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«Es gibt wohl kaum einen besseren pädagogischen Ort für begabte junge Menschen»

13.01.2022
von SMA

Headerbild: Das Internat des Klosters Engelberg an einem dieser Prachtstage. Es sieht gross aus, das Internat – ist aber klein und persönlich: Momentan leben hier 28 Mädchen und 36 Jungen; sie besuchen gemein- sam mit den 62 Jugendlichen aus Engelberg das Kurz- bzw. Langzeitgymnasium der Stiftsschule Engelberg bzw. die Sekundarschule der Gemeinde Engelberg. Übers Wochenende gehen viele nach Hause, einige bleiben da: zum Lernen, zum Beispiel, oder für solche Prachtswochenenden.

 

Pater Andri

Hat ein Internat einen pädagogischen Mehrwert? Dieser Frage ist Pater Andri Tuor vom Benediktinerkloster Engelberg im Rahmen seiner Dissertation nachgegangen. Pater Andri, seit August 2020 Rektor der Stiftsschule Engelberg, im Interview.

Pater Andri, was bringt ein Internat – in Bezug auf Lernerfolge?

Die Jugendlichen leben über den Unterricht hinaus in einem professionellen pädagogischen Setting und in der eigenen Peer-Group. Das ist menschlich attraktiv und für das Lernen hilfreich. Im Internat gibt es eine Zeit zum Lernen und eine Zeit zum Spielen, eine Zeit für Spass und eine Zeit für Konzentration.

Und in Bezug aufs Heranwachsen?

Etwas ganz Wichtiges, nämlich «Selbst-Werdung». In diesem verbindlichen Zusammenleben auf Zeit lernen die Jugendlichen von gleichaltrigen und erwachsenen Bezugspersonen «Selbst-Werdung». Sie dürfen erfahren, dass sie sich selber werden dürfen, auch in ihren Schwächen und mit Ecken und Kanten.

Was trägt das Benediktinische bei?

Der junge Mensch erfährt zudem, dass wir alle Gäste auf Erden sind und deshalb das Leben als unverfügbares Geschenk achten dürfen. Und historisch gesehen ist in unserem Kulturkreis das Konzept «Internat» in den Klöstern entstanden, in einem ausbalancierten Leben in Gemeinschaft mit einer verbindlichen, hilfreichen Tagesstruktur.

Was ist die grösste Herausforderung für Jugendliche im Internat?

Internatsschülerinnen und -schüler können nicht nach dem Unterricht aus ihrer Rolle schlüpfen und daheim in der Familie in eine andere. Sie bleiben in einer Rolle, das ist anstrengend. Nach und nach lernen sie, authentischer zu sein: «Selbst-Werdung».

Was ist das grösste Glück für Jugendliche im Internat?

Noch andere Bezugspersonen ausserhalb der eigenen Familie haben zu dürfen. Die Jugendlichen haben im Internat Gleichaltrige und Erwachsene als alternative Identifikationsfiguren. Mit ihnen teilen sie das Leben und deuten es. Die gemeinsamen Erfahrungen machen sie sozial kompetent. In all diesen ganz realen Begegnungen, gerade auch in der Erfahrung von Konflikten, erlernt man Sozialkompetenz. In Anbetracht der virtuellen Welt wird dieses gemeinsame Reale sogar immer wichtiger.

Entfremden sich die Jugendlichen nicht von ihren Familien?

Nein, im Gegenteil. Das Wochenende in den Familien ist meistens viel entspannter. Man teilt miteinander das, was unter der Woche erfahren werden durfte.

Sind das nicht Rabeneltern, die ihre Kinder ins Internat schicken?

Das meinen ab und zu Mütter und Väter unserer Internatsschülerinnen und -schüler. Doch ich versichere ihnen dann jeweils, dass sie genau das Richtige und Beste für ihr Kind tun – und so auch für sich selbst. Ansonsten wäre ihre Tochter oder ihr Sohn nicht bei uns an der Stiftsschule Engelberg. Denn wenn ein Kind nicht schrittweise von seinen Eltern losgelassen wird, kann es nicht selbstständig werden. Das ‘Hotel Mama’ hilft ab der Pubertät nicht weiter.

Internat, das ist nur für die oberen Zehntausend?

In einem Hochpreisland wie der Schweiz sind Internate teuer und für den Mittelstand kaum bezahlbar. Aber dank der Unterstützung von Stiftungen können Stipendien vergeben werden, sodass alle Jugendlichen, die zu uns passen, einen Studienplatz an der Stiftsschule Engelberg bekommen können. Dennoch müsste der Staat auch Familien, die ihre Kinder einer Internatsschule anvertrauen, finanziell unterstützen, denn es gibt wohl kaum einen besseren pädagogischen Ort für begabte junge Menschen, gerade auch aus bildungsfernen Kontexten.

Von den 20 Personen im Lehrkörper sind Sie der einzige Mönch?

Ja, das ist so. Umso glücklicher bin ich, dass ein Mitbruder mit therapeutischer Ausbildung bei uns Schulsozialarbeit leistet und ein dritter wohl bald wieder in den Schuldienst eintreten wird. Und was für einer, nämlich unser Abt!

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Pater Rektor Dr. Andri Tuor

Pater Dr. Andri Tuor OSB, 48, hat als Projektleiter wesentlich auf die Neuausrichtung der Stiftsschule Engelberg Einfluss genommen. Als ehemaliger Internatsleiter kennt er die Hochs und Tiefs des Zusammenlebens von Gleichaltrigen nicht nur aus Büchern, sondern aus persönlicher Anteil- und Einflussnahme. Pater Andris Dissertation trägt den Titel: ‘Selbst-Werdung’ lernen in Gruppe und Institution. Hermeneutische Grundelemente einer subjektorientierten und theologisch sensiblen Internatspädagogik; erschienen 2021 und ausgezeichnet vom Universitätsverein Luzern als beste Doktorarbeit der Theologischen Fakultät 2020.

Bei Fragen, auch zum Schnuppern: einfach anrufen

Und soeben ist der Jahresbericht 2020/21 der Stiftsschule Engelberg erschienen; bestellen Sie ihn sowie die Broschüre: +41 41 639 61 00
info@stiftsschule-engelberg.ch
www.stiftsschule-engelberg.ch

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