22.5 C
Zürich
3 Juni 2020

Auf diese Schweizer Frühlingstraditionen können wir uns 2021 wieder freuen.

Die Tage werden länger, die Luft milder und die Vögel singen – der Frühling kommt! Insofern ist es wie jedes Jahr. Dennoch ist der Frühling 2020 aufgrund des Coronavirus ein anderer als sonst. «Fokus» stellt drei Frühlingsbräuche vor, welchen dieses Jahr zwar ein Strich durch die Rechnung gemacht wird, aber auf welche wir uns 2021 dafür umso mehr freuen können.

Die Eierläset

Der Legende nach ist es der Osterhase, der die Schokoladeneier zur Freude der Feinschmecker bringt. Der in dieser Zeit sehr fleissige Hase symbolisiert somit das neue Leben, das der Frühling einläutet. Die Eierläset dient dabei dazu, den Winter zu verjagen. Sportvereine in den Kantonen Aargau, Solothurn sowie Basel-Landschaft organisieren jeweils den idealen Tag für diese Schweizer Tradition.



Ein mit Jasskarten verkleideten Läufer während eines Eierrennens 2006. Quelle: Wikimedia Commons

Zu diesem Anlass bereitet man zwei Bahnen nebeneinander vor. Jede von ihnen ist mit 80 bis 100 Sägemehlhaufen abgesteckt, auf denen jeweils ein Ei platziert ist. Der Wettbewerb findet zwischen zwei Teams statt, die den Winter beziehungsweise den Frühling darstellen. Die beiden konkurrierenden Gruppen bestehen dabei aus mehreren Läufern und einem oder zwei Torhütern. Das Prinzip ist einfach: Jeder Läufer muss zum am weitesten entfernten Ei laufen, es aufheben, sehr schnell zurückkommen und es danach vorsichtig in den Korb des Torhüters werfen.

Aber Achtung! Das Ei darf auf dem Weg zurück nicht herunterfallen, denn sonst muss der Läufer den Kurs neu starten; als Strafe darf er zudem kein neues Ei aufheben. Manchmal müssen sich Läufer zusätzlichen Schwierigkeiten stellen, wie zum Beispiel einer unbequemen Verkleidung oder einem instabilen Behälter, um das kostbare Ei zurückzubringen. Zusätzlich folgt nach jedem zehnten gewonnenen Ei ein zusätzlicher Test. Das erste Team, das alle Eier bei seinem Torhüter ablegt, gewinnt das Spiel! Interessanterweise ist die Winter- der Frühlingsmannschaft häufig unterlegen.

«Le Feuillu» – eine welsche Tradition 

Diese beliebte Feier markiert jeweils am ersten Sonntag im Mai die Rückkehr des Genfer Frühlings. Laut der Website «Lebendige Traditionen» geht die Feier ferner auf eine keltische heidnische Tradition zurück. Sie ist in zahlreichen Gemeinden im Kanton vorzufinden.

Dabei veranstalten Kinder geschmückt mit Blumenkränzen einen Umzug. In der Mitte thronen ein Maikönig und eine -königin auf einem Karren, über ihnen befindet sich ausserdem ein Kunstwerk aus Zweigen, das als «Tier» oder «Blatt» bezeichnet wird. Die Kinder untermalen den Umzug zudem mit Tänzen und Gesang. Um den Tag schön ausklingen zu lassen, treffen sich die Genfer anschliessend zu einem kleinen Snack.

Maikönig und -königin in Onnex im Kanton Genf während der Feuillu-Feier. Quelle: Wikimedia Commons

Der Reformator Johannes Calvin verbot den Brauch im 16. Jahrhundert, welcher erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde. «Aber das Verbot hat die Tradition nicht daran gehindert, fortzufahren. Ab 1614 beklagte sich dementsprechend zum Beispiel das Konsistorium, das für die Kontrolle der Moral zuständig war, wiederholt über «junge Mädchen, die zu Maiköniginnen erkoren wurden»», erläutert Isabelle Brunier, Historikerin in der Territorialabteilung im Büro für Kulturerbe und -stätten in Genf. Die katholischen Dörfer in der Nähe neigten dabei eher dazu, den Brauch der jungen «falsch Verheirateten» zu erhalten.

Laut der Expertin gab es in der Genfer Landschaft noch eine weitere Frühlingstradition namens «les failles» – manchmal auch Brandons genannt – vom altfranzösischen Wort für «Fackel». Diese bestand aus einem Rundgang um die Häuser der Dörfer mit einer Art Stange, deren Ende mit Stroh oder anderem versehen war, um dabei die Häuser zu reinigen. «Die Tour endete jeweils mit dieser Reinigung, die mit grosser Freude einherging. […] Im 16. Jahrhundert, in den Jahren 1545 bis 1547, wurde dieser Brauch in den Dörfern Genthod und Grand-Saconnex noch immer angeprangert», erklärt Isabelle Brunier.

