Vier Freunde, vier eigene Sounds – und eine gemeinsame Vision: Leoluar, Vian, Jasko und Gianni bilden gemeinsam die Brokeboycliq. Zwischen Studio-Sessions, ersten Shows und neuen Releases warten die Jungs nicht darauf, dass die Schweizer Musikszene ihnen eine Bühne gibt – sie bauen sich ihre eigene. Im Interview sprechen sie über Freundschaft als kreativen Antrieb, musikalische Entwicklung und darüber, warum aus St. Gallen noch einiges kommen dürfte.

Jasko, Vian und Leoluar auf der Bühe der bandXost 2025
Wenn ihr Brokeboycliq jemandem vorstellen müsstet, der euch noch nicht kennt: Wer seid ihr als Gruppe und wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Brokeboycliq sind vier Freunde, die vor allem die Liebe zur Musik und Kunst verbindet. Wir sind alle ziemlich unterschiedlich und genau das macht die Gruppe aus. Jeder bringt seinen eigenen Sound, seine eigenen Einflüsse und seine eigene Art mit, Dinge auszudrücken. Unsere Musik würden wir deshalb auch nicht wirklich in ein bestimmtes Genre stecken. Sie bewegt sich irgendwo zwischen Rap, New Wave und atmosphärischen Sounds, verändert sich aber ständig mit uns mit. Am Ende machen wir einfach die Musik, die wir selbst hören wollen, ohne uns zu viele Grenzen zu setzen.
Leoluar, du sprichst auf deinem eigenen Spotify nicht nur von Musik, sondern auch von Kunst. Was gehört für dich alles zu dieser künstlerischen Welt?
Leoluar: Für mich ist Kunst viel mehr als nur Musik. Musik ist eigentlich nur die Sprache, mit der ich ausdrücke, was in meinem Kopf passiert. Dazu gehören aber genauso Visuals, Videos, Kleidung, Fotos und allgemein die ganze Ästhetik rund um leoluar.
Mir ist wichtig, dass alles irgendwie aus derselben Welt kommt. Ein Song soll nicht einfach nur ein Song sein, sondern ein Gefühl oder einen Moment erschaffen, den man sehen und spüren kann.
Woher nehmt ihr Inspiration für eure Musik und wie wird aus einer ersten Idee am Ende ein Track?
Gianni: Inspiration ziehe ich teilweise aus anderen Artists, die ich selbst feier, oder aus Songs, die ich gerade viel höre. Da gibt es dann einzelne Ansätze, Sounds oder einen bestimmten Vibe, der mich inspiriert. Gleichzeitig versuche ich aber auch, ein Gefühl dafür zu haben, was gerade in den Zeitgeist passt und wie ich das auf meine eigene Art umsetzen kann. Natürlich hängt auch extrem viel von meiner aktuellen Laune ab.
Wenn ich dann eine Idee oder einen bestimmten Vibe catche, versuche ich, diesen eigentlich Stück für Stück aus meinem Kopf ins Mikrofon zu transportieren. Oft entsteht dabei vieles direkt beim Aufnehmen. Ich schreibe mir aber auch immer wieder einzelne Lines und Ideen in meine Notizen, wenn mir spontan etwas in den Kopf kommt. Im Studio greife ich die dann teilweise auf und baue einen ganzen Part oder Track darum herum.
Wenn ich mit den Jungs im Studio bin, kann das natürlich auch variieren. Dann sitzt man teilweise gemeinsam an einem Text, wirft sich Ideen oder Lines zu und entwickelt das zusammen weiter. Genau das macht den Prozess für mich spannend. Ich habe nicht diesen einen festen Weg, wie ein Track entstehen muss.
Ihr arbeitet als Gruppe eng zusammen. Gianni, du bist als neustes Mitglied zu Brokeboycliq gestossen. Wie erlebst du diese Dynamik?
Gianni: Ich finde, unsere verschiedenen Ansätze machen es aus. Jeder bringt seinen eigenen Sound und seine eigene Art, an Musik ranzugehen, mit. Daraus kann man eigentlich immer etwas für sich selbst ziehen und seinen Horizont durch alle anderen erweitern.
