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Editorial Sommer

Verantwortung und Wertschöpfung Hand in Hand: Inlandtourismus als starkes Zeichen für die Schweiz

08.07.2026
von SMA

Romy Bacher
Leiterin Nachhaltigkeit Schweizer Tourismus-Verband

Die Schweiz ist ein Reiseland von aussergewöhnlicher Vielfalt: alpine Landschaften, Dörfer mit gelebter Geschichte, urbane Kultur, regionale Kulinarik und ein öffentlicher Verkehr, der Räume verbindet. Diese Vielfalt ist mehr als ein touristisches Versprechen. Sie ist ein wirtschaftlicher Standortfaktor, Teil unserer Lebensqualität und ein verbindendes Element zwischen Gästen, Bevölkerung und Regionen.

Wer in der Schweiz reist, leistet einen Beitrag entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette: Hotels, Restaurants, Bergbahnen, Museen, Transportunternehmen und lokale Produzenten profitieren im besten Fall gleichermassen. Der Tourismus hält Wertschöpfung in den Regionen, sichert Arbeitsplätze und trägt Infrastrukturen mit, die auch der Bevölkerung zugutekommen. Gerade in ländlichen und alpinen Räumen ist er ein zentraler Pfeiler der regionalen Entwicklung. Der Inlandtourismus ist eine stabile Konstante in einem Sektor, der stark von strukturellen Entwicklungen, klimatischen Veränderungen und globalen Unsicherheiten geprägt ist.

Gemeinsam mit Einheimischen und Gästen

Tourismus findet in Landschaften, Infrastrukturen und öffentlichen Räumen statt, die gleichzeitig auch Lebensräume sind. Wo die Bevölkerung einen konkreten Nutzen erkennt und wo touristische Entwicklung nachvollziehbar erklärt wird, entsteht Akzeptanz. Wo Belastungen einseitig wahrgenommen werden, kann sie schwinden. Deshalb braucht es den Dialog zwischen Gästen, Einheimischen, Betrieben, Destinationen und Politik.

Die Branchen-Toolbox zur Tourismusakzeptanz, die der Schweizer Tourismus-Verband gemeinsam mit Schweiz Tourismus, der Regional Tourism Alliance und der Hochschule Luzern entwickelt hat, setzt hier an: Sie basiert auf dem grundlegenden Verständnis von Tourismus als Miteinander und zeigt auf, wie Destinationen Herausforderungen erkennen, Anspruchsgruppen einbeziehen, Nutzen sichtbar machen und Kommunikation gezielt einsetzen können. Entscheidend ist, dass touristische Entwicklung in den lokalen Kontext eingebettet wird und die Menschen vor Ort Teil der Lösung sind. So stellt sich der Tourismus nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial nachhaltig auf.

Ohne Veränderung der Wirkung kein zukunftsfähiger Tourismus

Nachhaltigkeit im Tourismus ist die Voraussetzung für den langfristigen Erfolg des Tourismus und eine grundlegende Prämisse unternehmerischen Handelns. Die Schweiz verfügt diesbezüglich über eine gute Ausgangslage mit einer hohen Servicequalität, vielfältigen Regionen, starken lokalen Identitäten und einem engen Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Gäste: Sie suchen authentische Erlebnisse, transparente Angebote und eine Reiseform, die mit Natur, Kultur und Bevölkerung im Einklang steht.

Nachhaltiger Tourismus beginnt nicht mit Verzicht, sondern mit Sorgfalt. Es geht darum, bewusst zu reisen, länger zu bleiben, regionale Angebote zu nutzen und Orte so zu erleben, dass sie auch für kommende Generationen attraktiv bleiben. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, Tourismus kleiner zu denken. Sie bedeutet, ihn bewusster zu gestalten.

Besonders sichtbar ist dies beim Verkehr. Denn ohne Mobilität gibt es keinen Tourismus. Gleichzeitig entstehen gerade in der Mobilität relevante Umweltbelastungen. Wer den Tourismus glaubwürdig nachhaltiger gestalten will, muss die gesamte Reisekette betrachten – von der Anreise über die Mobilität vor Ort bis zur Abreise. Die Mobilität an sich birgt gleichzeitig auch ein grosses Potenzial: Die Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger kann bereits Teil des touristischen Erlebnisses sein. Die Schweiz hat hier einen strukturellen Vorteil: Bahn, Bus, Schiff, Seilbahnen und Velowege lassen sich vielerorts kombinieren. Nachhaltige Mobilität wird dann erfolgreich, wenn sie nicht als moralischer Appell daherkommt, sondern als attraktive, bequeme, verlässliche Option.

