Fluss in Natur
Reisen Natur Schweiz

Die Schweiz als Ferienland beflügelt die Fantasie

19.05.2021
von Kevin Meier

Im letzten Jahr ist die Schweiz als Ferienland neu entdeckt worden. Auch wenn man schon viel Grosses gesehen hat, gibt es noch einiges zu erleben. Denn gerade das Unscheinbare verströmt eine besondere Magie.

Noch ist nicht klar, wie dieser Sommer aussehen wird. Trotzdem gibt es Ausflüge, die man sich vornehmen kann. Insbesondere unscheinbare Orte bezaubern abseits von Sensationen die Sinne. Egal ob alleine, als Paar oder in der Familie: Diese Orte lassen alle in eine einzigartige Atmosphäre eintauchen. Wer nach einer kleinen Auszeit vom Alltag während des Wochenendes oder nach einem Ort zum Innehalten während einer längeren Reise sucht, kann sich von folgenden Fleckchen inspirieren lassen.

Japanischer Garten in Tortin bei Haute-Nendaz ©Barbara Steinemann/Wikimedia

Japanischer Garten in Tortin bei Haute-Nendaz ©Barbara Steinemann/Wikimedia

Die Kunst der Natur

Kaum etwas vermag die Menschen so zu faszinieren, wie die Natur: von wilden Berggipfeln mit rauschenden Wasserläufen über satte Wiesen, in welchen die verschiedensten Lebewesen leise vor sich hin surren, bis zu minutiös gehegten und gepflegten Gärten. Tatsächlich muss man sich aber nicht für das eine und gegen das andere entscheiden. Denn auf einer Hochebene im Wallis versteckt sich ein Örtchen, das all dies in sich vereint. Hoch oben auf einer Gletschermoräne liegt ein Japanischer Garten im Tal von Tortin. Der Name mag eine aufwendige Pflege suggerieren, dabei schafft es die Natur ganz alleine, diesen Eindruck zu erwecken. Ein einzigartiges Ökosystem, grüne Wiesen, grobe Steine und ein atemberaubendes Panorama kreieren eine natürliche und trotzdem kunstvolle Umgebung, die es sich zu erfahren lohnt. Erreichen kann man den Alpengarten in rund 45 Minuten zu Fuss ab Talstation Tortin – einfach den Wegweisern Richtung «Jardin Japonais» folgen. Und wenn man schon einmal in dieser Ecke der Schweiz ist, kann man auch noch eine Wanderung entlang einer traditionellen Suone einplanen.

Die Schweiz als Ferienland bezaubert in St. Martin SG

Geschichte hautnah

Althergebrachte Traditionen kann man in der Schweiz an vielen Orten in der Luft spüren. So zum Beispiel auch im Walserdorf St. Martin. Gelegen auf 1350 Metern über Meer im Calfeisental im Süden des Kantons St. Gallen, erlaubt der Weiler den Einstieg in eine andere Welt. Bereits auf dem Weg über die einspurige Strasse am Ufer des Stausees Gigerwaldsee entlang, spürt man den Alltag in die Ferne rücken. In der ehemaligen Walsersiedlung am Westufer angekommen, kann man gemütlich zwischen den alten Häusern schlendern, das Kirchlein von 1312 bestaunen oder den Ausblick über den Gigerwaldsee geniessen. Obwohl die letzten Walser St. Martin im Jahr 1652 verliessen, kann man hier noch etwas von ihrem Geist einfangen, dank des Einsatzes eines Fördervereins. Von Ende Mai bis Ende Oktober kann man hier einfach sein oder auf eine längere Wanderung tiefer ins Calfeisental aufbrechen.

