Versicherung
Editorial

Die Krankenversicherer-Reserven als Fels in der Pandemie-Brandung

31.07.2021
von SMA
Verena Nold, santésuisse Schweizer Krankenversicherer

Verena Nold, Direktorin santésuisse

Verena Nold spricht über die Zukunft der Versicherer. 

Aktuell ist nicht abzuschätzen, welche Auswirkungen die Coronapandemie mittel- und langfristig auf die Gesundheitskosten haben wird. Klar ist aber schon jetzt: Die Reserven der Krankenversicherer haben bei den Prämienzahlerinnen und Prämienzahlern rasch für Beruhigung gesorgt. Denn auf die Coronakrise folgt keine Prämienkrise. Die Reserven garantieren Stabilität. Dank knapper Prämienkalkulation stiegen die Prämien für das Jahr 2021 nur um durchschnittlich 0,5 Prozent und liegen damit deutlich unter dem Kostenwachstum des vergangenen Jahres. Die Reserven abzubauen, um die Prämien künstlich tief zu halten, wäre hingegen falsch. Der Nutzen der Reserven hat sich gerade in der Krise gezeigt. Wie stark das Gesundheitswesen künftig noch belastet wird, können wir heute kaum abschätzen. Zum einen werden die Impfungen wohl teurer werden als zunächst angenommen. Das hat einen erfreulichen Grund: Nämlich die grosse Bereitschaft der Bevölkerung, sich tatsächlich impfen zu lassen. Zudem sind möglicherweise schon bald Auffrischungsimpfungen nötig. Hier stehen die Krankenversicherer selbstverständlich weiterhin mit den Kantonen und dem Bund als finanzierende Partner bereit.

Wie viele Menschen, die eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben, langfristig unter gesundheitlichen Schwierigkeiten leiden, ist noch nicht abzuschätzen. Aber wir müssen damit rechnen, dass die Langzeitfolgen erheblich sind. Diese akkurat zu behandeln ist wichtig und richtig. Diese Kosten zu finanzieren ist eine wichtige Aufgabe der sozialen Krankenversicherer.

Wie steht es mit den Operationen in den Spitälern? Werden diese in grosser Zahl nachgeholt? Die Wahrheit ist: Wir wissen es schlicht nicht.

Genau deshalb ist zentral, dass die Krankenversicherer über ein Sicherheitspolster verfügen, das dafür sorgt, dass die Krankenversicherer im Falle einer unangenehmen Überraschung nicht aus dem finanziellen Gleichgewicht geraten.

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Wir stehen dafür ein, dass die Coronakrise nicht zu einer starken Zunahme der Prämienlast führt.

Das gelingt nur dann, wenn unser Gesundheitswesen verlässlich und auf hohem Niveau funktioniert – und auch solide finanziert ist. Die sozialen Krankenversicherer leisten einen wesentlichen Beitrag dazu. Ein politisch erzwungener Reservenabbau, dies notabene mitten in der Krisenzeit, würde dagegen in Zukunft vermehrt unerwünschte Prämiensprünge provozieren. Es passt deshalb in keiner Weise zur aktuellen Lage, dass mehrere Kantone mit Standesinitiativen den Anschein erwecken wollen, die Reserven seien zu hoch. Sie nehmen mit ihren Vorhaben wirtschaftlich und gesellschaftlich unerwünschte Jo-Jo-Effekte bei den Prämien in Kauf. Markante Prämienerhöhungen treffen die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler aber ganz direkt. So geschehen 2008, als der damalige Bundesrat Pascal Couchepin die Krankenversicherer zwang, die Prämien mittels Reserveabbau künstlich tief zu halten. Die Folgen waren fatal: In den darauffolgenden Jahren mussten die Prämien massiv erhöht werden. Eine Wiederholung sollten wir tunlichst vermeiden.

Wir stehen dafür ein, dass die Coronakrise nicht zu einer starken Zunahme der Prämienlast führt. Diese soziale Verantwortung nehmen die Krankenversicherer sehr ernst. Die Festlegung der angemessenen Höhe der Reserven ist heute ausreichend geregelt. Wenn die Krankenversicherer Reserven abbauen können und möchten, stehen ihnen bereits genügend Möglichkeiten zur Verfügung: sei es via Ausschüttung von Reserven oder Prämienausgleich. Der Reservenabbau soll eine freiwillige unternehmerische Entscheidung bleiben und sich an der wirtschaftlichen Situation und der gängigen Praxis orientieren.

Text Verena Nold 

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