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Digitalisierung Smart City Energie

Nachhaltige und lebenswerte Städte durch smarte Infrastrukturen

30.04.2022
von Andrina Brodbeck

Das Konzept der Smart City trägt zur Nachhaltigkeit bei und vereinfacht das tägliche Leben durch intelligente Infrastrukturen. Schweizer Städte und Gemeinden sind daran, das Konzept durch unterschiedliche Ansätze und Projekte zu verfolgen.

Auch in der Schweiz sind Smart Citys auf dem Vormarsch. Immer mehr Städte greifen auf das Entwicklungskonzept zu und initiieren Strategien und setzten Projekte um.

Was ist eine Smart City?

Das Konzept der Smart City zielt darauf ab, Städte möglichst lebenswert, fortschrittlich und ressourcenschonend zu gestalten.Dieses Ziel kann durch Vernetzung, Innovation und auch dank einer Verknüpfung von Informations- und Kommunikationssystemen in Gebäuden und Arealen erreicht werden. Intelligente Infrastrukturen können einen Mehrwert bieten und erleichtern das tägliche Leben. Die digitale Meldung von öffentlichen Mülleimern, die voll sind und entleert werden sollten, ist ein Beispiel einer solchen smarten Infrastruktur.

Weshalb brauchen wir Smart Citys? Laut Benjamin Szemkus, Projektleiter Smart City Schweiz von EnergieSchweiz für Gemeinden und Geschäftsleiter des Verbandes Smart City Hub Schweiz, sollen Herausforderungen im Mobilitäts- und Klimabereich, aber auch drängende gesellschaftliche und ökonomische Probleme aufgefangen werden. Damit gehen eine hohe Lebensqualität für die städtischen Bewohner:innen bei gleichzeitig minimalem Ressourcenverbrauch einher.

Auch Gemeinden können smart werden

Entgegen der verbreiteten Annahme beschäftigt das Konzept der Smart City hierzulande nicht nur Grossstädte wie Zürich, Bern und Basel, sondern auch kleinere Städte und Gemeinden. «Smart City ist keine Frage der Grösse, sondern der Haltung, des Engagements, des Verständnisses und der konkreten Taten», weiss Szemkus. So könnten innovative Treiber, die nahe an der Bevölkerung sind und als kleine Einheit agieren, manchmal mehr bewirken als Grossstädte mit trägeren Verwaltungen und vielen Anlaufstellen. Trotzdem seien die Schweizer Grossstädte als Innovationstreiber allesamt wichtig und sehr engagiert unterwegs, was auch ausserhalb der Landesgrenzen so wahrgenommen würde. 

Auch in der Schweiz wurde das Thema vor rund zehn Jahren aufgegriffen. Das Bundesamt für Energie hat sich dem Thema früh mit seinem Programm Smart City Schweiz in verschiedenen Veranstaltungen angenähert. «Verschiedenste Stakeholder haben sich vernetzt, ausgetauscht und Pilotprojekte gestartet. Dadurch entstand das Bedürfnis der ‹Engagierten›, sich zu organisieren, worauf der Smart City Hub gegründet wurde. Ein Verband, indem sich interessierte Städte und bundesnahe Betriebe zusammengeschlossen haben», so Szemkus. Zudem entstand der Verband der Dienstleister, die Smart City Alliance.

Datenschutz ist bedeutender Faktor

«Es ist wichtig zu verstehen, dass Smart City kein Label, sondern ein Konzept hin zu einer zukunftsgerichteten Stadtentwicklung ist, welches von den Städten auf unterschiedliche Weisen verfolgt wird», erklärt Szemkus. Daraus resultieren demnach verschiedenste Projekte.

Ein Beispiel eines Smart-City-Projekts der Stadt Winterthur ist die Fuss- und Veloverkehr-Förderung durch Datenanalyse. So konnte mittels Daten ein Velobelastungsplan für Winterthur erstellt werden, um das Routennetz stetig zu verbessern und zu entwickeln.

Gewisse Smart-City-Projekte, die auf sensiblen Daten beruhen, werden von der Bevölkerung oft, aber fälschlicherweise mit staatlicher Überwachung in Verbindung gebracht. Das kommt auch daher, dass asiatische Städte häufig als «Vorzeige-Smart-Citys» präsentiert werden. «Dieser Vergleich funktioniert nicht, weil die Datenschutzbestimmungen dieser Länder von denjenigen der Schweiz stark abweichen», weiss Szemkus.

In der Schweiz ist der Datenschutz beim Smart-City-Konzept ein wichtiges Thema und Vertrauen diesbezüglich aufzubauen, ist essenziell. «Die Menschen müssen verstehen können, was das Ziel des Smart-City-Konzepts ist, wofür die gewonnenen Daten gebraucht werden und dass wir dadurch schlussendlich unseren gemeinsamen Lebensraum besser entwickeln», erklärt Szemkus.

«Die Digitalisierung ist ein Hilfsmittel, Smart City ein gesamtheitliches Konzept. Smart geht auch ohne digital»

Themen, mit denen sich Städte und Gemeinden, die ein Smart-City-Konzept verfolgen, befassen, sind vielfältig. Sie reichen von Smart People (Bildungsangebote) über Smart Services bis zu Energie-, Klima- und Mobilitätsfragen. Im Bereich der Energie und Umgebung beispielsweise setzt sich die Stadt für die Nutzung von sauberen Energieformen, effizienten Gebäuden und eine fortschrittlich grüne Raumplanung ein. Im Bereich der Mobilität schafft die Stadt Möglichkeiten, verschiedene saubere öffentliche Mobilitätsdienstleistungen unter Einsatz von modernen Technologien zu nutzen. 

Auf dem Weg zur Smarten Stadt

Damit eine Stadt die Vorteile nutzen kann, um fortschrittlich und ressourcenschonend – eben smart – zu agieren, braucht es Innovation, Partizipation und Vernetzung. Das bedeutet laut Szemkus auch, dass man entsprechend mal etwas ausprobieren und Innovation zulassen soll. «Vielleicht fällt man auch mal auf die Nase, aber schlussendlich ist man damit weitergekommen. Denn nichts zu unternehmen, kann auch sehr teuer werden.» 

Bei der Umsetzung und Ausführung des Smart-City-Konzepts spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle, jedoch sollten die beiden Begriffe nicht zwangsläufig miteinander verknüpft werden. «Die Digitalisierung ist ein Hilfsmittel, Smart City ein gesamtheitliches Konzept. Smart geht auch ohne digital», so Szemkus.

Damit dieses gesamtheitliche Konzept erfolgreich sein kann, gehöre politisches Engagement und eine gute Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern, wie beispielsweise eine gute Einbindung von Dienstleistern dazu. Schliesslich gilt laut Szemkus Folgendes: «Grosse Herausforderungen lösen wir nur gemeinsam.»

Text Andrina Brodbeck

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