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Nachhaltigkeit Bau & Immobilien

Nachhaltigkeit beginnt im eigenen Lebensraum

16.07.2022
von SMA

Die Pandemie und die damit einhergehenden Lockdowns haben viele Menschen in der Schweiz zurück in die «eigenen vier Wände» gedrängt. Und auch künftig gehen Fachleute davon aus, dass immer mehr Leute im Homeoffice oder mobil arbeiten werden. Dadurch rückt die Relevanz von Nachhaltigkeit im Gebäudesektor sowie im Verkehr einmal mehr in den Fokus. 

Wenn die Schweiz ihre Klimaziele erreichen will, muss sie einen Wirkungshebel dringend bei den Immobilien ansetzen. Denn wie das Bundesamt für Energie festhält, verbraucht der hiesige Gebäudepark rund 45 Prozent des Endenergiebedarfs der Schweiz – und ist gleichzeitig verantwortlich für rund einen Drittel des inländischen CO2-Ausstosses. Ansätze, um Immobilien nachhaltiger zu machen, existieren zuhauf.

Die Nutzung erneuerbarer Energien, die Verbesserung der bestehenden Wärmedämmung sowie die Verwendung neuer, energieeffizienterer Baumaterialien gehören unter anderem dazu. Im grösseren Kontext betrachtet gelten Konzepte wie die Verdichtung als wegweisend, weil das Bauen und Leben auf engerem Raum neuen Synergieeffekte erschliessen. 

Grosses Potenzial sowie mehr Freiraum als beim bestehenden Gebäudepark ergibt sich natürlich bei den Neubauten. Ein spannender Ansatz für ein nachhaltiges Haus der Zukunft, das ebenfalls dem Gedanken der Verdichtung Rechnung trägt, ist der Bosco Verticale, was übersetzt «vertikaler Wald» bedeutet. Dabei handelt es sich um ein Bauprojekt des italienischen Architekten Stefano Boeri, das in Mailand realisiert und 2014 mit dem Internationalen Hochhauspreis prämiert wurde. 

Der begrünte Turm

Was beim Bosco Verticale sofort ins Auge sticht und ihm auch seinen Namen eingebracht hat, ist die massive Begrünung der Gebäudefassade. Diese sorgt einerseits für einen willkommenen Farbklecks im sonst eher grauen, urbanen Umfeld. Andererseits erfüllen die Bäume, Sträucher und Kleinpflanzen des Bosco Verticale auch mehrere praktische Aufgaben.

So wird etwa die Luft vor den Wohnungen von CO2 und Feinstaub gereinigt sowie die Räumlichkeiten im Sommer angenehm beschattet. Die Pflanzen bieten darüber hinaus einen effektiven Lärmschutz. Das Prinzip ist bestechend – und wäre grundsätzlich auch für die Schweiz geeignet: Eigentlich sollte ein weiterer Bosco Verticale im Westen der Stadt Lausanne entstehen. Doch ein Rechtsstreit zwischen lokalen Bauunternehmen verzögert das Projekt.

Was am Tag beispielsweise als Café betrieben wird, lässt sich am Abend mit einigen Handgriffen zur Tanzschule umformen.

Aber auch wenn es bis auf Weiteres keinen vertikalen Wald in der Schweiz geben wird, sind die Anstrengungen, unsere Lebens- und Arbeitsformen sowie die dafür benötigen Infrastrukturen nachhaltiger zu machen, in vollem Gange.

Ein wichtiger Ansatz der Verdichtung sehen Fachleute in der flexiblen Raumnutzung: Das bedeutet, dass Lebensräume multifunktional geplant und genutzt werden. Was am Tag beispielsweise als Café betrieben wird, lässt sich am Abend mit einigen Handgriffen zur Tanzschule umformen.

Die Kinderkrippe wiederum wird zur Kleinbühne für Veranstaltungen und die Wäscherei verwandelt sich am Abend in eine kleine Bar. Die Idee hinter dieser Art von Verdichtung besteht darin, kleine Ökosphären zu schaffen, in denen sich Menschen aufhalten, leben und arbeiten. Lokal und nachhaltig.

Elektrisch unterwegs

Natürlich ist für einen nachhaltigeren Lebensstil nicht nur die Ausgestaltung unserer Ökosphären entscheidend, sondern auch die Art, wie wir uns zwischen diesen bewegen. Man kann daher nicht von nachhaltigen Lebensformen sprechen, ohne das Thema der E-Mobilität anzuschneiden.

Und hier gibt es Positives zu vermelden: So entscheiden sich immer mehr Autolenkerinnen und Autolenker in der Schweiz für einen Wagen mit Elektro- oder Hybridantrieb. Und die Kurve zeigt nach oben.

Wie der Verband «Swiss E-Mobility» schreibt, erreichte die Anzahl Neuverkäufe von E-Fahrzeugen 2019 zum ersten Mal den fünfstelligen Bereich. Per Ende 2020 wurde dieses Resultat nun beinahe verdoppelt – was zum zweiten Mal in Folge einen nationalen Rekord darstellt. Die 19 599 neuimmatrikulierten E-Fahrzeuge machen laut «Swiss E-Mobility» einen Marktanteil von 8,3 Prozent der Neukäufe aus.

Bei den Plug-In Hybriden (PHEV) konnte das Resultat gar verdreifacht werden: Zuzüglich der Hybride ohne Lademöglichkeit (HEV) sowie der Wasserstofffahrzeuge (FCEV) waren 2020 beinahe ein Drittel aller Neuwagen (27,9 Prozent) voll- oder teilelektrifiziert. 

Die Entwicklung der individuellen Mobilität geht damit klar in Richtung E-Antrieb. Und interessanterweise ist dieser Trend, wie die Expertinnen und Experten des Verbandes festhalten, anders als in den vergangenen Jahren nicht ausschliesslich auf Tesla zurückzuführen. Zwar bleibe das Model 3 mit deutlichem Abstand das beliebteste Elektroauto der Schweiz.

Doch insgesamt musste Elon Musks Firma zum ersten Mal seit der Tesla-Markteinführung hierzulande einen Verkaufsrückgang hinnehmen (um 0,2 Prozent). Der Wettbewerb im elektrischen Fahrzeugsegment nimmt also an Fahrt auf und das Angebot wird breiter – die Nutzniesser davon sind die Kundinnen und Kunden.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass 2020 nach langer Stagnation bei den leichten Nutzfahrzeugen ein signifikantes Wachstum verzeichnet werden konnte, mit einem Plus von 38,1 Prozent. Am grössten ist der Anteil der Elektroautos übrigens auf den Strassen des Kantons Zürich.

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