verlässliche Absatzmärkte und eine faire Verteilung von Kosten und Risiken. Denn die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich nicht allein auf dem Feld, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Text: Miriam Rauh
1 www.bauernverband.de/pressemitteilungen/bauernverband-erntebilanz-2026-48670
2 www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/erntebilanz-120.html
5 agriculture.ec.europa.eu/vision-overview/digitalisation_en
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