Als ich dann offiziell Brokeboycliq gejoint bin, hat sich eigentlich nicht so viel verändert. Wir haben schon vorher viel Musik zusammen gemacht. Trotzdem sind meine Homies für mich hella inspiring. Recorded jemand einen krassen Track oder Part, pusht mich das automatisch, selbst noch mehr aus mir rauszuholen. Genauso wichtig finde ich, dass man sich gegenseitig ehrliches Feedback geben kann, wenn etwas echt nicht hard ist. Wie ein Kollege aus der Musikbranche mal gesagt hat: «Meine Homies sind mein Flex.» Ich glaube, das würde ich mittlerweile fast genauso unterschreiben.

Jasko und Leoluar vor der Crowd der bandXost 2025
Was ist euch bei der eigenen Musik besonders wichtig, unabhängig davon, mit wem aus der Gruppe ihr zusammenarbeitet?
Jasko: Für mich ist das Wichtigste an Musik, dass sie echt ist. Ich versuche, Dinge zu erzählen, die ich wirklich erlebt habe oder die mich tatsächlich beschäftigen. Musik ist für mich nicht einfach nur Unterhaltung, sondern eine Möglichkeit, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle festzuhalten. Ich lege viel Wert darauf, real zu bleiben und nichts zu erzählen, hinter dem ich nicht stehen kann.
Natürlich entwickelt man sich mit der Zeit weiter und probiert neue Sachen aus, aber der Kern bleibt für mich immer der gleiche. Wenn ich einen Song schreibe, möchte ich am Ende das Gefühl haben, dass er wirklich was von mir widerspiegelt. Ich glaube, genau dadurch entsteht auch die Verbindung zu den Leuten, die die Musik hören: Sie merken, wenn etwas authentisch ist.
Gemeinsam entwickelt ihr euch stetig weiter. Leoluar, du hast bereits unter verschiedenen Namen Musik gemacht. Was bedeutet Weiterentwicklung für dich?
Leoluar: Für mich bedeutet Weiterentwicklung vor allem, sich selbst immer besser kennenzulernen. Ich habe unter verschiedenen Namen Musik gemacht, und jede dieser Phasen war irgendwie eine andere Version von mir. Früher habe ich viel ausprobiert und versucht herauszufinden, wie ich klingen oder wirken möchte. Heute geht es mir mehr darum, das umzusetzen, was sich wirklich nach mir anfühlt. Ich glaube, man merkt, dass man als Künstler gewachsen ist, wenn man weniger darüber nachdenkt, was richtig oder falsch ist. Man vertraut mehr auf den eigenen Geschmack und die eigene Vision. Für mich bedeutet Wachstum deshalb nicht unbedingt, dass alles technisch besser wird, sondern dass das, was man macht, immer ehrlicher zu einem selbst wird.
Vian, auch deine Musik hat verschiedene Phasen durchlaufen. Wonach suchst du heute beim Musikmachen und wann spiegelt ein Song für dich den Artist wirklich wider?
Vian: Ich mache eigentlich jeden Tag anders Musik, je nachdem, wie ich mich gerade fühle. Das habe ich schon immer so gemacht und meine Musik hat sich dementsprechend mit meiner persönlichen Entwicklung mitentwickelt. Im Grunde geht’s mir darum, meine Gedanken irgendwie rauszulassen und zu verarbeiten, egal ob positive oder negative. Mit meiner Musik kann ich das für mich am einfachsten ausdrücken. Solange das Endprodukt auch for real von einem selbst kommt, spiegelt das meiner Meinung nach den Artist immer wider.
Wir wollen mit der Brokeboycliq unseren eigenen Teil dazu beitragen, neue Sachen ausprobieren, Möglichkeiten schaffen und zeigen, dass auch aus St. Gallen eine starke und eigenständige Newcomer-Szene entstehen kann.
Ihr erlebt die Schweizer Newcomer-Szene aus erster Hand. Wie nehmt ihr diese Szene wahr: Gibt es genug Möglichkeiten für junge Artists oder stösst man hier schnell an Grenzen?
