Interview von Julia Butz

Laura Karasek: »Mutig sein heißt nicht, keine Angst zu haben«

Wie die NDR-Quizshow-Moderatorin, Autorin, Podcasterin und Juristin Laura Karasek ihre Karriere, Familie und chronische Krankheit unter einen Hut bekommt und warum Frauen sich unbedingt mehr zutrauen sollten.

Wie die NDR-Quizshow-Moderatorin, Autorin, Podcasterin und Juristin Laura Karasek ihre Karriere, Familie und chronische Krankheit unter einen Hut bekommt und warum Frauen sich unbedingt mehr zutrauen sollten.

Frau Karasek, Sie haben eine erfolgreiche und sehr vielseitige Karriere, Zwillinge und immer wieder neue Projekte. Was ist Ihr Geheimnis, diese Rollen mit so viel Energie und Freude auszufüllen?

Ich sage manchmal scherzhaft: Mich gibt es dreimal. Wenn ich mich gerade mit voller Energie einem Projekt widme, sind die anderen beiden Versionen von mir gerade im Keller (lacht). Ich habe einfach viele Wünsche und Träume, will neue Dinge ausprobieren, … das treibt mich ins Leben. Auch der Stress und der Druck, die dazugehören. Das macht mich tatsächlich glücklich. Viel schlimmer wäre für mich das Gegenteil: Stillstand, lange irgendwo zu sitzen und nichts zu tun. Auch mit einer entspannenden Massage tut man mir keinen Gefallen! Ich gebe zu: Ich habe ein bisschen Fomo, also die Fear of Missing Out. Dafür ist das Leben einfach viel zu spannend. Ich glaube aber, es ist gut, öfter in sich hineinzuhorchen: Was sind eigentlich meine Träume? Was wünsche ich mir wirklich? Das ist überhaupt nicht egoistisch. Warum sollte man auch nicht alles dafür tun, glücklich zu sein? Das eine bedingt doch das andere: Wenn ich glücklich bin, schwappt diese Energie auf das unmittelbare Umfeld über, auf den Partner, die Kinder, die Eltern. Mit der Opfermentalität hingegen kann ich überhaupt nichts anfangen.

Sicher hat Sie dabei auch geprägt, dass Sie derart früh mit Ihrer chronischen Krankheit Diabetes Typ 1 konfrontiert wurden.

Ja, denn ich habe dadurch gelernt, mich nicht als Opfer zu sehen. Meine Einstellung war immer: Ich kann alles, trotz der Krankheit. Das ist etwas, das mich bis heute antreibt und das ich meinen Kindern vermitteln möchte. Mir ist es auch wichtig, Diabetes Typ 1 sichtbarer zu machen und den Menschen zu zeigen, dass sie damit nicht allein sind, wie ich es u. a. in meinem Podcast »Candy Diaries« gemeinsam mit dem Journalisten Stephan Seiler thematisiere, der ebenfalls Betroffener ist. Als ich die Diagnose mit 13 bekam, war ich gefühlt allein. Ich war das »Mädchen mit den Spritzen«. Daraus habe ich aber auch ganz viel gelernt. Vor allem, dass man nicht in Selbstmitleid versinken sollte und die Krankheit nicht als Ausrede benutzen darf. Nicht für Dinge wie: Ich schaffe es nicht zum Sport, ich schaffe es nicht ins Büro oder ich traue mich nicht, meine Meinung laut zu sagen. Mein Motto war immer: Ich will das schaffen und zwar trotz der Krankheit. Diabetes ist wie ein Kleinkind, das permanent betreut werden will. Natürlich kann einen das runterziehen. Aber man kann sich trotzdem glücklich fühlen. Für mich ist ganz wichtig: Die Krankheit darf dich nicht begrenzen. Sie ist da, sie fordert Aufmerksamkeit, aber sie darf nicht bestimmen, was du dir im Leben zutraust.

Frauen wird leider immer noch oft suggeriert, dass sie nicht zu groß auftreten dürfen und dass sie nicht stolz darauf sein dürfen, wenn sie etwas Großartiges erreicht haben.– Laura Karasek, Moderatorin, Autorin, Podcasterin und Juristin

Hand aufs Herz: Gibt es trotzdem Momente, in denen die Angst lauter ist als der Mut?

