alligator systems, reichweitenproblem
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Dieses Zuger Start-up will den Elektrolastwagen vom Reichweitenproblem befreien

22.05.2026
von SMA

Die unsichtbare Energiequelle im Güterverkehr

Man stelle sich vor, man könnte die Reichweite eines elektrischen Sattelzugs verdoppeln – ohne teure Schnellladestationen und ohne lange Wartezeiten. Klingt nach Science-Fiction? Nicht für die Alligator AG aus Rotkreuz. Das Schweizer Start-up hat eine Technologie entwickelt, die den Auflieger vom toten Gewicht zur aktiven Powerbank macht – und damit mehrere Hindernisse für die Elektromobilität im Schwerverkehr aus dem Weg räumt.

Denn während die Debatte um E-Lkws oft an der begrenzten Reichweite, den hohen Infrastrukturkosten und den langen Ladezeiten scheitert, bleibt eine riesige Energiequelle ungenutzt: der Auflieger. «Der Auflieger ist heute komplett vom Energienetz des Zugfahrzeugs getrennt», erklärt Michael Schacher, Geschäftsführer und Mitgründer der Alligator AG. «Dabei könnte er Solarstrom speichern, Bremsenergie zurückgewinnen und Batterien so verteilen, dass die Effizienz des gesamten Fahrzeugs steigt.» Genau hier setzt das Unternehmen an – bei den rund drei Millionen Sattelaufliegern, die heute auf Europas Strassen im Einsatz sind und deren Energiepotenzial bislang völlig ungenutzt bleibt.

30 Prozent der CO₂-Emissionen im Strassenverkehr stammen von schweren Nutzfahrzeugen – der Grossteil davon von klassischen Dieselfahrzeugen. Die Elektrifizierung dieses Sektors ist eine zentrale Herausforderung auf dem Weg zu Netto-Null. Doch bisherige E-Lkws stossen an Grenzen: Die Batterien sind gross und schwer, die Ladeinfrastruktur unzureichend und die Reichweite reicht oft nicht für Langstrecken. Die Alligator AG zeigt einen Weg auf, wie diese Herausforderungen mit einer einzigen eleganten Lösung gemeistert werden können.

Die Technologie: Planardurchführung – sicher, automatisch, weltweit einzigartig

Das Herzstück der Alligator-Lösung ist die patentierte Planardurchführungs-Technologie – eine weltweit erste Entwicklung, die eine sichere Hochvoltverbindung zwischen Zugfahrzeug und Auflieger ermöglicht, auch während der Fahrt. Freihängende Hochvoltkabel sind im Strassenverkehr nicht erlaubt und für eine Verbindung während der Fahrt schlicht zu gefährlich. Die Alligator-Lösung setzt stattdessen auf eine vollständig gekapselte, abgedichtete Konstruktion, die im Aufliegerboden integriert wird.

Alligator Systems, Reichweitenproblem

Im Niedrigvoltbereich werden Stromleitungen zwischen Zugfahrzeug und Auflieger mit Spiralkabeln verbunden. Diese Kabel werden bei vollem Einschlag bis zu 7 m auseinandergezogen.

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Für den Ausbau des Energienetzwerks auf den Auflieger sind dicke 800-V-Hochvoltkabel erforderlich. Solche freihängende Hochvoltleitungen sind im Fahrbetrieb nicht zulässig.

Wie funktioniert die Planardurchführung?

Beim Ankoppeln des Aufliegers werden automatisch alle Leitungen verbunden – nicht nur Hochvoltstrom, sondern auch Signale für Blinker, Bremslicht, Pneumatik und digitale Steuerung. «Die eigentliche Herausforderung lag nicht in der Verbindung selbst, sondern darin, die Kabelführung zu managen», erklärt Michael Schacher. «Bei Kurvenfahrten oder beim Rangieren ändert sich ständig der Winkel zwischen Zugmaschine und Auflieger, was stetig zu Längenveränderungen einer Kabelverbindung führt. Mit unserer Technologie entfällt dieses Problem, weil keine Kabel mehr zwischen den Fahrzeugen hängen.»

Stattdessen werden die Leitungen durch die Planardurchführung vollständig geschützt und überwacht:

  • Sicherheit: keine exponierten Kabel, keine Unfallgefahr durch herabhängende Leitungen
  • Automatisierung: Das System verbindet sich selbstständig beim Ankoppeln – kein manuelles Stecken mehr nötig.
  • Überwachung: Integrierte Sensoren kontrollieren kontinuierlich Verschleiss, Temperatur und Betriebssicherheit. «Jede Abweichung wird sofort erkannt und gemeldet», betont Schacher.
  • Kompatibilität: Die Technologie ist mit bestehenden Sattelkupplungen kompatibel und kann ohne Verlust von Ladevolumen integriert werden.
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Damit können Auflieger an der Laderampe nicht nur mit Stückgut, sondern gleichzeitig auch mit Energie beladen werden.

