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Innovation

Digitalisierung in der Unternehmensgründung

29.10.2021
von Severin Beerli

Sei es beim Scheitern der E-ID, dem ins Stocken geratenen E-Voting oder auch einfach bei der elektronischen Bezahlung einer Betreibung: Die Schweizer Verwaltung tut sich im digitalen Transformationsprozess schwer. Das zeigt sich auch bei der Gründung von Unternehmen.

Am Anfang jedes Unternehmens steht eine gute Geschäftsidee und eine grosse Prise Risikobereitschaft. Schon die nächsten Schritte gestalten sich dann aber etwas aufwendiger: «Es braucht Kapital, Zeit, notarielle Dienste und leider allzu oft Papier», weiss Jürg Müller, Forschungsleiter bei der Wirtschaftsdenkfabrik «Avenir Suisse». Hauptursache für bürokratische Komplikationen ist die nicht weit fortgeschrittene Digitalisierung der Schweizer Verwaltung. Beispielsweise braucht es für die Eintragung ins Handelsregister in der Regel einen Behördengang, da viele Schritte nicht oder nur sehr umständlich elektronisch durchgeführt werden können. Ein Vorgang, der Zeit und Geld kostet: «Der bürokratische Prozess ist unnötig teuer und komplex, besonders beim Eintragen einer Kapitalgesellschaft ins Handelsregister», sagt Müller. Begründet wird dieser Mehraufwand mit dem Schutz vor unseriösen Unternehmen und der Stärkung von Gläubigerschutz sowie Geschäftsverkehr.

Verwaltungsaufwand reduzieren

Heute gibt es dafür aber effizientere Methoden: «Ein konkretes Beispiel dafür haben wir in unserem Analysepapier zur digitalen Mini-GmbH vorgestellt. Bei einer solchen Rechtsform soll bei der Unternehmensgründung auf Anforderungen an das Mindestkapital oder die öffentliche Beurkundung verzichtet werden, um dafür den Gläubigerschutz durch konsequente digitale Interaktion und höhere Transparenz zu stärken», erklärt Müller.

Die digitale Mini-GmbH ist die Idee einer neuen Rechtsform für Unternehmen zur Reduktion des gesamten Verwaltungsaufwandes. Wesentliche Kernmerkmale sind der Verzicht auf Vorschriften zum Gründungskapital, öffentliche Beurkundungen sowie auf Papier. «Die gesamte Interaktion mit den Behörden soll nur noch auf elektronischem Weg möglich sein», so Müller über die Mini-GmbH.

Analoge Prozesse neu denken

Die digitale Mini-GmbH ist eine von vielen Ansätzen, welche die Digitalisierung vorantreiben sollen. Dieser Prozess kann nicht als irgendwann abgeschlossen verstanden werden. Bei fortschreitender technologischer Entwicklung sind überall fortlaufend Digitalisierungsbemühungen nötig: «Besonders wichtig ist derzeit die Modernisierung der grundlegenden Rahmenbedingungen wie standardisierter Schnittstellen zwischen Staat und Wirtschaft oder der Umsetzung einer gesellschaftlich akzeptierten Form der elektronischen Identität», so Müller. Er ergänzt, dass analoge Prozesse nicht einfach eins zu eins digital kopiert werden können, sondern die Digitalisierung als Innovationsprozess zu verstehen sei. «Es geht darum, Prozesse und Rollen neu zu denken und zu gestalten. Die Frage sollte nicht sein: Wie können wir Firmengründungen digitalisieren? Sondern: Wie soll eine Firmengründung im digitalen Zeitalter aussehen? Dieser Unterschied ist wichtig.»

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