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28 September 2020

Hugh Grant: «Man braucht eine Familie».

Was tun, wenn romantische Komödien ausser Mode gekommen sind? Dann spielt man halt den Fiesling, dachte sich Hugh Grant und hat damit ebenfalls Erfolg. Auch privat hat sich einiges geändert für den britischen Schauspieler: Der ewige Junggeselle ist seit zwei Jahren verheiratet und hat insgesamt fünf Kinder. Im Interview verrät er, wie man auch mit fast 60 Jahren seinen Lebensstil ändern kann.

Hugh Grant, Sie spielen in letzter Zeit öfters unangenehme Zeitgenossen wie im Krimi «The Gentleman» oder in der Mini-Serie «A Very British Scandal». Ist das mehr Ihr Stil als der nette Liebhaber von früher?

Das sicher. Der Drehbuchautor Richard Curtis fand es immer besonders lustig, dass das Publikum denkt, ich sei der nette Typ, den ich in seinen Filmen wie «Four Weddings and a Funeral» und «Notting Hill» spielte. Er wusste, dass das nicht stimmte. Ich bin kein Mr. Nice Guy.

Lange haben solche Figuren doch bestens für Sie funktioniert?

Nette Typen zu spielen, ist aber viel schwieriger als fiese. Die Kamera ist wie ein Lügendetektor. Sie liebt die Wahrheit sowie das Böse im Menschen. Deshalb mögen wir die Filme von Tarantino und Scorsese. Sie haben etwas Reales. Ich glaube, die Menschheit ist bösartig mit einem dünnen Anstrich von Zivilisation drauf. Deshalb: Je abstossender eine Rolle, desto mehr zieht sie mich an.

Je abstossender eine Rolle, desto mehr zieht sie mich an.

Hugh Grant
Haben Sie trotzdem noch ein gespaltenes Verhältnis zu Ihrem Beruf, den Sie immer mal wieder aufgeben wollten?

Oh ja, das sage ich seit Jahren. Wenn ich fast so etwas wie Spass habe bei einem Film, ist das schon sehr viel für mich. Diese Haltung blieb seit dreissig Jahren konstant. Die Technologie ist ja auch sehr altertümlich – sie geht hundert Jahre zurück. Es ist entsprechend alles sehr langsam. Drehen bedeutet lange Zeitabschnitte der Langeweile, gemischt mit kleinen Terror-Momenten.

Sie wurden anfänglich auch nicht mit guten Drehbüchern überhäuft. Stimmt es, dass Sie glaubten, «Four Weddings and a Funeral» sei versehentlich bei Ihnen gelandet?

Ja, das stimmt. Und es passierte zweimal. Zuvor mit dem Script für «Jerry Maguire». Ich habe es gelesen und fand es wirklich gut. Ich rief an und fragte, ob ich das Drehbuch irrtümlich bekommen hatte und sie sagten ja, es tue ihnen leid. Da war ich sehr traurig. 

Ihr letzter Film war «The Gentleman» von Guy Ritchie. Was ist für Sie ein Gentleman?

Das ist schwierig zu sagen. Es hat jedenfalls nichts mit einen Streifenanzug und einer Rose im Knopfloch zu tun, auch wenn das toll aussehen mag. Ich halte jemanden für einen Gentleman, der seine Schulden bei mir zurückzahlt. Denn eine überraschende Anzahl von Menschen borgt Geld und man sieht es nie wieder.

Kann man Sie mit Geld in Versuchung bringen?

Jesus Christus, ja klar! Geld ist etwas Schönes. Denn obwohl ich mich manchmal so anhöre, bin ich weder reich noch privilegiert aufgewachsen.

Geld ist etwas Schönes.

Hugh Grant
Sie klingen tatsächlich etwas elitär, wenn man das so sagen darf….

Ich weiss. Es ist verwirrend. Aber so bin ich nicht gross geworden. Dass ich mir über meine Gasrechnung den Kopf nicht zerbrechen muss, finde ich auch nach all den Jahren noch gewaltig. 

Macht Geld also glücklich?

Nicht zwingend, denn eines habe ich gelernt in diesem Leben: Wenn man etwas nur des Geldes wegen tut, rächt sich das früher oder später. Jedes Mal, wenn ich ein Projekt nicht so toll fand, aber die Gage stimmte, hatte ich am Schluss das Einsehen. Vielleicht nicht sofort, aber ein oder zwei Jahre später. Aber ja, ich bin gerne etwas protzig. Nur habe ich jetzt eine Frau, die null Toleranz dafür hat.

Sie haben inzwischen fünf Kinder. Wie schaffen Sie das? 

Es ist total erschöpfend. Wenn man 59 ist und fünf kleine Kinder im Haus hat, darf man keinen Hangover haben – das habe ich festgestellt. In den letzten sechs bis zehn Jahren sagen mir die Leute, ich sei als Schauspieler besser geworden. Vielleicht hat das ja auch etwas mit den Kindern zu tun.

Wie meinen Sie das?

Jetzt weiss ich, wie man liebt. Ist das nicht rührend? Ich bin ein viel offener Mensch geworden und verstecke mich weniger.

Sie werden am 9. September 60 Jahre alt. Grund zum Feiern?

Irgendwie wird es schon eine Feier geben. Meine politischen Freunde, einer ganz besonders, organisiert immer etwas, auch wenn ich es nicht will. Und dann lädt er Leute ein, die mir etwas angetan haben. Wie der Typ, der 1995 in meine Wohnung einbrach. 

Im Ernst?

