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Mobilität

CH-Verkehr quo vadis?

07.01.2022
von SMA

Kürzlich hat der Bundesrat seine Ziele für die Planung von Verkehrsinfrastrukturen bis ins Jahr 2050 festgelegt.

«Mobilität und Raum 2050» nennt sich ein zentrales Planungsinstrument des Bundes an der Schnittstelle zwischen Verkehr und Raum. Es dient dazu, die Planungen zu verschiedenen Verkehrsträgern wie Strasse und Schiene in Einklang zu bringen und mit der Raumentwicklung abzustimmen. Damit bildet es den Rahmen für die Entwicklung des schweizerischen Gesamtverkehrssystems. Die Schweiz erfährt weiterhin einen starken Urbanisierungsprozess. Die Bevölkerung dürfte bis 2050 auf knapp 10,5 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner anwachsen. 

Angestrebt wird eine räumlich abgestufte Grundversorgung. Dies bedeutet, dass periphere Regionen durch Personen- und Güterverkehr hinreichend erschlossen bleiben, wodurch das Bestehende erhalten wird und sich die ländlichen Zentren wie auch die alpinen Tourismuszentren angemessen entwickeln können. Fokussiert wird auf die Vernetzung des polyzentrischen Städtesystems, die Stärkung der Agglomerationen und die hinreichende Erschliessung der Regionalzentren. Bei der dafür erforderlichen Weiterentwicklung der Verkehrsangebote und -netze sind die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Wirtschaft sowie der Umwelt ausgewogen zu berücksichtigen. Die ökologische Tragfähigkeit sowie die Finanzierbarkeit müssen sichergestellt werden. Dabei sind alle Verkehrsträger mit ihren jeweiligen Infrastrukturen entsprechend ihren spezifischen Stärken und Vorteilen einzubeziehen. Heute findet die räumliche Entwicklung nicht immer dort statt, wo es für die bestehende Netzinfrastruktur optimal wäre. Die raumplanerische Herausforderung liegt darin, eine ausgeglichene Entwicklung von Arbeitsplätzen, Wohnraum und Freizeitanlagen herbeizuführen, was die Länge der Wege reduzieren und die Auswirkung auf die bestehende Netzstruktur geringhalten kann. 

Die engen räumlichen Verhältnisse setzen dem weiteren Ausbau der Strassen- und Schienennetze Grenzen. Die Herausforderung liegt darin, sowohl umweltschonende als auch wirtschaftliche Lösungen zur effizienteren Nutzung der bestehenden Netze zu finden, die es ermöglichen, die Netz- und Angebotshierarchie zu wahren und die gegenseitigen Behinderungen der verschiedenen Verkehrsarten abzubauen, beispielsweise durch eine gleichmässigere Auslastung über den Tag. Veränderte Arbeitsformen sowie weitere Möglichkeiten können zur ausgeglichenen Auslastung sowie zur Verkehrsvermeidung einen Beitrag leisten.

Neue Möglichkeiten der Organisation des Angebots werden es inskünftig erlauben, die Mobilitätsbedürfnisse im Güter- und Personenverkehr mithilfe mehrerer Verkehrsträger oder -mittel zu befriedigen. Hierbei liegt die Herausforderung darin, Knoten-, Verbindungs- und Bündelungspunkte so zu planen, dass sich der multi- und intermodale Wechsel dadurch vereinfacht. Solche Knoten- und Verbindungspunkte bilden oft auch Schwerpunkte der Siedlungsentwicklung. Die Feinerschliessung in Verdichtungsgebieten stellt die Netzbetreibergesellschaften ebenfalls vor neue Herausforderungen.

Den hohen Erwartungen stehen viele Ungewissheiten gegenüber, was den Zeitpunkt der technologischen Durchdringung, die Marktakzeptanz und Rebound-Effekte betrifft.

Auch im Gütertransport steht die Verbesserung der Vernetzungs- und Bündelungsmöglichkeit die zentrale Herausforderung dar. Die Integration unterschiedlicher Verkehrsträger in die Logistikketten erlaubt es, die unterschiedlichen Vorteile der Verkehrsträger bei Bündelung über längere Distanzen und der Feinzustellung zu verbinden. Knoten-, Verbindungs- und Bündelungspunkte sind systematisch zu planen und für alle Verlader zugänglich zu machen. Idealerweise sollten an diesen Standorten auch die Möglichkeiten zur Erbringung weiterer Logistikaufgaben möglich sein (Lagerung, Sortierung etc.). Hier erweist es sich als schwierig, verkehrlich gut erschlossene Standorte und Flächen für Umschlagsplattformen und Logistikdrehscheiben zu finden und die Flächenbeanspruchung dabei so gering wie möglich zu halten.

Den hohen Erwartungen stehen viele Ungewissheiten gegenüber, was den Zeitpunkt der technologischen Durchdringung, die Marktakzeptanz und Rebound-Effekte betrifft. Daher besteht die Herausforderung darin, die Infrastrukturen so zu planen, dass sie mit den heute noch nicht in ihrer Gesamtheit bekannten, künftig einsetzbaren Technologien kompatibel sind. Deshalb ist es angezeigt, sich mit möglichen Szenarien und deren Konsequenzen zu beschäftigen, um rechtzeitig auf neue Gegebenheiten reagieren zu können. Es gilt, nachhaltige Lösungen zu finden, damit die Zugänglichkeit für alle Nutzergruppen gesichert bleibt. Das Potenzial der Digitalisierung (z. B. auf das Verkehrsaufkommen) ist zu nutzen. Heute bestehen jedoch zahlreiche technische und rechtliche Hürden, die den Zugang zu und die Nutzung der von verschiedensten Akteuren erhobenen oder generierten Daten erschweren.

Der überarbeitete Programmteil bezieht die sich verändernden Mobilitätsbedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft mit ein. Er beinhaltet entsprechende Ziele, die bei der Planung und dem Ausbau der Infrastrukturen für den Personen- und den Güterverkehr zu berücksichtigen sind. Neu zeigt der Bund kantonsübergreifend auf, welchen Handlungsbedarf er in den zwölf Handlungsräumen der Schweiz sieht. So sollen beispielsweise Bund Kantone, Städte und Gemeinden in den Handlungsräumen gemeinsam die Planung von Verkehrsdrehscheiben angehen.

«Mobilität und Raum 2050» ersetzt den Programmteil des Sachplans Verkehr von 2006. Der Bund setzt damit den Rahmen, um künftige Ausbauschritte der Strategischen Entwicklungsprogramme (STEP) Nationalstrassen und Bahninfrastruktur zu erarbeiten sowie die nächsten Agglomerationsprogramme zu prüfen. Er wird bei der Überarbeitung der Infrastrukturteile des Sachplans Verkehr (Strasse, Schiene, Luft- und Schifffahrt) und bei den Langfristperspektiven für Bahn und Nationalstrasse berücksichtigt. Der Sachplan Verkehr ist überdies eine Grundlage, um die kantonalen Richtpläne zu prüfen. «Mobilität und Raum 2050» dient dem Bund, den Kantonen und den Gemeinden auch dazu, Raum, Umwelt und Verkehr gemeinsam zu denken und optimal aufeinander abzustimmen.

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