Innovation Interview KMU

Heinz Tännler: «Wir werden unsere Vorreiterrolle beibehalten»

25.11.2020
von SMA

Der Kanton sowie die Stadt Zug sind in den vergangenen Jahren zum Schweizer Hotspot in Sachen Blockchain und Kryptowährungen avanciert: Während die digitalen Währungen anderswo mit Zurückhaltung behandelt werden, schafft Zug ideale Rahmenbedingungen für Unternehmen, die in diesem Feld Innovationen vorantreiben. Wir sprachen mit dem Zuger Finanzdirektor sowie Vorsteher der «Swiss Blockchain Federation» über die Gegenwart und Zukunft dieser neuen Technologie.

Heinz Tännler, nebst Ihrer Funktion als Zuger Finanzdirektor und Regierungsrat stehen Sie dem Verein «Swiss Blockchain Federation» vor. Welche Ziele verfolgt der Verein?

Die «Swiss Blockchain Federation» ging aus einer interkantonalen Taskforce hervor, die sich dafür einsetzte, hierzulande ideale Rahmenbedingung für Technologie-Startups zu schaffen. Nebst Genf, Zug und Zürich war auch das Fürstentum Liechtenstein daran beteiligt. Damals wie heute besteht der zentrale Fokus des Vereins darin, das Gedeihen von technischer Innovation zu unterstützen. Zu diesem Zweck nutzen und stärken wir auf politischer Ebene unsere Netzwerke, sowohl horizontal als auch vertikal. Wir vermitteln Wissen und sorgen für einen Erfahrungsaustausch, sowohl mit und zwischen den Kantonen sowie dem Bund. Darüber hinaus dient dieses Netzwerk auch dazu, wichtige Informationen an die Bevölkerung weiterzugeben, damit sich diese mit den Themen Blockchain und Kryptowährungen befasst – und so deren Potenzial besser einschätzen kann. Zu guter Letzt wollen und müssen wir auch Rechtssicherheit schaffen: Die neuen Technologien und Anwendungsfelder benötigen entsprechende Gesetzgebungen, die wir verankern und unterstützen. Denn die Rechtssicherheit stellt eine wesentliche Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit dar.

Die neuen Technologien und Anwendungsfelder benötigen entsprechende Gesetzgebungen, die wir verankern und unterstützen. Heinz Tännler

Warum ist es Ihres Erachtens wichtig, dass die Schweiz in Sachen Blockchain und Kryptowährungen vorne mitspielt?

Wir sehen grosses Potenzial für die Technologie, und zwar in diversen Anwendungsfeldern. Doch leider erfreuen sich gerade die Kryptowährungen nicht gerade einer positiven öffentlichen Wahrnehmung. Es ist noch viel Unwissen vorhanden und weil in den Medien auch Negatives berichtet wird, hält sich der Enthusiasmus der Leute in Grenzen. Natürlich kann grundsätzlich alles, was neu ist auch scheitern, weswegen eine kritische Grundhaltung im Prinzip angemessen ist. Aber gleichzeitig sehen wir Entwicklungen, die die digitalen Währungen begünstigen: Es wird beispielsweise weniger mit Bargeld bezahlt und selbst die Europäische Zentralbank prüft derzeit die Nutzung digitaler Währungen und der Blockchain. Das sind wichtige Tendenzen, denen wir uns nicht verschliessen dürfen! Um dies zu verhindern, wollen wir die Menschen möglichst frühzeitig an diese Themen heranführen.

Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung, hat kürzlich den «Innobooster Blockchain Nation Switzerland» bewilligt – und Ihren Verein mit der Umsetzung beauftragt. Was bringt dieses Mandat mit sich? 

Wir sind sehr stolz und froh, dass wir diesen Zuschlag erhalten haben. Das Mandat bedeutet, dass wir ab 2021 Blockchain-Innovationen in der Schweiz direkt fördern werden. Das Förderprogramm mit Innosuisse läuft über vier Jahre hinweg und bringt führende Exponenten aus der Wissenschaft mit Grossunternehmen, Startups sowie Investoren aus allen Landesteilen zusammen. Unser Ziel besteht darin, dass aus Ideen konkrete Projekte werden und im Zuge dessen neue Unternehmen entstehen – die wiederum Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen.

