8.6 C
Zürich
11 April 2021

Rolf Studer: «Die KMU sind das Salz in der Suppe».

Wie wirtschaftet ein erfolgreiches Schweizer KMU? Und wie kann es sich trotz grosser internationaler Konkurrenz behaupten? Der CEO von Oris, Rolf Studer, erklärt im Gespräch mit «Fokus», was die Herkunft von KMU zu deren Erfolg beiträgt, was Luxus für ihn bedeutet und weshalb mechanische Uhren weiterhin einen Platz in der modernen Welt finden werden.

Rolf Studer, was macht für Sie ein erfolgreiches KMU aus?

Ein erfolgreiches KMU hat eine gute Positionierung auf dem Markt und verfügt über Innovationskraft sowie Herzblut. Für mich ist der Unterschied zwischen einem KMU und einem Grossunternehmen, wenn die Sache mit Herz angegangen wird. Die Menschlichkeit eines KMU sorgt für Kontrast. Man hat Zeit und Raum für die einzelne Person, die einzelnen Mitarbeitenden. Das verleiht dann auch den Produkten eine besondere Ausstrahlung. Deswegen werden KMU auch in Zukunft das Rückgrat unserer Wirtschaft sein. 

Welche Werte vertritt Oris als KMU?

Unsere Werte richten sich nach Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und Sinnhaftigkeit. Wir arbeiten mit gesundem Menschenverstand und Leidenschaft. Diese Werte durchdringen all unsere Tätigkeiten.

Wie kann man als KMU zur Nachhaltigkeit beitragen?

Ein wichtiger Faktor im Bereich Nachhaltigkeit ist der schonende Umgang mit Ressourcen. Als unabhängiges und global tätiges KMU mussten wir seit jeher auf den Umgang mit unseren Mitteln achten. Das hat unser Denken und Handeln geprägt. Unser Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit ist auf natürliche Weise entstanden. KMU allgemein tragen zur Nachhaltigkeit bei, weil hier der gesunde Menschenverstand regiert. Schliesslich ist der sorgfältige Umgang mit finanziellen und materiellen Ressourcen ein Schlüssel zum Erfolg.

Wie kann man sich als KMU zwischen Konzernen behaupten?

Man muss die Dinge innovativ angehen. Das erwähnte Herzblut treibt auch die Innovation voran. Bei Oris haben wir ein überschaubares Team und mit diesem unternehmen wir überdurchschnittliche Anstrengungen. So erbringen wir Leistungen, die sich auch mit der grossen Konkurrenz messen können.

Dass wir es geschafft haben, so auf die Krise zu reagieren und sie vernünftig zu meistern, macht natürlich extreme Freude.

Sind KMU die Treiber von Innovationen?

Ganz bestimmt sind sie das. Oftmals kommen die innovativsten Ideen aus kleinen Unternehmen. Ohne die KMU gäbe es einen Einheitsbrei von Ideen, Produkten und Dienstleistungen. Die KMU sind in Bezug auf die Innovation das Salz in der Suppe. 

Bei Oris beispielsweise haben wir das Automatikwerk Calibre 400 komplett intern entwickelt. Es stellt eine Weltneuheit dar, da es dank einer Gangreserve von fünf Tagen sehr zuverlässig funktioniert und eine hohe Unempfindlichkeit gegen magnetische Felder aufweist. Es übertrifft sogar die Normen der verschärften antimagnetischen Standards ISO 764. Sinnbildlich steht das für die Innovationskraft der Schweizer KMU. 

Sie sprechen von Innovation und Herzblut. Woher nehmen Sie die Inspiration dafür?

Die Inspiration kommt von unseren Werten und aus unserer 117-jährigen Geschichte. Wichtig ist auch der Kontakt zu unserer Kundschaft aus der ganzen Welt. Dieser Kontakt findet zurzeit zwar digital, dafür aber umso stärker statt. So können wir immer noch daraus Inspiration schöpfen und Produkte entwerfen, die unsere Kundschaft ansprechen.

