Warum Fleisch und Pflanze das Duo der Zukunft sind
Angetrieben durch Social Media schwören vor allem jüngere Konsument:innen wie Millennials und Gen Z derzeit auf eine proteinreiche und ballaststoffreiche Ernährung. Gleichzeitig ist der Wunsch nach weniger Fleischkonsum in den vergangenen Jahren weiter gestiegen. Doch vegane Produkte lieferten keine Antwort auf diesen Trend, da sie geschmacklich nicht überzeugen konnten. Viele davon sind daher wieder aus den Regalen der Supermärkte verschwunden. Jüngst etabliert sich jedoch eine Kategorie, bei der pflanzliche Proteine mit Hackfleisch oder Brät gemischt werden. So behalten beispielsweise Burgerpattys, Bratwürste und Frikadellen nicht nur ihren gewohnten Geschmack, sondern entsprechen gleichzeitig dem Wunsch nach weniger Fleisch und können auch einen höheren Protein- und Ballaststoffgehalt liefern. Niels E. Hower, Mitglied der Geschäftsführung bei BENEO, kennt diesen Markt wie kaum ein anderer – und liebt »hybride« Burger und sogar Lachsfilet mit pflanzlichem Protein.

Niels E. Hower, Mitglied der Geschäftsführung bei BENEO
Wir kombinieren pflanzliches und tierisches Protein.
Herr Hower, warum können »hybride« Produkte aus Fleisch und pflanzlichen Inhaltsstoffen eine größere Verbrauchergruppe erreichen als rein pflanzliche Alternativen?
Der Hintergrund ist der, dass Burger, Frikadellen, Bratwürste oder Chicken Nuggets Genussartikel sind, bei denen der Geschmack im Vordergrund steht. Und genau da hat sich rein pflanzliches Protein bisher nicht so durchsetzen können, weil das Geschmackserlebnis einfach ein anderes ist. Viele Konsument:innen würden sich gerne pflanzlicher ernähren, aber nicht auf den Genuss verzichten. Sie haben rein pflanzliche Produkte in diesem Segment getestet, waren nicht überzeugt und haben sie nicht noch einmal gekauft. Deshalb sind viele der vor wenigen Jahren in diesem Trend entstandenen Marken wieder aus den Regalen verschwunden.
Der Begriff hybrid beschreibt sehr gut, was wir tun: Wir kombinieren pflanzliches und tierisches Protein. Aber er klingt sehr technisch und kulinarisch nicht ansprechend. Ich nenne unsere Produkte gerne Meat Plant Mix. Und genau diese Produkte sind stark im Kommen. Warum? Weil sie den vertrauten Geschmack von Bratwurst oder Frikadelle bieten – und auf einfache Weise ermöglichen, den Fleischkonsum zu reduzieren.
Denn viele Verbraucher:innen möchten weniger Fleisch essen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Tierwohl, die eigene Gesundheit, Nachhaltigkeit und auch der Preis. Gerade bei Hackfleisch sind die Preise stark gestiegen.
Was macht den Meat Plant Mix für Hersteller:innen und Händler:innen wirtschaftlich interessant?
Rinderhackfleisch in Bioqualität kostet im Supermarkt zwischen 18 und 20 Euro pro Kilo, das ist für viele kaum noch bezahlbar. Hier können pflanzliche Proteine, zum Beispiel aus der Ackerbohne, eine Lösung sein: Bei einem Verhältnis 70 Prozent Fleisch und 30 Prozent Ackerbohne können Händler Preispunkte halten und gleichzeitig das Geschmackserlebnis garantieren. Speziell mit Blick auf jüngere Konsument:innen versuchen wir, diese Konzepte auch über Influencer:innen zu erklären. Mehr Protein und Ballaststoffe, weniger gesättigte Fettsäuren: Das wünschen sich Gen Z und Millennials. Ein Beispiel hierfür sind Hähnchen-Nürnberger, die dank Influencer:innen regelrecht durch die Decke gingen – mit nur sechs Gramm Fett, aber über 20 Gramm Protein.
Und wie lässt sich so eine Bratwurst grillen?
Genauso wie eine ganz normale Bratwurst!
Wie werden Meat Plant Mix-Produkte hergestellt?