Natürlich, ich habe auch Ängste. Sogar viele. Ich habe Flugangst, ich habe Lampenfieber vor Auftritten. Und in meinem Kopf sitzt dieselbe Jury wie bei vielen anderen. Dieser innere Kritiker, der sagt: »Sei nicht peinlich« oder »Du bist zu emotional«, »Niemand will hören, was du zu sagen hast«, »Musst du immer im Mittelpunkt stehen?« … Diese Stimmen kenne ich sehr gut. Aber man darf nicht darauf warten, dass die Angst von selbst verschwindet. Man muss sich trauen. Deshalb bin ich auch trotz Flugangst mit dem Fallschirm gesprungen. Und die Belohnung danach ist groß. Egal ob nach einem Auftritt oder einem Fallschirmsprung: Dieses Gefühl, die eigene Angst überwunden zu haben, macht einfach unglaublich euphorisch. Deshalb wünsche ich mir, dass mehr Menschen viele Dinge einfach ausprobieren. Mutig sein heißt nicht, keine Angst zu haben. Mutig sein heißt, es trotzdem zu machen.

Das kann auch für die Karriere gelten. Was braucht es, um sich als Frau im Berufsleben durchzusetzen?

Ich habe sowohl in der Kanzlei als auch in der Medienbranche erlebt, dass man sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen darf. Schlagfertig sein, sich nicht kleinmachen, über sich selbst lachen können und nicht beleidigt oder resigniert reagieren, wenn mal Gegenwind kommt. Wir können genauso frei und leidenschaftlich diskutieren, ohne dass das gleich als emotional abgestempelt wird. Wahrhaftigkeit setzt sich durch. Ich bin lieber authentisch und nahbar, wobei ich natürlich nicht frei davon bin, gefallen zu wollen. Wie so viele. Mein persönlicher Tipp: Ich glaube, eine der größten Provokationen ist es, glücklich zu sein. Das ist für viele tatsächlich schwer auszuhalten, weil sie ihren eigenen Frust dann nicht bei dir abladen können. Wenn du fröhlich bist und dir diese Energie nicht nehmen lässt, wirst du automatisch unangreifbarer.

Was glauben Sie, warum fällt es gerade Frauen oft schwer, sich den Platz zu nehmen, den sie sich wünschen oder der ihnen zusteht?

Wenn ich darüber nachdenke, was früher in den Poesiealben stand: »Sei wie das Veilchen im Moose sittsam, bescheiden und rein und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.« Mit solchen Botschaften sind viele Frauen aufgewachsen. Da ist es kein Wunder, dass sie oft zurückhaltender sind als Männer. Sie wollen nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen, nicht auf die Bühne, sondern machen sich lieber kleiner im Team. Frauen wird leider immer noch oft suggeriert, dass sie nicht zu groß auftreten dürfen und dass sie nicht stolz darauf sein dürfen, wenn sie etwas Großartiges erreicht haben.

Mit drei Brüdern als einzige Tochter sind Sie anders aufgewachsen?

Ja, zum Glück. Vor allem mein Vater* hat mir vermittelt: Du kannst alles sein, was du willst. Du musst dich nicht darüber definieren, dass du eine Frau bist, sondern über das, was du kannst und leistest. Und es ist doch auch toll, dass ein klassisches Fernsehquizformat wie die NDR Quizshow, nun auch von einer Frau moderiert wird.

Stimmt, so etwas war früher auch noch nicht möglich. Sie übernahmen die Sendung von Vorgänger Jörg Pilawa und sind damit die erste Moderatorin in der Geschichte der Sendung. Was hat sich in Bezug auf Ihre Gesundheit im Rückblick verändert?

Als Teenager habe ich viel ungesünder gelebt. Eine Auszeichnung, auf die ich besonders stolz war: Party-Queen meines Jahrgangs! Heute feiere ich weniger, sondern bin viel mehr draußen, gehe wandern, schwimme oder fahre Wasserski. Ich achte mehr darauf, mich zu bewegen, meine 10 000 Schritte am Tag zu schaffen und besser mit mir umzugehen. Ich glaube, das Wichtigste ist, in der Gegenwart zu leben und sich auch sehr bewusst zu machen, wie gut es einem gerade geht. Ich bin jetzt 44, fühle mich aber kindlich und verspielt. Das darf man nicht verlieren, diese Selbstironie. Und ich bin mit mir selbst etwas gnädiger geworden.

*Der deutsche Journalist, Buchautor und Literaturkritiker Hellmuth Karasek starb 2015.

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28.08.2026
von Julia Butz
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