autonomes fahren vernetzte fahrzeuge auf einer autobahn
Editorial Mobilität

Ist autonomes Fahren die Zukunft der Mobilität?

16.06.2022
von SMA

Im April dieses Jahres hat die Deutsche Bahn eine neue Partnerschaft mit dem Intel-Unternehmen Mobileye bekanntgegeben. Erst wer sich näher mit dieser neuen Zusammenarbeit beschäftigt erkennt, was für ein hehres Ziel sich die Partner gesetzt haben: Autonome Fahrzeuge sollen in Deutschland in den öffentlichen Personennahverkehr integriert werden, um den Nahverkehr in Deutschland flächendeckend zu stärken und den Menschen ein attraktiveres Mobilitätsangebot anzubieten.

Martin Neubauer,
Managing Director Swiss Association for Autonomous Mobility (SAAM)

Dabei sollen die Fahrzeuge mit der Level-4-Lösung Mobileye Drive ausgestattet werden, wodurch sich diese komplett selbstständig im Strassenverkehr bewegen könnten.

Dabei handelt es sich um die zweithöchste Automatisierungsstufe, bei der die Führung des Fahrzeugs dauerhaft vom System übernommen wird und ein:e Fahrer:in erst zur Übernahme der Führung aufgefordert wird, wenn die Fahraufgaben vom System nicht mehr bewältigt werden können. Bereits 2023 sollen die ersten Pilotprojekte im Strassennetz unseres nördlichen Nachbarn gestartet werden.

Auch wenn wir in der Schweiz noch nicht ganz so weit sind wie in Deutschland, zeigt dieses Beispiel eindrücklich, dass autonome Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr nicht bloss ferne Zukunftsmusik sind. Denn der grosse Kanton hat gute Gründe diese Entwicklung voranzutreiben: Der Verkehr mit automatisierten Fahrzeugen kann besser gesteuert werden und wird dadurch flüssiger.

Dies führt zu Kapazitätsgewinnen auf der Strasse und auch zu einer effizienteren Nutzung von Parkraum. Zudem steht die Nutzung autonomer Fahrzeuge auch Personen ohne Fahrausweis offen, womit sich die Mobilitätsmöglichkeiten für die ganz jungen und alten Bevölkerungsgruppen und für Personen mit körperlicher Einschränkung deutlich ändern. Mit automatisierten Fahrzeugen reduzieren sich Verkehrsunfälle und somit auch die sozialen Kosten.

Mit der Automatisierung können Dienste ausserdem zu niedrigeren Betriebskosten angeboten werden. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Nutzung von automatisierten Fahrzeugen bestenfalls zu besser zugänglichen, grüneren, integrativeren und sichereren Städten, Vorstädten und ländlichen Gebieten führen können.

Das autonome Fahren auf Schweizer Strassen schon allein durch die Rechtslage erschwert.

Doch auf der Kehrseite der Medaille zeigt sich eine Vielzahl an Herausforderungen, die bei der Integration von automatisierten Fahrzeugen in den ÖV berücksichtigt werden müssen: Wie erleben und akzeptieren die Menschen ein autonomes Fahrzeug? Vertrauen sie darauf, dass es stoppt, wenn sie den Fussgängerstreifen überqueren wollen? Wie stellen wir sicher, dass die automatisierten Fahrzeuge nicht gehackt werden können? Wie steht es um die Gesetze und Regulatorien?

Dieser Fragenkatalog könnte noch beliebig weitergeführt werden. Obwohl in der Schweiz bereits verschiedene Pilotprojekte durchgeführt wurden, wird das autonome Fahren auf Schweizer Strassen schon allein durch die Rechtslage erschwert.

Die bevorstehende Revision der Strassenverkehrsgesetzgebung in der Schweiz zum automatisierten Fahren zeigt aber die Notwendigkeit auf, mit der dieses Thema behandelt werden muss.

Angesichts der umfangreichen technologischen, regulatorischen und sozialen Herausforderungen wird es noch dauern, bis die ersten autonomen Fahrzeuge mit Automatisierungsgrad 4 auf den Schweizer Strassen verkehren werden.

Damit wir diese Herausforderungen frühzeitig angehen können, müssen alle relevanten Akteure in der Schweiz zusammenspannen – sowohl private wie öffentliche.

Nur so können wir die Weichen für die Zukunft des automatisierten Fahrens in unserem Land jetzt richtigstellen und unserem Ruf als internationaler Innovationsplatz gerecht werden.

Text Martin Neubauer

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