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Zusätzlich kann Energie aus Auflieger-Solarpanelen und Aufliegerbremskraft direkt ins Bordnetz der Zugmaschine eingespiesen werden.

Warum ist das ein Gamechanger?

«Unsere Lösung ist die erste, die ein Hochvolt-Energienetz über das gesamte Fahrzeug – inklusive Auflieger – ermöglicht», sagt Michael Schacher. Und das ist erst der Anfang. Denn die Planardurchführung ist nicht nur eine technische Spielerei, sondern die Grundlage für eine völlig neue Art der Energielogistik.

Der B-Trailer: Unbegrenzte Reichweite, 90 Prozent geringere Energiekosten – und ein Meilenstein für die Logistik 4.0

Mit der Planardurchführung wird der Auflieger zum B-Trailer – einem Battery-Trailer, der direkt an das Energienetz des Zugfahrzeugs angebunden ist. Das Konzept ist simpel, aber revolutionär: Statt alle Batterien im Zugfahrzeug zu verbauen, werden sie auch auf den Auflieger verteilt.

Das bringt entscheidende Vorteile:

1. Unbegrenzte Reichweite durch Trailer-Swapping

Ein zentrales Problem von E-Lkws ist die begrenzte Reichweite. Mit dem B-Trailer-Konzept wird dieses Problem obsolet: Statt das Fahrzeug selbst aufladen zu müssen, kann der:die Fahrer:in einfach einen geladenen Auflieger ankoppeln und direkt weiterfahren. «Das ermöglicht einen 24/7-Betrieb ohne Ladestopps», erklärt Schacher. «Ein E-Lkw kann so theoretisch unbegrenzte Distanzen zurücklegen – einfach durch das Wechseln der Auflieger.

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Mit unserer patentierten Technologie wird erstmals eine Hochvolt-Verbindung zwischen Zugmaschine und Auflieger während der Fahrt möglich.

2. Bis zu 90 Prozent geringere Energiekosten

Ein Energienetz über das gesamte Fahrzeug eröffnet völlig neue Möglichkeiten:

  • Solarstrom: Auflieger mit Solarpaneelen gibt es bereits – mit der Planardurchführung kann diese Energie erstmals direkt ins Bordnetz des Zugfahrzeugs eingespeist werden.
  • Bremsenergie-Rückgewinnung: Lösungen zur Rückgewinnung der Aufliegerbremskraft existieren ebenfalls bereits, doch ihre Nutzung ist heute eingeschränkt, da auch hier eine Verbindung zum Zugfahrzeug fehlt.
  • Langsames Laden: Auflieger können losgelöst vom Zugfahrzeug an der Laderampe nicht nur mit Stückgut, sondern gleichzeitig mit Energie beladen werden – was Energie- und Infrastrukturkosten dramatisch senkt.

Allein durch diese Massnahmen können die Energiekosten um bis zu 90 Prozent reduziert werden – bei gleichzeitiger Verbesserung der Logistikeffizienz.

3. Flexibilität und Nachhaltigkeit

  • Optimale Gewichtsverteilung: Die Batterien können so platziert werden, dass das Gewicht optimal auf alle Achsen verteilt wird. Das erhöht die Nutzlast oder ermöglicht den Einsatz kleinerer Fahrzeuge – zum Beispiel zweiachsige statt der bis zu zehn Tonnen schweren dreiachsigen Zugmaschinen.
  • Längere Batterielebensdauer: Schonendes Laden verlängert die Lebensdauer der ökonomisch und ökologisch teuersten Komponente eines E-Lkws erheblich.

4. Energielogistik

Die Technologie ermöglicht einen parallelen Fluss von Gütern und Energie. An der Laderampe wird der Auflieger beladen – oft losgelöst vom Zugfahrzeug. Legt man die Dieselbrille ab, ist es eigentlich logisch: Zu diesem Zeitpunkt wird der Auflieger parallel mit Energie beladen – und nicht das Zugfahrzeug, welches bereits wieder im Einsatz sein sollte.

«Wir nennen das Energielogistik», erklärt Schacher. «Dabei geht es um die harmonische Verschmelzung von Logistikprozessen und Energiemanagement.» Auflieger werden zu mobilen Speichern, die Energie flexibel aufnehmen und abgeben können. «Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten – von der Nutzung negativer Strompreise bis hin zur dezentralen Energieversorgung.»

Die Geschichte: Vom Familienbetrieb zur Hochvoltrevolution

Die Idee zur Planardurchführung entstand fast zufällig. Michael Schacher, damals Projektleiter in der Industrie, entwickelte ursprünglich eine Lösung für Hydraulikleitungen im Familienbetrieb. «Ich war als Freelancer tätig und sollte eine mechanische Verbindung für Hydraulikschläuche konstruieren», erinnert er sich. «Eigentlich war das nur ein temporäres Projekt.» Doch dann kam die Pandemie – und mit ihr eine unerwartete Wendung.

