Edelweisshemd
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Ein Schweizer Klassiker – der jünger ist, als man meint

27.08.2020
von SMA

Kein anderes Kleidungsstück steht dermassen als Sinnbild für die Schweiz wie das Edelweiss- oder Sennenhemd. Und obschon das zeitlose Hemd durchaus auf eine gewisse Tradition zurückblicken kann, reicht diese nicht ganz so weit zurück, wie man vielleicht annehmen würde.

Meistens ist es hellblau, aus solidem weichem Stoff gefertigt und mit filigranen Edelweiss-Motiven bestickt – das klassische Schweizer Edelweiss-, beziehungsweise Sennenhemd. Das Kleidungsstück darf an keinem Schwingerturnier und an keinem Jodelchörli-Auftritt fehlen. Und auch auf hiesigen Wanderwegen trifft man es ab und zu an. 

Das Edelweisshemd ist ein Statement. Es ist Bekenntnis zu den Traditionen der Schweiz und zelebriert die einfache Herkunft eines Landes, das stolz ist auf seine einfache, landwirtschaftliche Herkunft. Wer allerdings davon ausgeht, dass er oder sie mit einem Edelweisshemd auch ein Stück Kulturgut überstreift, dessen Geschichte 100 oder mehr Jahre zurückreicht, liegt falsch. Denn das heutige Sennenhemd ist eine Erfindung der Neuzeit. Kein Senn im 19. Jahrhundert habe jemals ein solches Hemd auf dem Leib getragen, erklärt z.B. Volkskundlerin Birgit Langenegger gegenüber dem St. Galler Tagblatt. Die «echten» Sennenhemden bestanden aus schlichtem weissem Stoff, den man mit der Kochwäsche sauber bekam.  

Das Edelweisshemd ist ein Statement.

Swinging Sixties

Wo nimmt die Geschichte des berühmten Edelweisshemdes also ihren Anfang? Tobias Scheidegger, Kulturwissenschaftler aus Zürich, ist dieser Frage nachgegangen. Und wurde fündig: Demnach wurde das Hemd in seiner jetzigen Form erstmals von der Weberei Gugelmann & Co. im bernischen Roggwil hergestellt – und zwar erst in den 1960er- oder 70er-Jahren. Wer das Blumenmuster genau erfunden hat, beziehungsweise wann genau das erste Edelweisshemd produziert wurde, ist heute nicht mehr bekannt. 

Oh, und die Ansicht, das Edelweisshemd sei das klassische Schwingerhemd, ist ebenfalls falsch. Denn obschon heute rund die Hälfte der Schwinger an Wettkämpfen das blaue Kleidungsstück trägt, ist es nicht Teil des Bekleidungsreglements der Schwingerverbände. Es habe sich mit der Zeit einfach etabliert und erfreue sich heute grosser Beliebtheit. 

Das Edelweisshemd ist also jünger als gedacht. Aber das tut seinem Charme keinerlei Abbruch. Es bleibt ein zeitloses Stück Mode, das mittlerweile über einen symbolischen Wert verfügt. Und welches man mit immer neuen Accessoires kombinieren kann. Im Corona-Jahr 2020 bietet sich unter anderem natürlich die Edelweiss-Schutzmaske an, die es in diversen Onlineshops zu kaufen gibt. 

Text SMA

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