Swisstainable Destinationen gehen mit gutem Beispiel voran 

Wie konkrete Umsetzung aussehen kann, zeigen Programme, welche die nachhaltige Entwicklung im Schweizer Tourismus fördern. Das Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable unterstützt dabei nicht nur Betriebe, sondern ganze Tourismusdestinationen, ihr Engagement zu stärken und sichtbarer zu machen. Es geht dabei nicht nur um Einzelmassnahmen, sondern um eine umfassende strategische Verankerung: Ein klares Commitment, eine durchdachte Nachhaltigkeitsstrategie, ein konkreter Massnahmenplan und eine transparente Kommunikation sind unter anderem nötig, damit die Destinationen teilnehmen können. So werden Destinationen befähigt, Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verankern.

Dieser Ansatz ist wichtig, weil Gäste Destinationen als Ganzes erleben. Eine nachhaltige Unterkunft entfaltet ihre Wirkung noch stärker, wenn auch Mobilität, Gastronomie, Kulturangebote, regionale Produkte und Kommunikation zusammenspielen. Swisstainable Destination schafft dabei Orientierung – für Gäste ebenso wie für Betriebe und Regionen. Dass Destinationen von Basel bis Zermatt und von Gstaad bis ins Engadin teilnehmen, zeigt: Nachhaltigkeit ist im Tourismus kein Nischenthema einzelner Vorreiter mehr, sondern ein gemeinsamer Entwicklungsprozess über das gesamte Land hinweg.

Best Tourism Villages: Von der UN ausgezeichnet und einen Besuch wert

Auch die Best Tourism Villages by UN Tourism machen sichtbar, wie eng Tourismus, regionale Identität und nachhaltige Entwicklung verbunden sind. Ausgezeichnet werden Dörfer in ländlichen Gebieten, die ihr kulturelles und natürliches Erbe bewahren, lokale Wertschöpfung stärken und touristische Entwicklung verantwortungsvoll vorantreiben. Schweizer Beispiele wie Romoos, Valendas oder Morcote zeigen, dass kleine Orte grosse Wirkung entfalten können, wenn Bevölkerung, Betriebe, Landwirtschaft, Kultur und Tourismus an einem Strang ziehen. Viele von ihnen sind noch wenig bekannte Ausflugsziele – und gerade deshalb einen Besuch wert.

Ein starkes Zeichen für den Tourismus

Die Bühne für den heimischen Tourismus ist deshalb auch eine Bühne für die Schweizer Wirtschaft. Sie zeigt, dass Innovation und Tradition zusammenspielen und Nachhaltigkeit in allen Dimensionen nicht gegen Wertschöpfung ausgespielt werden darf, sondern ihre Grundlage bildet. Tourismus ist dann stark, wenn er breit abgestützt ist: wirtschaftlich tragfähig, ökologisch sorgfältig und gesellschaftlich akzeptiert.

Der Schweizer Tourismus-Verband verfolgt mit seinem Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit (Kona) die Vision, den Schweizer Tourismus gezielt und praxisnah nachhaltiger weiterzuentwickeln. Als nationale Anlaufstelle vernetzt das Kona Akteure, bündelt Wissen und unterstützt Betriebe, Destinationen und Branchenverbände bei der konkreten Umsetzung nachhaltiger Entwicklung. Dies gelingt im Zusammenspiel mit engagierten Betrieben, verantwortungsvollen Destinationen, starken Partnerorganisationen, einer unterstützenden Politik sowie Gästen, die offen sind für bewusste Erlebnisse. Der Schweizer Tourismus bietet dafür eine ideale Grundlage: nah, vielfältig, wertschöpfungsstark und lernfähig.

Text Romy Bacher, Leiterin Nachhaltigkeit Schweizer Tourismus-Verband

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