Der Wendepunkt: Eine Logistikmesse verändert alles

2021 stellte die Alligator AG ihren Hydraulikprototypen auf der transport-CH Logistikmesse in Bern aus. «Wir wollten frühzeitig Feedback von potenziellen Kunden», sagt Schacher. Das Echo war ernüchternd: «Die Nachfrage nach unserer Hydrauliklösung war gering. Der Markt war einfach zu klein.»

Doch dann passierte etwas Unerwartetes: Fünf Ingenieure beschrieben ihm unabhängig voneinander dasselbe Problem – nicht für Hydraulik, sondern für Hochvoltleitungen bei elektrischen Sattelzügen. «Damals gab es in der ganzen Schweiz gerade einmal sechs elektrische Sattelzugmaschinen», erinnert er sich. «Aber die Marktprognosen zeigten: Bis 2040 werden es in der EU über 200 000 Neuzulassungen pro Jahr sein.»

Die Entscheidung: Alles auf eine Karte setzen

Die Alligator AG änderte ihren Kurs. «Wir haben uns gefragt: Wenn fünf Ingenieure unabhängig dasselbe Problem beschreiben – muss da nicht eine riesige Chance liegen?», sagt Schacher. Die Antwort war klar: Ja. Die Gründer begannen, eine Verbindungstechnologie für Hochvoltleitungen zu entwickeln – und stiessen auf eine weltweite Marktlücke.

Doch der Weg ist steinig. 2024 setzte die Streichung von Fördergeldern durch den Bund das Projekt zurück. «Seit Beginn arbeite ich fast ununterbrochen, schlafe schlecht und kassiere regelmässig Rückschläge», gibt Schacher offen zu. «Aber es gibt zum Glück auch die Erfolge, die einem dem grossen Ziel immer einen kleinen Schritt näherbringen – und die es wert machen.» Die Klimastiftung Schweiz unterstützte das Projekt mit 170 000 CHF, 2025 gewann die Alligator AG den EBP Impact Accelerator Award. Aktuell fördert der Bund ein umfangreiches Innosuisse-Projekt zusammen mit der Hochschule Luzern für Elektrotechnik und der Berner Fachhochschule für Fahrzeugtechnik.

Die Vision: Energielogistik – wenn Logistik und Energiemanagement verschmelzen

Für die Alligator AG geht es nicht nur um Technologie, sondern um ein ganzheitliches Konzept: Energielogistik. «Wir wollen die ungenutzten Möglichkeiten des Aufliegers erschliessen», sagt Schacher. «Dabei geht es nicht um die Marke, sondern um die Technologie.»

1. Klimaneutrale Logistik

Durch Solarstrom, Bremsenergie-Rückgewinnung und intelligente Ladesteuerung können Speditionen von negativen Strompreisen profitieren. «Wenn der Strompreis niedrig ist, können die Aufliegerbatterien geladen werden – und die Energie später genutzt werden, wenn die Preise hoch sind», erklärt Schacher.

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Mit dieser Lösung kann Energie aus den Aufliegerbatterien unterwegs in die Zugmaschine eingespeist werden.

2. Weltweiter Einsatz

Die Patente der Alligator AG sind international angemeldet und das Pilotprojekt startet bald unter realen Bedingungen. «Unser Ziel ist es, die Technologie zuerst in der Schweiz, dann in Deutschland, Frankreich und schliesslich weltweit einzuführen – Anfragen kommen inzwischen aus allen Weltregionen», sagt Schacher. «Der Markt ist riesig und das Potenzial noch grösser.»

Kontakt

Alligator AG
Suurstoffi 18b
CH-6343 Rotkreuz
www.alligator.systems
michael.schacher@alligator.systems
+41 77 413 39 78

Zum ganzen Interview mit Michael Schacher: www.alligator.systems/interview-fokus.html

Logo Alligator Systems

Fazit: Warum diese Innovation die Branche verändern wird

Die Alligator AG löst mit der Planardurchführung ein zentrales Problem der E-Mobilität im Schwerverkehr – und schafft damit die Grundlage für klimaneutrale, effiziente Logistik. Wenn sich die Technologie durchsetzt, wird sie die Elektrifizierung beschleunigen und den globalen Güterverkehr effizienter machen.

Eines ist klar: Die Zukunft der Logistik liegt in der Vernetzung – und der Auflieger wird dabei zur Schlüsseltechnologie. «Mobilität wird auf mehreren Technologien basieren», sagt Schacher. «Und bestimmt auch auf unserem Ansatz – im besten Fall mit unserer Lösung.»

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