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Deutschland Energie

Wie Deutschland energetisch flexibel wird

16.07.2026
von Pia Soldan

In diesem Sommer ist es so weit: Der Essener Energiedienstleister Iqony und die Deutsche Bahn schließen die Arbeiten am neuen Batteriespeicher in Duisburg-Walsum ab. Zukünftig kann die Bahn den Anteil erneuerbarer Energien an ihrem Nutzungsumfang somit wesentlich erhöhen. Drei Millionen Kilometer jährlich sollen ICEs von nun an zusätzlich angetrieben von Wind und Sonne zurücklegen – ein Beispiel für die deutschen Bemühungen um aktive Energieflexibilisierung.

»Es handelt sich um einen Vier-Stunden-Speicher, der insofern in Summe rund 200 Megawattstunden (MWh) an Grünstrom aufnehmen bzw. nach Bedarf bereitstellen kann«, ließ sich Christian Karalis als Co-Leiter des Bereichs »Business Development« der Bahn im November 2024 in einer Pressemitteilung zitieren. Bis 2040 will die Bahn klimaneutral werden.

Klimaneutral bis 2045

Mit der Verfolgung ihrer Ziele leistet die Bahn einen Beitrag innerhalb der gesamtdeutschen Festlegung, die Bundesrepublik bis 2045 klimaneutral zu machen. Das kann nur funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen, aber das Umweltbundesamt zeigt sich zuversichtlich. Im März 2025 titelte es in einer Pressemitteilung: »Klimaziele bis 2030 erreichbar«. Dieses Zwischenziel legt eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 fest.

Um das umsetzen zu können, ist es laut Umweltbundesamt jedoch Voraussetzung, dass die »schon implementierten klimapolitischen Instrumente[] […] weiterhin konsequent umgesetzt werden«. Außerdem zeichne sich ab, dass Deutschland seine Ziele im Rahmen der EU-Klimaschutzverordnung im Zeitraum 2021 bis 2030 deutlich verfehlen werde. Sorgenkinder stellten vor allem der Verkehrs- und der Gebäudesektor dar. Hier spielten die Energiewirtschaft im Allgemeinen und die Stromerzeugung im Besonderen prägende Rollen, weshalb die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden müssten.

Elektroautos als Energiespeicher

Gleichzeitig zum Ausbau der Erneuerbaren muss laut Bundesumweltamt die Nachfrage nach Elektromobilität angekurbelt werden. Keine Erwähnung findet hier das bidirektionale Laden, mithilfe dessen bei Dunkelflaute erneuerbare Energien nutzbar werden.

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Privathaus betreibt, kann laut ADAC rund 30 Prozent des Eigenbedarfs an Strom decken. Ein Energiespeicher für Zeiten ohne Sonneneinstrahlung und Wind kann diesen Wert steigern – und hier kommt das Elektroauto ins Spiel: »Das E-Auto könnte tagsüber überschüssigen Strom, etwa aus der Photovoltaik-Anlage speichern und bei Bedarf wieder zurückgeben – an ein elektrisches Gerät, ins Haus- oder Stromnetz.« Auf diese Weise könnten Endverbrauchende – sofern sie ein Fahrzeug besitzen, das technisch zum bidirektionalen Laden in der Lage ist – von einer Lastverschiebung profitieren, indem sie weniger Strom zukaufen müssten, der bei Dunkelflaute besonders teuer ist.

Das funktioniert theoretisch nicht nur für einzelne Haushalte, sondern ist über gemeinsam nutzbare Flotten auf ganze Quartiere skalierbar. Für die Umsetzung dieser Idee gibt es bislang jedoch nur sehr vereinzelte Beispiele, die sich außerdem noch in der Entwicklungsphase befinden.

Megaspeicher für die Dunkelflaute

Gemeinsame Speicherkapazitäten für erneuerbare Energien aufzubauen, haben sich hingegen bereits einige Städte und Regionen auf die Fahnen geschrieben. Hier kommen beispielsweise ehemalige Atomkraftwerk-Standorte wie im westfälischen Würgassen, im schleswig-holsteinischen Brokdorf oder bei Stendal in Sachsen-Anhalt zum Tragen. Riesige Batterien sollen hier zukünftig die Möglichkeit der Lastverschiebung bieten. Aber auch Fabriken können bezüglich der Energieflexibilisierung einen Einfluss geltend machen, indem sie ihre Produktion abhängig vom im Netz verfügbaren Strom hoch- oder runterfahren.

Wärme flexibel erzeugen und verbrauchen

Nicht von der Frage nach Strom zu trennen ist auch die nach der Wärmewende. Nutzbar machen können Fabriken oder andere Infrastrukturen beispielsweise ihre Abwärme. So setzt etwa die Stadt Mannheim neben Flusswasserwärmepumpen am Rhein und Geothermie auch die Abwärme aus der Industrie ein. Denn mittelfristig möchte sich die Stadt vollständig von Erdgas als Wärmequelle verabschieden.

Systematisch umgesetzt haben die Idee der Abwärmenutzung auch die Energiedienstleister Engie Deutschland und Gasag Solution Plus in Berlin-Spandau. Für die Wärmeversorgung im Quartier »Das neue Gartenfeld« nutzen sie die Abwärme zweier nahe gelegener Rechenzentren. Damit erfüllen diese eine Anforderung, die das Energieeffizienzgesetz an Rechenzentren stellt, die ab Juli 2026 in Betrieb gehen. Mindestens zehn Prozent der produzierten Abwärme muss dann wiederverwendbar sein. In Berlin transportiert eine Trasse die Abwärme die anderthalb Kilometer zum Neuen Gartenfeld, wo Wärmepumpen alles Weitere erledigen. Denn zum direkten Heizen ist die Abwärme aus den Rechenzentren zu kühl.

Der Versorgung mit Energie steht der Verbrauch gegenüber. Diesen zu optimieren, ist beispielsweise das Ziel der Stadt Cottbus. Mit einem Energiemonitoring will sie in kommunalen Gebäuden den Energieverbrauch überwachen und so unnötige CO2-Emissionen vermeiden und Energiekosten reduzieren. »Unentdeckte Fehlbetriebe und Störungen von Heizungen, Lüftungsanlagen und Jalousien gehören damit der Vergangenheit an«, schreibt die Stadt in ihrem Konzept für die Smart City Cottbus.

Das Netz der Energieinfrastruktur

Auf die gesamte Bundesrepublik verteilt finden sich viele zukunftsorientierte Ansätze, Energie zu produzieren, zu speichern und ihren Verbrauch bewusst zu steuern. Je dichter das Netz dieser Lösungen wird und je stärker sich die einzelnen Infrastrukturen verzahnen, umso näher rückt Deutschland den Klimazielen und einer sozialverträglichen Verteilung von Strom und Wärme. Auf diese Weise bleibt Energie gegebenenfalls auch mit kleinerem Budget finanzierbar und lässt sich mit den richtigen Speicherlösungen sogar als Einnahmequelle umfunktionieren.

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