weltaufräumtag 2022
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Gesellschaft Nachhaltigkeit

Weltaufräumtag 2022: für eine saubere Erde

10.09.2022
von Julia Ischer

Am 17. September 2022 findet der Weltaufräumtag (World Cleanup Day) statt. Der Tag, an dem auf der ganzen Welt Abfall, meist durch Littering verursacht, gesammelt und fachgerecht entsorgt wird. Doch woher kommt dieser Tag? Hilft er der Umwelt wirklich? Und was kann man sonst gegen Littering machen? Das Bundesamt für Umwelt BAFU klärt gegenüber «Fokus» auf.

Die Abfallproblematik in vielen Ländern der Welt wird im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Umwelt immer wichtiger und präsenter. Am Weltaufräumtag möchte man mithilfe von freiwilligen Abfallsammler:innen einem Teil des Problems, dem Littering, entgegenwirken. Der offiziellen Webseite zufolge haben seit dem ersten weltweiten Cleanup Day am 18. September 2018 60 Millionen Helfer:innen über 300 Tonnen Abfall in 191 Ländern gesammelt. Seinen Ursprung findet der Tag im Jahr 2008 in Estland. Dort wurde in weniger als 24 Stunden die gesamte Meeresküste durch gemeinsames Müllsammeln gereinigt.

Ein solcher Weltaufräumtag hilft aber nicht nur bei der Abfallbeseitigung. «Auch die Sensibilisierung der Bevölkerung für die korrekte Entsorgung ihrer Abfälle» sei ein wichtiges Ziel, so das BAFU. Sowohl diejenigen Personen, die aktiv an den Cleanups teilnehmen, als auch Aussenstehende werden beispielsweise durch das Beobachten der Aktion oder durch Plakate auf das Problem aufmerksam. So kann ein einziger Tag auch nachhaltig der Umwelt helfen und etwas gegen Littering bewirken.

Illegale Abfallentsorgung

Herumliegender Abfall im öffentlichen Raum ist nicht immer gleich Littering. Laut dem BAFU bezeichnet Littering «das achtlose Liegenlassen oder Wegwerfen von kleinen Mengen Siedlungsabfall, ohne die dafür vorgesehenen Mülleimer oder Sammelstellen zu benutzen». Es sei zwar eine Form der illegalen Entsorgung, müsse aber von der illegalen Deponierung (bspw. wilde Müllkippen oder die Deponierung von Schrott im Wald) und der Falschentsorgung (bspw. die Entsorgung von Haushaltsabfällen in öffentlichen Abfalleimern) unterschieden werden.

Weltaufräumtag 2022

Bild: IStockPhoto/Lucia Gajdosikova

Aber was wird denn überhaupt gelittert? Eine Studie im Auftrag des BAFU zeigt, dass mit 66 Prozent Zigaretten und deren Verpackung am häufigsten gelittert werden. Darauf folgen Take-away-Verpackungen (16 Prozent), Getränkeverpackungen aus Alu, PET und Glas (7 Prozent), Getränkekartons, Scherben und Deckel (6 Prozent) und diverse Abfälle wie Servietten (3 Prozent). Den kleinsten Anteil an Litteringabfällen machen mit 2 Prozent Zeitungen und Flyer aus. Obwohl die Studie aus dem Jahr 2011 stammt, geht das Bundesamt davon aus, dass die Verhältnisse mehr oder weniger gleich geblieben sind. Ausserdem zeigt auch eine aktuelle Erhebung aus dem Jahr 2022, dass Zigarettenstummel und Snack-Verpackungen, die nicht mehr eingesammelt wurden und somit in die Umwelt gelangten, die häufigsten Abfälle an Schweizer See- und Flussufern sind.

Littering: Auslöser und Folgen

Ursachen für Littering gibt es viele. «Immer mehr Aktivitäten verlagern sich aus dem privaten Bereich in die Öffentlichkeit, wie beispielsweise das Picknick auf der Parkbank am Mittag oder das gemütliche Beisammensein am Seeufer am Abend. Gelitterte Abfälle entstehen in der Regel unterwegs und oft als spontaner Akt unmittelbar nach einer Konsumation», so das BAFU. Ausserdem erfährt man im öffentlichen Raum eine gewisse Anonymität. Diese steigere die Wahrscheinlichkeit des Litterings und könne durch den Gruppendruck noch verstärkt werden. Auch der Sachwert spiele eine grosse Rolle – Dinge mit einem bestimmten Wert werden eher wieder mitgenommen und Orte mit einer gewissen Bedeutung für die jeweilige Person werden tendenziell weniger verschmutzt.

«Littering kann nur mit einem Massnahmenmix wirkungsvoll bekämpft werden.»

Nicht nur die Ursachen, sondern auch die Auswirkungen von Littering sind vielfältig. Dazu meint das Bundesamt für Umwelt, dass Littering einerseits unsere Lebensqualität und die des Lebensraums beeinträchtige, weil es eine optische Belästigung ist. Andererseits verursache die Reinigung und das Entsorgen solcher Abfälle hohe Kosten für die Gemeinden und Kantone. «Littering ist ein Gesellschaftsproblem, kann aber auch zu Umweltproblemen führen», führt das BAFU an. Liegengelassene Abfälle können in Gewässer gelangen und sich in Böden anreichern. Da Littering-Abfälle ins Tierfutter geraten können, sind auch die Tiere gefährdet. Darüber hinaus können gelitterte Gegenstände wie Glas- oder PET-Flaschen nicht in unser Recyclingsystem aufgenommen werden und bremsen somit die Kreislaufwirtschaft aus.

Der Weltaufräumtag in der Schweiz

Auch die Schweiz macht mit am World Cleanup Day. Dieser findet an zwei Tagen, dem 16. und 17. September 2022, statt. Zusammen mit Freund:innen, Arbeitskolleg:innen, Mitschüler:innen oder der Familie kann man eine Gruppe bilden und gemeinsam Abfall sammeln. Die gefüllten Säcke werden alle an einen dafür bestimmten Platz gebracht und dort von der örtlichen Müllabfuhr sachgemäss entsorgt.

Und an den anderen 364 Tagen?

Wenn es um sonstige Massnahmen gegen Littering geht und nicht gerade ein Weltaufräumtag stattfindet, hat das BAFU eine klare Meinung: «Littering kann nur mit einem Massnahmenmix wirkungsvoll bekämpft werden». Zum einen sei eine Sensibilisierung der Bevölkerung auf die Problematik sowie die Schadensminderung wie beispielsweise im Rahmen eines Aufräumtages wichtig. Zusätzlich seien technische Massnahmen wie genügend Sammelstellen und Abfalleimer im öffentlichen Raum hilfreich. Zum anderen können auch Bussen dazu beitragen, die Gesellschaft wachzurütteln und ihr Verhalten zu ändern, um weniger Littering-Abfälle zu erzeugen. Laut dem BAFU haben bereits 22 Kantone Geldstrafe eingeführt und momentan stehe im Parlament die Einführung einer nationalen Littering-Busse zur Diskussion.

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