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Business Women Digitalisierung

Siri und Alexa, bitte übernehmen!

19.04.2022
von SMA

Ein Fokus auf Frauen und Digitalisierung? Sind wir nicht schon genug damit beschäftigt, ständig die nervenden Cookies abzuwählen und unsere PCs upzudaten? Seit Corona sind wir perfekt im Homeoffice – alles paletti, oder?

Die Digitalisierung wird in den kommenden Jahren alle Bereiche unseres Lebens verändern – wie wir kommunizieren, uns informieren, konsumieren und vor allem: wie wir arbeiten. Berufe werden überflüssig, neue entstehen, lästige Arbeiten wie Saugen oder Rasenmähen übernimmt der Roboter. Doch was hat Digitalisierung mit Gleichberechtigung zu tun?

Frauen und Digitalisierung

Homeoffice spart den Arbeitsweg und kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen. Ein Vorteil nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter. Technische und digitale Lösungen für schwere körperlich Arbeiten ermöglichen die Aufhebung der Geschlechtertrennung am Arbeitsmarkt. Wer den Computer steuert, der schwere Teile im Autowerk zusammensetzt, ist dem Computer egal.

Doch Frauen sind in vielen Bereichen der Digitalisierung unterrepräsentiert. 80 Prozent aller Software-Entwickelnden sind männlich und 90 Prozent der Startups im Bereich Digitalisierung werden von Männern gegründet. Frauen entgehen attraktive Jobs im zukunftsträchtigen IT-Sektor.

Doch selbst wenn Frauen in der Digital-Branche arbeiten, sind sie oft mit stereotypen Vorstellungen in einer männlich geprägten Arbeits- und Unternehmenskultur konfrontiert. Mehr als die Hälfte kündigen ihren Job und kaum eine schafft es ins Topmanagement. Auch hier gilt: fix the company, nicht fix the women!

Aber Algorithmen, Künstliche Intelligenzen treffen doch geschlechtsneutrale Entscheidungen – ganz ohne Vorurteile? Geschlechtergerechtigkeit – Siri und Alexa, bitte übernehmen! Algorithmen werten die Daten aus, mit denen sie gefüttert werden. Aktuell sind das hauptsächlich Daten von weißen Hetero-Männern. Das führt zu diskriminierenden Ergebnissen.

Algorithmen, die Frauen aus Bewerbungsprozessen aussortieren, nicht weil sie schlechter sind, sondern Frau im Gegensatz zu Mann kein positives Kriterium ist, eben weil hauptsächlich Mann als Datensatz vorhanden.

Wir brauchen vorurteilsfreie und geschlechterneutrale pädagogische Konzepte in Schule, Hochschule und vor allem bei der beruflichen Beratung.

Ein plastisches Beispiel: Frau Dr. Helge Bast kommt mit ihrer digitalen Mitgliedskarte nicht in die Damenumkleide, weil der akademische Titel »Dr.« Männern zugeschrieben wird. Nur diverse Teams in Forschung und Entwicklung können verhindern, dass sich unbewusste Vorurteile der realen Welt in der binären fortsetzen.

Wir brauchen vorurteilsfreie und geschlechterneutrale pädagogische Konzepte in Schule, Hochschule und vor allem bei der beruflichen Beratung. Nehmen an der AG Programmierung nur Jungs teil, ist es wichtig zu fragen: Warum keine Mädchen? Liegt es an der Gestaltung des Raums, liegt es am Thema, liegt es an tradierten Rollenstereotypen, die in der Klasse, an der Schule bewusst oder unbewusst vermittelt werden? Ein Pflichtfach Informatik, das Jungen und Mädchen für IT begeistert und das Geheimnis um Künstliche Intelligenz entmystifiziert, wäre ein guter Anfang.

Die höheren Anforderungen müssen sich auch in höherem Entgelt widerspiegeln.

Weiterbildungsmaßnahmen, Zugänge zu digitaler Ausrüstung in Unternehmen müssen Männern und Frauen zu gleichen Teilen zur Verfügung stehen. Teilzeit und Familienauszeiten, typisch für Lebensbiografien von Frauen, dürfen bei Weiterbildungsangeboten keine Rolle spielen. Vermeintlich einfache Tätigkeiten wie Bürotätigkeiten, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden, erfordern im Zuge der Digitalisierung zusätzliche Qualifikationen. Die höheren Anforderungen müssen sich auch in höherem Entgelt widerspiegeln.

Es gibt keine technische Lösung für Geschlechtergerechtigkeit. Die Lösung findet sich in der realen Welt. Frauen bringen alle Fähigkeiten mit, die digitale Zukunft der Arbeit mitzugestalten. Die Computergeschichte ist weiblich!

Ada Lovelace, Grace Hopper, Margaret Hamilton sind Pionierinnen der Programmierung. Frauen sind wichtig als Nutzerinnen, Projektmanagerinnen, Unternehmerinnen, als Wissenschaftlerinnen, als Datensatz, als Quereinsteigerinnen und Programmiererinnen. Die digitale Zukunft muss von allen gestaltet werden.

Text Uta Zech, Präsidentin des BPW Germany e.V.

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Mehr Informationen:

Der Verband Business and Professional Women (BPW) Germany fordert mit seiner Kampagne FrauMachtDigital eine geschlechtersensible und geschlechtergerechte Digitalisierung, um die Geschlechtergerechtigkeit in der digitalen Welt und damit auch in der realen Welt vor- wärtszubringen. Aktionstag ist jedes Jahr der 10.10.

Weitere Informationen: FrauMachtDigital!

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