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5 kleine Abfallmythen mit grossen Konsequenzen

01.08.2022
von SMA

Wenn es um individuelle Beiträge zur Reduktion des CO2-Fussabdrucks geht, wird oftmals der sprichwörtliche Tropfen auf den heissen Stein heraufbeschworen. Oder es kommen mal mehr, mal weniger glaubwürdige Ausreden zum Zug, weshalb man nicht persönlich tätig werden kann. «Fokus» erklärt, welche Auswirkungen Abfallmythen entfalten können.

  •  1. Ich entsorge meine leeren Batterien im normalen Haushaltskehricht, das ist einfacher und kann nicht so schädlich sein.

Sämtliche Batterien gehören in den Sonderabfall. Sie enthalten Metalle und chemische Stoffe wie Blei und Mangan, die schädlich für die Umwelt sind. Keinesfalls sollten sie in der Luft oder Gewässern landen – was durchaus passieren kann, wenn sie im normalen Haushaltsabfall entsorgt werden. Die Grundstoffe von Batterien können glücklicherweise gut recycelt werden. Aus diesem Grund sollten leere Batterien von anderen Abfallarten getrennt werden. In einem durchschnittlichen Familienhaushalt finden sich 134 Batterien, wovon etwa 31 bereits aufgebraucht sind. Mit 13 verbrauchten Batterien lässt sich ein Brillengestell herstellen, mit 118 eine Giesskanne, mit 1400 ein Kindervelo und mit 500 000 ein Flugzeug. Durch die achtlose Entsorgung gehen also Unmengen an brauchbaren Ressourcen verloren.

  • 2. Ich trinke kein Hahnenwasser, weil es aus der Flasche gesünder ist.

Das aggressive Marketing von Mineralwasserunternehmen leistet ganze Arbeit. Stilvolle Werbung über die Vorzüge von Quellwasser suggeriert, dass Wasser aus der Flasche gesünder sei als Hahnenwasser. Allerdings stellt Wasser aus dem Hahn aus mehreren Gründen die bessere Wahl dar. Es durchläuft Aufbereitungsanlagen, die es sorgfältig filtern und säubern. Täglich wird das Wasser nach strikten Normen auf Bakterien, Kalk, Pestizide und Schwermetalle untersucht. Flaschenwasser kann möglicherweise zu viele Bakterien enthalten, die sich vermehren, sobald die Flasche geöffnet wird. Vergangene Testkäufe stellten in einem Viertel der Wassermarken eine zu hohe Konzentration von Fluor, Sulfat und/oder Natrium fest. Der ökologische Fussabdruck von Hahnenwasser ist darüber hinaus viele Male kleiner als jener von Mineralwasser.

  • 3. Ich benutze meist ein Heisswaschprogramm, um die Flecken herauszukriegen.

Warmwasser benötigt fünfzigmal mehr Energie als Kaltwasser und hat deshalb grossen Einfluss auf die Umwelt als auch das Portemonnaie. Bereits ein guter Grund, nicht automatisch ein Waschprogramm mit hoher Temperatur zu wählen. Aber es gibt auch ein pragmatisches Argument: Für die meisten Flecken gilt, dass das Ausspülen mit Wasser den gegenteiligen Effekt hat. Der Fleck wird noch stärker in den Fasern festsitzen. Am besten legt man befleckte Kleidung schnellstmöglich in kaltes Wasser und behandelt es danach mit dem passenden Waschmittel. Moderne Mittel sind so formuliert, dass sie auch bei tieferen Temperaturen – 30º oder sogar kalt – gut und sauber reinigen. Küchen-, Badezimmer- und Bettwäsche wäscht man bestenfalls regelmässig bei 60º.

  • 4. Ich bevorzuge lange Duschen über ein Bad, weil man so immer noch weniger Wasser verbraucht.

Fakt ist, dass ein durchschnittlicher Duschgang von neun Minuten 65 Liter Warmwasser verbraucht, ein Bad hingegen 120 Liter. Tatsächlich ist es umweltfreundlicher, täglich zu duschen, anstelle eines allabendlichen Entspannungsbades. Jedoch muss man bei den beliebten Regenduschen einige Liter Wasser (und Kilowatt Energie) bei der Morgendusche dazurechnen. Vorteil einer Dusche ist, dass man sie gut timen kann. Wer maximal fünf Minuten duscht, optimalerweise unter einem wassersparenden Duschkopf, schont die Ressourcen Wasser, Energie und Geld.

  • 5. Ich esse jeden Tag Fleisch, da ein vegetarischer Tag keinen Unterschied bewirken kann.

Laut Agrarbericht 2020 verzehrte die Schweiz rund 52 kg Fleisch pro Kopf. Das sind achtmal mehr als das empfohlene Maximum von 100 bis 120 Gramm Fleisch pro Woche. Ein grosser Teil der Bevölkerung folgt also nicht den Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide, obwohl dies grosse gesundheitliche und klimatechnische Auswirkungen beinhaltet. Für ein Kilo Fleisch sind etwa fünf Kilo pflanzliche Futtermittel notwendig. Von den weltweiten Treibhausgasemissionen sind mindestens 14,5 Prozent auf die Viehhaltung zurückzuführen. Dieser Anteil ist grösser als jener des gesamten Transportsektors. Wer ein Jahr lang ein Tag pro Woche gar kein Fleisch isst, reduziert den eigenen Konsum um über sieben Kilogramm. Aus einem gesundheitlichen Blickwinkel ist das keine schlechte Idee für Herz und Blutgefässe. Für die Umwelt würde es eine jährliche Einsparung von über zehn Kilogramm CO2-Äquivalenten sowie mehr als ein Monat Duschwasser.

Text Amaryllis De Bast

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