Das Zürcher Sechseläuten

In Zürich wird jedes Jahr im April der Böögg angezündet. Diese Tradition lässt sich auch andernorts in der Schweiz in ähnlicher Form vorfinden: In Freiburg entzündet sich der «Rababou» während der Fasnacht, in Graubünden im Engadin ist es der «Hom Strom». Dabei handelt es sich um eine Puppe aus Stroh, daher auch der Name.

Das Sechseläuten stellt zudem ein Zeichen auf die Umstellung vom Ende der Arbeit zur schönen Jahreszeit dar. Der Brauch beginnt vor mehr als 200 Jahren: «Der Zürcher Brauch des 19. Jahrhunderts entwickelte sich schrittweise ab 1818. Die heutige Form festigte sich dabei um 1900», erklärt François Guex, der Historiker, der den Radiomoteratoren Jean-Marc Richard bei SRF jeweils im Rahmen der Live-Übertragung der Parade begleitet.

«1866 hatten die Zünfte ihre letzte politische Funktion verloren. Um am Leben zu bleiben, wandelten sie sich in patriotische Verbindungen um, die in reichen Traditionen aus ihrer Gründung im Jahr 1336 verwurzelt sind», erklärt François Guex. Darüber hinaus haben nach Ansicht des Experten die «neuen Nachbarschaftsunternehmen» den Ausschlag gegeben, sich den bereits bestehenden anzuschliessen. Nach der Anbindung vieler Nachbargemeinden an die Stadt Zürich (in zwei Zügen, 1893 und 1934) kamen diese kleinen Neuheiten mit den alten Verbindungen aus dem Mittelalter zusammen. So organisierten diese infolgedessen gemeinsam Prozessionen, gefolgt von Banketten am Tag des Sechseläutens.

Der Böögg

Der Böögg, dieser riesige Schneemann mit einem Gewicht von achtzig Kilo und einer Größe von mehr als drei Metern, erschien erst 1862 auf der Bildfläche. «Die Figur, welche zuerst in Karnevalsform aufgenommen wurde, symbolisierte einst den Verlust, ein anderes Mal die Grippe oder stellte später eine Personifizierung von Partisanenstreitigkeiten dar. Das Bild des Winters wurde erst 1901 endgültig», erklärt der Historiker.

Der Böögg entzündet sich in Zürich während des traditionellen Sechsläuten am 11. April 2011.

Das Böögg ist jeweils voller Feuerwerkskörper und wird pünktlich um 18 Uhr angezündet. Die Tradition markiert das offizielle Ende des Winters. Sie besagt, dass der Sommer lang und heiss sein wird, wenn sich der Böögg sehr schnell entzündet. Der Sommer sieht hingegen eher schlecht aus, wenn das Ganze länger dauert. Laut François Guex wurde der Termin für den dritten Montag im April bereits in den 1870er Jahren festgelegt, «in der Hoffnung, mehr Frühlingswetter als im März auszunutzen». Die Kostüme gewannen dabei im Laufe des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Diese nahm aber im Laufe der Jahre wieder ab und wurde schliesslich zur Nebensache.

Text: Laetizia Barreto; Übersetzung aus dem Französischen: Lars Gabriel Meier

Lesen Sie mehr.

Kartelle und Fusionen: Der freie Markt muss spielen

Die Marktwirtschaft funktioniert nur, wenn der freie Wettbewerb geschützt wird.

Stan Wawrinka – Der Tunnel liegt hinter ihm

Der Tennisstar Stan Wawrinka hat einen weiten Weg hinter sich. Nachdem er auf die letzten Plätze der Weltrangliste gefallen ist, hat der Waadtländer alles darangesetzt, um einen fabelhaften Wiederaufstieg zu erleben.

Die Babysprache verstehen

Babys senden bestimmte Signale aus, um ihren Eltern mitzuteilen, was ihnen fehlt. Bis Eltern dafür ein Gespür entwickeln, dauert es oft einige Zeit. «Fokus» zeigt, wie Eltern die Warnzeichen ihres Säuglings richtig deuten können.

Michèle Rosenheck: Offen in die Zukunft blicken

Next Step - ein Schritt hin zu etwas Neuem. Klingt gut, weil damit eine Haltung verbunden ist: Offenheit, Neugier, sich bewegen wollen. Dies sind entscheidende Ressourcen in Zeiten, in denen viele im beruflichen wie auch privaten Umfeld den Wandel spüren, viele Lebensbereiche von Ungewissheit geprägt sind – und gleichzeitig überbordende Informationsflut. Fragen über Fragen: Werde ich auch morgen eine Stelle haben? Wird es meinen Beruf, meinen Arbeitgeber als Unternehmen überhaupt noch geben? Wie sieht es mit meiner Vorsorge aus?

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.