Aufgrund von Corona haben viele KMU mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Wie erleben Sie diese Situation?

Es ist eine anspruchsvolle Zeit. Nicht nur KMU, sondern alle Unternehmen müssen sich mit der Situation auseinandersetzen. Als KMU ist man flexibler und kann mit gesundem Menschenverstand und mit einer menschlichen Botschaft auf diese Krise reagieren. Es ist auch eine Chance, agil zu sein und mit frischen Ideen eine Antwort auf die Situation zu finden. In diesem Sinne ist die ganze Coronasituation gleichzeitig eine Chance. 

Was kann man aus der Krise lernen?

In dieser Situation ist jeder Tag anders. Aus diesem Grund ist es noch deutlicher geworden, dass Agilität schlussendlich den Erfolg bestimmt. Unser Team war und ist dieser Herausforderung aber gewachsen. Dass wir es geschafft haben, so auf die Krise zu reagieren und sie vernünftig zu meistern, macht natürlich extreme Freude.

Haben Sie auch persönlich etwas mitnehmen können?

Zuvor war ich viel unterwegs. Seit einem Jahr bin ich praktisch ausschliesslich in der Schweiz. Ich habe es genossen, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. In der Hektik und dem Lärm des Alltags vor Corona sind einige Dinge untergegangen. Durch die Situation habe ich wieder mehr Zeit gehabt, mich mit diesen Dingen tiefer auseinanderzusetzen.

Oris ist ein lokales KMU mit globaler Ausstrahlung und langem Bestehen. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Ich glaube, der Erfolg kommt unter anderem daher, dass wir eine klare Positionierung haben und diese auch mit Herzblut leben. Die mechanischen Uhren stellen wir seit 1904 im Waldenburgtal im Kanton Baselland her. Aus dieser Vergangenheit und Herkunft schöpfen wir, um Produkte für den Weltmarkt entwerfen. Es ist schön, dass wir so das Waldenburgertal in die ganze Welt tragen können. 

Was bedeutet für Sie die Region, in der Oris verankert ist?

Die Region ist uns enorm wichtig. Wie die Menschen sind auch die Märkte von ihrer Herkunft geprägt. Das Waldenburgertal ist eher abseits der klassischen Zentren der Schweizer Uhrmacher. Aus dieser Energie schöpfen wir für die Zukunft, seit 1904.

Was fasziniert an mechanischen Uhren?

An mechanischen Uhren fasziniert, dass man nachvollziehen kann, wie die Zeit angezeigt wird: Viele kleine Teile spielen zusammen und formen ein handwerkliches Kunstwerk der Mikromechanik. Eine mechanische Uhr ist auch ein Statement in einer von Schnelllebigkeit und Wegwerfmentalität geprägten Zeit. Sie kann repariert werden und Generationen überdauern. Dadurch ist sie ein Symbol einer gegenteiligen Werthaltung. Sie ist ein Gedanke an eine Zukunft, in der man sorgfältig mit Ressourcen und dem eigenen Besitz umgeht.

Sie bezeichnen die Uhren als «inklusiven Luxus». Was steckt dahinter?

Beim exklusiven Luxus schliesst man andere Menschen aus, macht sie neidisch. Bei inklusivem Luxus hingegen, geht es darum, gemeinsam mit anderen Freude an einem Objekt zu haben. Durch die sozialen Medien hat dieses Konzept an Bedeutung gewonnen. Der Austausch untereinander begünstigt, dass man Luxus und die Begeisterung daran teilt. 

Wir haben eine starke Community, inklusiver Luxus ist eine Nische von Oris. Als KMU empfiehlt es sich, in einer Nische stark zu sein. Das ist ein weiteres unserer Erfolgsgeheimnisse. 

Hat sich die Uhren-Kundschaft in den letzten Jahren gewandelt?