Calnegia ©Ikwaner/Wikimedia

Calnegia ©Ikwaner/Wikimedia

Märchenhafte Romantik 

Eine romantische Atmosphäre muss man im Tessin nicht lange suchen. Unzählige Täler bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten, in eine märchenhafte Atmosphäre einzutauchen. Für eine etwas wildere Seite der Romantik empfiehlt sich ein Ausflug ins Val Calnègia. Das Seitental des Val Bavona zweigt bei Foroglio ab und ist nur zu Fuss zu erreichen. Das pittoreske Dorf mit dem bekannten Wasserfall stimmt bereits auf die Idylle ein, die nach einem steilen, aber kurzen Aufstieg die Wandernden erwartet. Lange, ebene Wege entlang des gurgelnden Bergbaches führen durch die bezaubernde, raue Landschaft. Darüber hinaus gibt es auch noch einige Besonderheiten zu entdecken. Der Wasserlauf verschwindet teilweise unter der Erde und zwischen den grossen Felsbrocken erscheinen Steinhäuser. Die noch im Sommer zeitweilig bewohnten Häuschen erinnern an ein Setting, wie man es bei Tolkien oder den Gebrüdern Grimm erwarten würde.

Naturpark Gantrisch ©René Edward Knupfer-Müller/Wikimedia

Naturpark Gantrisch ©René Edward Knupfer-Müller/Wikimedia

Sagenumwobene Ruinen

Für die etwas düstere Seite der Märchenwelt lohnt sich eine Besichtigung der Ruine Grasburg nahe des bernischen Schwarzburgs. Erbaut im frühen 13. Jahrhundert soll hier der Tyrann Amadeus seine Untertanen unterdrückt und regen Gebrauch der Kerker gemacht haben. Der Sage nach wurde er schliesslich von einer Magd unter dröhnendem Gewitter in die Sense gestossen, die unter der Felsenburg ihren Weg durch eine Schlucht schlängelt. 1575 wurde die Burg aufgegeben und verfiel zusehends. Heutzutage kann sie gefahrenlos besichtigt werden. Diejenigen, die das mysteriöse Mittelalter vor ihrem geistigen Auge aufleben lassen möchten, finden hier einiges zu erkunden. Erreichen kann man die Ruine nur zu Fuss – beispielsweise von Schwarzburg aus – auf beschilderten Wanderwegen. Auch hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Denn man kann die Grasburg über einen Teil des Jakobsweges erreichen, der über eine Römerstrasse durch den dichten Wald führt. Alternativ führt auch der «Grasburg Naturerlebnispfad» an der ehemaligen Felsenburg vorbei. Dieser Rundweg ergänzt das Erlebnis durch Informationstafeln zur einheimischen Pflanzenwelt sowie eine Grillstelle für die Verpflegung zwischendurch.

Ile de Peilz, ©Gzzz/Wikimedia

Ile de Peilz, ©Gzzz/Wikimedia

Dem Hype auf den Grund gehen

Einige Orte erfahren einen regelrechten Hype, nicht zuletzt wegen Social Media. Dieses Jahr wurde die Île de Peilz zum neuen Hotspot für Instagram-Posts ausgerufen. Zugegeben, die Insel im Genfersee ist ungewöhnlich. 500 Meter vor dem Ufer von Noville und Villeneuve liegt eine quadratische Insel mit gemauerten Seiten. Auf den 400 Quadratmetern befindet sich einzig eine riesige Plantane. Die Geschichte der Insel ist kaum nachvollziehbar. Angeblich ragte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur ein Felsen aus dem Wasser, worum in diesem Zeitraum eine Insel aufgeschüttet und gemauert worden sein soll. Die Île de Peilz fand schon 1816 in einem Gedicht von Lord Byron Erwähnung und 1861 adaptierte der Märchenmeister Hans Christian Andersen eine Schweizer Legende, deren Klimax auf der Miniaturinsel stattfindet. Zu erreichen ist sie derweil nur per Privatboot und lädt kaum zum Verweilen ein, da sie von Vogeldreck bedeckt ist. Besser man betrachtet die Insel aus der Ferne und liest Andersens «Die Eisjungfrau».

Text Kevin Meier 

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