Das Mandat bedeutet, dass wir ab 2021 Blockchain-Innovationen in der Schweiz direkt fördern werden. Heinz Tännler

Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff Blockchain das Feld der Kryptowährungen, von denen der Bitcoin der bekannteste ist. Kryptowährungen werden von manchen als Hype verschrien. 

Und genau diesen Umstand wollen wir ändern. Denn wenn man sowohl den Ist-Zustand als auch das künftige Potenzial der Kryptowährungen betrachtet, zeigt sich Erfreuliches: So sind die bekannten digitalen Währungen relativ solide unterwegs. Und dass Regierungen und sogar Zentralbanken diese Währungen prüfen zeigt, dass eine wichtige Hürde überwunden wurde. Gleichzeitig verliert Bargeld, wie bereits erwähnt, immer mehr an Relevanz. Darum bin ich zuversichtlich, dass die Zeit der Blockchain anbrechen wird. Denn sie bietet die passende Basis und ist die geeignete Technologie, um die Währung der Zukunft bereitzustellen.

Zug prescht in diesem Feld vor und lockt unter anderem mit attraktiven Steuersätzen Technologieunternehmen und Startups in den Kanton. Wollen Sie Zug zum Krypto-Valley der Schweiz machen? 

Das müssen wir gar nicht, denn wenn man sich die Fakten anschaut, sind wir das bereits: Gut 50 Prozent aller Startups, die in diesem Feld tätig sind, haben sich im Kanton Zug niedergelassen. Konkret beläuft sich die Anzahl Unternehmen auf etwa 500. Diese Firmen beschäftigen zwischen 3000 bis 4000 Menschen, von denen die Hälfte in Zug tätig ist. Das ist natürlich ein tolles Signal für unseren Kanton. Und obschon wir uns nicht zu sehr auf dieses Feld versteifen wollen, bin ich doch zuversichtlich, dass wir unsere Vorreiterrolle als Krypto-Valley der Schweiz auch in Zukunft beibehalten werden.

Ab Februar 2021 können die Bürgerinnen und Bürgern von Zug ihre Steuern mit Bitcoin und Ether bezahlen. Welche Vorzüge hat dies – und wie gross dürfte zu Beginn die Nachfrage sein?

Wir sehen das Ganze realistisch und rational. Die Stadt und der Kanton Zug haben bereits damit angefangen, Bitcoin als Währung für einige ausgewählte Dienstleistungen zu akzeptieren, darunter Dienstleistungen im kantonalen Handelsregisteramt. Auch gewisse Gebühren können mit der digitalen Währung bezahlt werden. Nun haben wir uns auf kantonaler Ebene gesagt: Wenn wir sowieso schon die Blockchain-Entwickler-Community bei uns im Kanton haben, dann sollten wir für sie – sowie alle anderen «Early Adopter» –möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen. Wir erachten es als eine gute Sache, wenn die hier entwickelten Innovationen auch hier genutzt werden können. Dass man 2021 mit Bitcoin und Ether die Steuern bezahlen kann, ist für uns ein erster Feldversuch, aus dem wir Lehren ziehen und hoffentlich neue Einsichten gewinnen werden. Gleichzeitig geht es uns auch darum, den Bürgerinnen und Bürgern einen praktischen Zugang zur Welt der Kryptowährungen zu erschliessen. Ich denke, auf diese Weise wird das Thema etwas weniger abstrakt und damit «greifbarer».

Rechnen Sie mit administrativen Mehraufwand durch die neuen Möglichkeiten?

Ganz ehrlich: Dieser Mehraufwand wird eher gering ausfallen und sich primär auf das Führen einiger Telefonate beschränken. Wir haben einen Vertrag mit Bitcoin Swiss, die für uns die komplexeren administrativen Fragen übernehmen. Für den zusätzlichen Aufwand erheben wir bei den Nutzerinnen und Nutzern eine geringe Gebühr, welche die Leistungen von Bitcoin Swiss abdeckt.

Zur Person

Heinz Tännler, Jahrgang 1960, ist Zuger Regierungsrat der SVP und steht der kantonalen Finanzdirektion vor. Seine politische Karriere nahm 1995 ihren Anfang mit dem Eintritt in den Kantonsrat. Der Zuger Regierung gehört Tännler seit 2007 an. Als Vorsteher der «Swiss Blockchain Federation» setzt sich Heinz Tännler für die Förderung der Blockchain-Technologie und die Akzeptanz von Kryptowährungen ein.

Text SMA   Bilder  zVg

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