muskeln in  menopause
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Deutschland Die Frau Gesundheit

Muskeln in der Menopause: Jetzt bloß nicht nachlassen!

28.08.2026
von Julia Butz

Unser Körper ist ein wahres Kraftwerk. Rund 650 Muskeln sorgen jeden Tag dafür, dass wir uns bewegen, stabil bleiben und unseren Alltag meistern können. Doch wer nicht aktiv gegensteuert, verliert mit den Jahren spürbar an Muskelmasse. Mit jedem Jahrzehnt und insbesondere rund um die Menopause nimmt dieser Prozess noch einmal an Fahrt auf.

Frauen in den Wechseljahren sind deshalb doppelt gut beraten, aktiv gegenzusteuern: Muskelaufbau gehört ab jetzt ganz nach oben auf die eigene Gesundheitsagenda. Nicht aus Perfektionsdrang, sondern weil starke Muskeln entscheidend dazu beitragen, Bewegungsfreiheit, Gesundheit und Lebensqualität langfristig zu erhalten. Eine gut trainierte Muskulatur verleiht Stabilität, Gelenke und Knochen werden besser gestützt und geschützt. Auch Östrogen wirkt im Körper muskelprotektiv: Es unterstützt den Erhalt der Muskelmasse und beeinflusst, wie effizient Eiweiß im Muskelgewebe umgebaut wird. Mit sinkendem Östrogenspiegel reagiert der Körper empfindlicher auf Bewegungsmangel: Der Muskelabbau (Sarkopenie) kann schneller voranschreiten, der Aufbau von Muskulatur fällt schwerer und das Risiko für Osteoporose steigt. Was das im Alltag bedeutet, lässt sich gut an konkreten Situationen verstehen. Ein Stolperer auf dem Gehweg, der früher ohne Folgen geblieben wäre, kann jetzt eher zu einer Fraktur führen. Ein ungünstiger Tritt beim Treppensteigen, ein Ausrutschen im Badezimmer, das Abfangen eines plötzlichen Sturzes, all das sind typische Situationen, in denen geschwächte Knochen weniger »Puffer« haben. Besonders häufig betroffen sind Hüfte, Wirbelsäule und Handgelenk, also genau die Bereiche, die im Alltag ständig belastet werden.

Muskeln brauchen Herausforderungen und sie belohnen konsequente Pflege mit mehr Kraft, Stabilität und Bewegungsfreiheit.

Der sinkende Östrogenspiegel in der Menopause trifft somit direkt auf den Muskelstoffwechsel und wer sich kaum bewegt, rutscht relativ schnell in einen Kreislauf aus weniger Muskeln, mehr Müdigkeit und mehr Fett. Neben Östrogen ist das menschliche Wachstumshormon HGH (Human Growth Hormone) ein weiterer wichtiger Faktor. HGH unterstützt Zellwachstum, Regeneration und Stoffwechsel und steuert gemeinsam mit Östrogen den Muskelauf- und Fettabbau. Je mehr Östrogen eine Frau hat, desto mehr HGH produziert sie auch. Wenn während der Menopause der Östrogenspiegel deutlich abnimmt, wird weniger HGH produziert (Somatopause). In der Folge verlangsamt sich der Stoffwechsel, der Körper baut Muskelgewebe schneller ab und lagert Fett deutlich schneller ein. Hinzu kommt: HGH wird vor allem im Tiefschlaf ausgeschüttet. Die typischen nächtlichen Schweißausbrüche und Schlafprobleme der Menopause verstärken den HGH-Mangel zusätzlich.

Wenn die Muskeln im Alter nach und nach durch Fett ersetzt werden, verlieren wir nicht nur Kraft, sondern auch einen unserer wichtigsten Energieverbrenner.

Das Risiko für hartnäckiges Bauchfett steigt deutlich, gerade in den Wechseljahren ein bekanntes Thema. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieser Prozess unumkehrbar ist. Im Gegenteil: Muskeln bleiben bis ins hohe Alter trainierbar, sie brauchen lediglich den richtigen Impuls. Die effektivste Maßnahme ist gezielte Belastung, insbesondere Krafttraining. Darauf reagiert der Körper mit einem klaren Prinzip: Was gefordert wird, bleibt erhalten. Was nicht genutzt wird, wird abgebaut. Bereits zwei bis drei Einheiten pro Woche können ausreichen, um Muskelmasse zu stabilisieren und teilweise wieder aufzubauen. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen. Entscheidend sind Regelmäßigkeit und eine gewisse Progression, also die langsame Steigerung von Belastung.

Gerade wenn man lange nichts gemacht hat, hilft es, freundlich zu sich selbst zu sein. Ein möglicher Einstieg: Montag, Mittwoch und Freitag ein Ganzkörpertraining mit Übungen wie Kniebeugen, Liegestützen, Ruderzügen mit Wasserflaschen oder kleinen Hanteln und Planks (Unterarmstütz), die die Rumpf- und Tiefenmuskulatur stärken. Der Side-Plank aus dem Kniestand heraus stabilisiert den gesamten Körper. Die Übungen lassen sich auch ohne Fitnessstudio und mit wenig Equipment zu Hause umsetzen. Zwischen den Krafteinheiten bringen Spaziergänge, Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen oder andere Ausdaueraktivitäten zusätzliche Bewegung in den Alltag.

Muskeln brauchen Herausforderungen und sie belohnen konsequente Pflege mit mehr Kraft, Stabilität und Bewegungsfreiheit. Unser stoffwechselaktives Power-Organ ist viel mehr als nur Kraft, es beeinflusst, wie gut wir Zucker aus dem Blut aufnehmen, wie stabil das Gewicht bleibt und wie energiegeladen wir uns fühlen. Und je weniger Muskelmasse wir haben, desto weniger Kalorien verbrennen wir, sogar im Ruhezustand. Mit mehr Muskelmasse aber dürfen wir im Alltag etwas entspannter sein: Die eine oder andere Sünde wie Kuchen oder Pizza wird da deutlich besser weggesteckt.

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