Sie hat sich bestimmt gewandelt. Ganz früher waren mechanische Uhren eine Notwendigkeit, um überhaupt die Zeit anzuzeigen. Allmählich wurden sie dann zu einem exklusiven Statussymbol. Jetzt ist es eben inklusiver Luxus, ein Objekt, um Freude zu teilen. Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde.

Wie stehen Sie digitalen Uhren gegenüber?

Persönlich ziehe ich es vor, ein mikromechanisches Kunstwerk am Handgelenk zu tragen (lacht). Aber auch digitale Uhren haben ihre Berechtigung, beispielsweise um Sport zu treiben oder Gesundheitsdaten zu erfassen. Egal ob digital oder mechanisch, wichtig ist, dass die Uhr am Handgelenk Freude bereitet. 

Wie sehen Sie die Zukunft der Uhrenindustrie?

In einer zunehmend digitalisierten Welt sehnen sich Menschen nach Objekten mit Emotionen und Herz, einem Anker. Deshalb glaube ich, dass mechanische Uhren gerade in unserer digitalen Welt einen wichtigen Platz einnehmen. Sie haben nach wie vor ihre Berechtigung, wenn nicht sogar eine verstärkte Berechtigung.

Und die Zukunft der KMU?

Gerade in der Schweiz werden KMU das Rückgrat der Wirtschaft bleiben. Sie sorgen mit Innovation, Herz und gesundem Menschenverstand dafür, dass stark exportorientierte Länder wie die Schweiz weiterhin erfolgreich bleiben können. 

Hier gibt es weitere Interviews.

Text SMA     Bild Oris

Entweder- oder

Entweder-oder Fliege oder Krawatte? Machen beide gerade nicht viel Sinn. Zurzeit am liebsten eine Tourenskijacke.

Büro- oder Online-Meeting? Lieber persönlich, aber besser online als gar nicht.

Uhrenarmband aus Leder oder Metall? Metall – ich mag es, meine Uhren zu allen Aktivitäten tragen zu können.

Wanderung oder Spaziergang? Wanderung!

Ski- oder Strandurlaub? Beides zu seiner Zeit. Meine Skisaison ist jedoch deutlich länger.

Lesen Sie mehr.

Gibt es eine «finanzielle Politik der Kindheit»?

Wir glauben, dass unsere Kinder der wichtigste Pfeiler der Gesellschaft sind. Ohne Kinder stirbt unsere Gesellschaft aus. Und so sehr es notwendig ist, sich um die Renten zu kümmern, ebenso sehr ist es notwendig, über die finanziellen Kosten der Kinder nachzudenken und welche Unterstützungsbeiträge Familien von Behörden erhalten.

Nicht dumm aus dem Anzug schauen

Marc ist nervös, denn sein grosser Tag ist endlich gekommen. Morgen startet er nach mehrjährigem Studium seine Karriere bei seinem Traumarbeitgeber im Versicherungswesen. Doch bereits zuhause steht er vor der ersten schwierigen Entscheidung: der Kleiderwahl.

Burnout als Chance

Wer kennt es nicht? Man(n) will jeder Erwartung gerecht werden. Der beste Familienvater sein, im Business erfolgreich bleiben, nicht vergessen, sich sportlich zu betätigen, alle Freundschaften pflegen und dabei die Partnerschaft oder Ehe nicht vernachlässigen.

Eine Revolution im Mikro 3D-Druck

Additive Manufacturing...

Inklusion von Menschen mit Handicap im Arbeitsleben

Von der Beschäftigung von Menschen mit Handicap profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber. Dennoch werden Menschen mit Beeinträchtigungen bei der Stellensuche oft benachteiligt - zu Unrecht.

Archiv.

Mut zur Farbe in der Wohnungseinrichtung

Wir kleiden uns bunt, fahren ein Auto in unserem Lieblingsrot und umgeben uns gerne mit fröhlichen Farben – doch beim Wohnen verlassen...