Ja, ich kenne jetzt ein paar dieser Privatdetektive persönlich, die für die britische Klatschpresse arbeiteten, mein Telefon angezapft und meine medizinische Akte auf meinem Apartment gestohlen haben. Nun sind sie auf meiner Seite, denn sie wollen, dass auch die grossen Fische zur Rechenschaft gezogen werden. 

Sind Sie ein guter Gastgeber?

Ich bin so unpässlich, ich habe kaum je Gäste. Ich bin selber auch kein guter Gast. Ich war einmal bei meinem Bruder zu Besuch. Meine Familie und ich fanden es ganz toll. Mitten in der zweiten Woche, nach einer Flasche Rosé, platzte es aus meiner Schwägerin heraus, warum wir denn so lange bleiben müssten. Wir packten unsere Siebensachen und sind seither nicht mehr dort gewesen.  

Ich bin so unpässlich, ich habe kaum je Gäste.

Hugh Grant
Apropos verreisen, wenn es denn wieder möglich ist: Was empfehlen Sie einem Reisenden, der nur kurz in London weilt und etwas Besonderes sehen oder erleben möchte?

Ich würde raten, ein Fussballspiel zu besuchen, denn da sind die Briten ausnahmsweise glücklich oder animiert. Ich würde Fulham empfehlen. Es gibt auch eine ziemlich gute Geister-Tour. Wir haben sie gemacht, weil eines meiner Kinder nicht genug von Gespenstern kriegen kann. Das war ein Fehler, denn jetzt schlafen sie überhaupt nicht mehr. Aber zu meiner Überraschung fing die Tour just in jenem Haus an, das ich vor fünfzehn Jahren mit meiner damaligen Freundin fast gekauft hätte. 

Warum taten Sie es nicht? Sahen Sie ein Gespenst?

Wir fanden beide, dass mit dem Haus etwas nicht stimmte. Sie behauptete sogar, eine Figur durch einen Spiegel huschen gesehen zu haben. Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Wir hatten keine Ahnung, dass es Londons berüchtigtes Geisterhaus war.

Zurück zu Ihrem runden Geburtstag: Zu welchen wichtigen Lebensweisheiten sind Sie in Ihren fast 60 Jahren gekommen?

Das mit dem Nichts-nur-des-Geldes-wegen-tun ist doch schon eine ziemlich gute Erkenntnis. Oder die Weisheit, dass man sein Haus auf Fels und nicht Sand bauen soll. Und was ich meinen Kindern eintrichtere, oder wenigstens einzutrichtern versuche: Man muss sich Disziplin aneignen, damit man später auch mal durch die schwierigen Momente im Leben kommt. 

Hat sich das für Sie bewährt?

Ja. Es ist einfach, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Aber dann erreicht man nie etwas und wenn man nie etwas erreicht, entwickelt man kein Selbstvertrauen. Wenn man kein Selbstvertrauen hat, wird man zu einem toxischen Menschen. Das habe ich schon gesehen – besonders bei Leuten, die viel Geld geerbt haben. Ich glaube, sie haben oftmals selber nicht genug erreicht und werden dann fies. Arbeit ist also wichtig. Ich weiss nur nicht, wie ich meine verzogenen Kinder dazu bringe. Mit der Peitsche vielleicht. 

Und was verliert man mit zunehmendem Alter?

Haare, aber keine Pfunde.

Es ist einfach, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Aber dann erreicht man nie etwas und wenn man nie etwas erreicht, entwickelt man kein Selbstvertrauen.

Hugh Grant
Gemeint war: Sind Sie froh, dass nun auch gewisse Dinge hinter Ihnen liegen?

Ja, ich spiele kein Golf mehr, seit ich Kinder habe. Das ist es mir wert. Ich hatte nicht realisiert, wie lange die Zeitspanne zwischen dem Verlassen des Elternhauses mit 19 Jahren und der Gründung meiner eigenen Familie vor ein paar Jahren war. Dabei braucht man eine Familie – das kapiere ich jetzt. Ich war auf bestem Weg, ein furchterregender, golfsüchtiger, alter Junggeselle zu werden. Ich bin froh, habe ich diese Schreckensgestalt hinter mir gelassen. 

Als nächstes sind Sie an der Seite von Nicole Kidman in der Mini-Serie «The Undoing» zu sehen. Was können Sie darüber verraten?

Es ist schwierig, darüber zu sprechen, ohne zu viel zu verraten. Die Serie basiert auf einem Buch, von dem wir aber ziemlich abschweifen. Nicole spielt eine Therapeutin in New York und ist mit mir verheiratet. Ich bin ein netter Arzt, spezialisiert auf krebskranke Kinder und wir haben einen Sohn, der in eine vornehme Schule geht. Alles ist wunderbar. Aber dann wird die Mutter eines Mitschülers auf grausame Weise ermordet und ich verschwinde plötzlich. Tönt spannend, nicht?!

Das tut es. Früher weigerten Sie sich, Fernsehen zu machen. Haben Sie Ihre Meinung über das Medium geändert?

«The Undoing» hat sich wie ein Film angefühlt: Die Mini-Serie wurde inszeniert von der Filmemacherin Susanne Bier, deren dänische Filme ich bewundere. Inzwischen hat sie mit «Bird Box» einen der erfolgreichsten Filme auf Netflix gemacht. Sie hatte die New Yorker Crew von «The Irishman» angeheuert. Nicole Kidman ist ein grosser Filmstar und eine Oscar-Gewinnerin, das hilft auch. Und dann ist da noch Donald Sutherland als Nicoles Vater – filmischer geht’s gar nicht. Der Snobismus gegenüber dem Fernsehen war damit besänftigt. 

Das Interview mit Hugh Grants Schauspielkollegin Emily Blunt lesen Sie hier.

Interview Marlène von Arx  Bild HFPA

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