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Digitalisierung Künstliche Intelligenz

Die digitale Technologie wird die Menschen nicht ersetzen, aber unser Zusammenleben verändern

16.07.2022
von SMA

Neue Entwicklungen und disruptive Technologien können ganz neuen Chancen schaffen, sowohl im wirtschaftlichen als auch im sozialen Bereich. Gleichzeitig bringt ein Paradigmenwechsel aber auch immer Angst sowie Unsicherheit mit sich. Die Digitalisierung führt bei vielen Menschen zu kritischen Fragen. Wie verändert sich unser Mensch-sein in Zeiten Künstlicher Intelligenz und agiler Roboter? Ein Gedankenexperiment. 

Klar ist: Künstliche Intelligenz wird in der Zukunft Teil der medizinischen Versorgung sein – doch wie weit soll die Integration gehen? Und was erwartet uns in naher und fernerer Zukunft? Diese Fragen wirft Claudia Witt, Ärztin, Professorin und Co-Direktorin der Digital Society Initiative (DSI) der Universität Zürich in einem Editorial auf, welches im Juni in 20 Minuten erschien.

Die Frage, inwiefern neue Anwendungen der digitalen Transformation wie KI in unser tägliches Leben eindringen werden und sollen, beschäftigt viele Schweizerinnen und Schweizer. Gerade im Gesundheitswesen ergeben sich einige potenziell heikle ethische Fragen: Entscheiden künftig Maschinen darüber, welche Art von Therapien wir erhalten? In welchem Spital ein Eingriff durchgeführt wird? Oder ob wir überhaupt als krank gelten?

Darauf kommt auch Claudia Witt in ihren Ausführungen zu sprechen: «Bei der Beantwortung solcher Fragestellungen spielt die Wissenschaft eine zentrale Rolle», schreibt sie. Um Szenarien für künftige Entwicklungen zu erarbeiten, sei das breite Wissen vieler unterschiedlicher Expert:innen sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Team unabdingbar. Nur eine solche Arbeitsweise führe zu fruchtbaren Kooperationen und ermögliche kritische Diskussionen.

Aufklärung tut Not

Die Medizin, beziehungsweise die Gesundheitsbranche, gehören zu den Fachbereichen, bei denen die Digitalisierung als besonders invasiv wahrgenommen werden kann. Schliesslich geht es hier im wahrsten Sinne des Worts um Leib und Leben – und nur die wenigsten Menschen möchten sich komplett der Einschätzung einer künstlichen Intelligenz unterwerfen.

Existierende Best Practices zeigen durchaus, dass KI-Anwendungen medizinische Fachpersonen bei ihrer täglichen Arbeit gut unterstützen können.

Hier stehen die medizinischen Leistungserbringer in der Pflicht, aufzuklären. Denn existierende Best Practices zeigen durchaus, dass KI-Anwendungen medizinische Fachpersonen bei ihrer täglichen Arbeit gut unterstützen können.

Gleiches gilt etwa für die Altenpflege: Moderne Technologien in Pensionierten-Heimen wie Herzschlag-Tracker, Fallmatten sowie Sensoren in diversen Alltagsgegenständen entlasten das menschliche Pflegepersonal, sodass diese ihre Arbeit besser erledigen und im Idealfall den zwischenmenschlichen Kontakt bewusster aufrechterhalten können. 

Die menschliche Komponente dürfte daher laut Marktbeobachtern nicht komplett aus der Medizin verschwinden, aber die Rolle digitaler Lösungen wird zunehmen. Wie angenehm oder unangenehm diese Verlagerung von Patientinnen und Patienten empfunden wird, hängt vor allem von deren Begleitung durch menschliche Fachpersonen ab. Der Ball liegt also, sozusagen, bei uns.

Wenn Maschinen schreiben – und lesen

Natürlich stellt sich die Frage, wie sich der Faktor Mensch im Rahmen der digitalen Transformation wandeln wird, nicht allein im Gesundheitswesen. Derzeit werden im Bereich der artifiziellen Spracherkennung und -nutzung enorme Fortschritte erzielt.

Künstliche Intelligenz wird bald in der Lage sein, Fakten und Daten so zu vermengen, dass daraus Nachrichtentexte entstehen. Dies eröffnet enorme Potenziale, wirft aber auch ganz neue Fragen auf. Denn je höher der Anteil KI-verfasster Texte wird, desto häufiger wird die Situation eintreffen, dass sich andere KI-Programme auf diese Texte berufen.

Vereinfacht gesagt beginnen Computerprogramme dann damit, sich gegenseitig zu referenzieren, ohne jegliches menschliches Zutun. Im Medienbereich wird man darum früher oder später nicht um die Diskussion herumkommen, ob und wie man einen «menschlichen Anteil» im Informationsfluss beibehalten will und kann. 

Ein drittes relevantes Handlungsfeld betrifft den Verkehr: Autonome Fahrzeuge, die keine Lenkerin und keinen Lenker benötigen, werden mittel- bis langfristig auch das Schweizer Strassenbild entscheidend mitprägen.

Das automatische Fahren von Tesla-Wagen hat uns bereits vor Jahren die Möglichkeiten dieses Ansatzes vor Augen geführt. Erneut steht man vor der Frage, ob und wie der Mensch hier eine Rolle spielen kann und soll. Statistisch gesehen dürften autonome Fahrzeuge – die notwendige technische Infrastruktur vorausgesetzt – weniger Unfälle verursachen als menschliche Automobilist:innen.

Das wirkt sich positiv auf die Zahl der Verkehrstoten aus und entlastet darüber hinaus den Versicherungsbereich. Ob man aber schwierige Entscheide, die bei einer Unfallsituation entstehen können, ganz der künstlichen Intelligenz überlassen möchte, lässt sich nur schwer beantworten.

Was sich mit Gewissheit sagen lässt: Die künftige Rolle des Menschen im digitalen Zeitalter muss von Menschen diskutiert, definiert und dann auch verankert werden. Um das zu erreichen, müssen wir uns auf ein klassisches Werkzeug verlassen: den Dialog.

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