Hier in St. Gallen merkt man, dass die Newcomer-Szene noch sehr viel Luft nach oben hat. Es gibt zwar immer wieder einzelne Möglichkeiten und Plattformen, aber insgesamt fehlt es noch stark an Strukturen, regelmässigen Events und Orten, an denen neue Artists wirklich eine Chance bekommen, sich zu zeigen und eine eigene Fanbase aufzubauen. Vieles entsteht aus Eigeninitiative. Wenn man etwas erreichen will, muss man sich die Möglichkeiten meistens selbst schaffen.
Das ist aber nicht nur ein Problem in St. Gallen. Auch in der restlichen Schweiz ist es für Newcomer schwierig, wirklich Fuss zu fassen. Die Szene ist vergleichsweise klein, viele Veranstaltungen setzen lieber auf bereits bekannte Namen und zwischen den einzelnen Städten fehlen teilweise die Connections. Dadurch gibt es extrem viele Artists, die zwar gute Musik machen, aber kaum Bühnen oder Plattformen bekommen, um überhaupt entdeckt zu werden.
Trotzdem merkt man, dass sich langsam etwas tut. Gerade deshalb finden wir es wichtig, nicht einfach darauf zu warten, dass sich die Szene von selbst entwickelt. Wir wollen mit der Brokeboycliq unseren eigenen Teil dazu beitragen, neue Sachen ausprobieren, Möglichkeiten schaffen und zeigen, dass auch aus St. Gallen eine starke und eigenständige Newcomer-Szene entstehen kann.
Ihr bringt eure Songs zunehmend auch auf die Bühne. Wie erlebt ihr den Wechsel vom vertrauten Studio zu einem echten Publikum?
Vian: Die Bühne ist nochmal ein ganz anderes Feeling. Natürlich ist es anders als im Studio, aber für mich persönlich fühlt es sich auf der Bühne genauso wohl an. Für uns als Gruppe ist vor allem die Zusammenarbeit auf der Stage etwas, das uns nochmals enger zusammenschweisst. Wir lernen, unsere Stärken zu kombinieren, richtig zu timen und daraus die bestmögliche Experience zu machen. Dazu verbringt man viel Zeit mit Planen, Vorbereiten und natürlich auch Proben. Bei den Auftritten selbst kommt dann dieser Adrenalinkick dazu. Auf solche Momente können wir gemeinsam zurückblicken, uns darüber freuen und direkt wieder daran arbeiten, den nächsten Auftritt auf ein neues Level zu bringen.
Was bedeutet euch das Musikmachen persönlich und was hält euch bis heute daran fest?
Jasko: Musikmachen bedeutet mir extrem viel. Vor allem ist es aber die Freude daran, die mich bis heute begleitet und nie verschwunden ist. Musik ist für mich ein Weg, Gefühle zu verarbeiten und einfach loszulassen. Wenn ich Musik mache, fühle ich mich komplett frei und kann einfach dem folgen, was ich in diesem Moment fühle. Genau das macht Musik für mich so besonders.
Dass ich bis heute daran festhalte, hat viel mit der Leidenschaft zu tun, die dahintersteckt. Zum einen ist es die Freude am Musikmachen, aber auch das Ziel, mit unserer Musik Menschen zu erreichen. Wenn sich jemand in einem Song wiederfindet, sich verstanden fühlt oder einfach einen guten Moment damit hat, gibt mir das viel zurück. Genau das motiviert mich – und uns – weiterzumachen.
Was steht bei euch als Nächstes an?
Als Nächstes stehen erstmal zwei Shows an: Am 10. Oktober spielen wir in der Garage8 in Olten. Am 31. Oktober spielen wir dann bei der bandXost-Quali in Rorschach. Gleichzeitig passiert musikalisch auch einiges: Leoluar und Vian arbeiten gerade an einem gemeinsamen Album, das noch dieses Jahr released werden soll. Leoluar und Gianni sind ausserdem gemeinsam an einer EP dran und auch Jasko arbeitet aktuell an einer Solo-EP. Für beide EPs gibt es aber noch kein fixes Releasedatum. Es kommt also einiges.
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