Unsere Ackerbohne stammt aus Deutschland und ist allergenfrei. Aus ihr stellen wir gefrorene Texturate für die fleischverarbeitende Industrie her. Das ist für Hersteller:innen sehr praktisch, denn sie werden direkt bei etwa minus fünf Grad mit in den Fleischwolf gegeben und werden dort unter das Fleisch gemengt. Bei einer Mischung von 70 Prozent Fleisch und 30 Prozent pflanzlichem Protein stimmen Preis und Geschmack.
Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unseren Texturaten aus der Ackerbohne ein sehr gutes Ess-Erlebnis hinbekommen, gerade was Biss und authentischen Geschmack angeht. Und unsere Umsatzentwicklung mit plus 30 Prozent zum Vorjahr zeigt, dass das sehr gut angenommen wird.
Gibt es bestimmte Produktkategorien, in denen Meat Plant Mix-Konzepte besonders gut funktionieren?
Gut funktionieren unsere Produkte vor allem im gesamten verarbeiteten Fleischbereich, also bei Burgerpattys, Hackfleisch, Würsten, Aufschnitt, Chicken Nuggets. Und natürlich auch bei Fisch, zum Beispiel bei Fischstäbchen.
Wie unterstützen Sie Ihre Kund:innen bei Entwicklung und Umsetzung solcher Produkte?
Wir gehen aktiv auf die fleischverarbeitende Industrie zu und stellen dort konkrete Rezepturen vor, machen Verkostungen und lassen unsere Kund:innen die Produkte einfach probieren. Die Reaktionen sind sehr positiv. Denn wenn es schmeckt, hat man schon den halben Fuß in der Tür!
Der zweite Weg führt über den Einzelhandel. Hier ist vor allem das Thema Nachhaltigkeit wichtig, denn die großen Händler:innen tun viel dafür, ihren CO₂-Fußabdruck bei Fleisch- und Milchprodukten zu reduzieren – und dabei können wir helfen.
Über die Eigenmarken der Händler:innen kommen wir dann wiederum zu den Produzent:innen. Dort gehen wir in die konkrete Rezepturentwicklung und Umsetzung und unterstützen auch bei der Verarbeitung. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen kommen selbst aus der fleischverarbeitenden Industrie und wissen daher, was es für überzeugende Produkte braucht, und haben das nötige technologische Wissen.
Welche Rolle können hierbei BENEO und die Zugehörigkeit zur Südzuckergruppe spielen?
Innerhalb der Südzucker Group können wir die Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller fast komplett abbilden. BENEOs Portfolio hat genau die gefragten Trendzutaten, nämlich unsere präbiotischen Ballaststoffe wie Inulin, unsere Ackerbohne und unsere Texturate. Damit können wir gleichzeitig Protein anreichern, Ballaststoffe erhöhen und Fett reduzieren.
Unsere Ackerbohnen werden in Deutschland angebaut und mit einem nachhaltigeren Verfahren verarbeitet. Für den Mahlprozess brauchen wir beispielsweise kein Wasser und nutzen regenerative Energie.
Wo sehen Sie das größte Wachstumspotenzial?
Das größte Wachstumspotenzial sehe ich ganz klar im Food-Service- und Außer-Haus-Bereich, also neben Schulen und Kitas vor allem auch bei den großen Quick-Service-Restaurants wie McDonald’s, Burger King oder KFC – ich nenne das Healthy Convenience. Themen wie GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1, ein körpereigenes Darmhormon, das unter anderem Appetit, Sättigungsgefühl und Blutzucker beeinflusst und dessen Wirkung auch medikamentös genutzt wird, Anmerkung der Red.) und ein stärkeres Bewusstsein für Nährstoffe werden bleiben, und deshalb werden sich die großen Schnellrestaurants damit auseinandersetzen müssen, wenn sie ihre Marktanteile halten und wachsen wollen.
Wo findet man Sie?
In allen deutschen Supermärkten und Discountern, sowohl mit Eigenmarken als auch über unsere Kund:innen. Und im Geschäft selbst sind Meat Plant Mix-Produkte üblicherweise bei den klassischen Fleischprodukten zu finden.
Und was schmeckt Ihnen selber am besten?
Ich bin Burgerfan! Und unser 70/30-Burger schmeckt mir mittlerweile besser als der reine Fleischburger. Wir haben auch ein »hybrides« Lachsfilet entwickelt, das einfach top schmeckt. Das liebe ich auch!
Weitere Informationen unter: beneo.com/de

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