In dieser Ausgabe geht es um die Zukunft der Energie. Was bedeutet das? Der Begriff Energie steht für ein in der Realität sehr umfassendes System. Veränderungen in diesem System sind ein langer Prozess. Mit Blick auf heute können wir allerdings sagen: Die Zukunft der Energie hat längst begonnen. Wir sind mittendrin. Erneuerbare Energien sind das Rückgrat dieser Veränderung: Ihr Anteil am deutschen Stromverbrauch ist von rund 30 Prozent im Jahr 2015 auf etwa 58 Prozent gestiegen. Wind- und Solarenergie sind nicht nur zentrale Bausteine des Klimaschutzes, sondern zunehmend auch Standort- und Sicherheitsfaktor.
Die jüngsten Krisen haben gezeigt, wie verwundbar uns einseitige Abhängigkeiten machen. Unsere Antwort darauf kann nur eine resiliente, diversifizierte und zunehmend unabhängige Energieversorgung sein.
Der Wechsel von Energieträgern allein garantiert keine Resilienz. Während wir fossile Abhängigkeiten reduzieren, entstehen neue Herausforderungen – etwa bei kritischen Rohstoffen, Schlüsseltechnologien oder digitalen Infrastrukturen. Die Zukunft der Energie entscheidet sich deshalb nicht nur durch den Ausbau erneuerbarer Energien, sondern auch über unsere Fähigkeit, Digitalisierung, Cyber- und Versorgungssicherheit zusammenzudenken.
Digitalisierung und Dateninfrastrukturen sind die Taktgeber
Bei der Energiewende geben zunehmend Datenströme, Algorithmen und digitale Plattformen den Takt vor. Denn je mehr erneuerbare Energien, Speicher, zu- und abschaltbare Lasten, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge ins System kommen, desto wichtiger wird die Fähigkeit, sie intelligent zu vernetzen.
Smart Meter, digitale Netze und automatisierte Steuerung machen aus einer Vielzahl einzelner Anlagen ein koordiniertes Gesamtsystem. Sie helfen, Strom dann zu nutzen, wenn er verfügbar ist, Engpässe frühzeitig zu erkennen und die vorhandene Infrastruktur effizient auszulasten.
Daten sind eine zentrale Ressource des Energiesystems. Wo sich Daten sicher und standardisiert austauschen lassen, entstehen Flexibilitätsmärkte, intelligente Netzsteuerung und innovative Dienstleistungen. Datenräume können hierfür eine wichtige Grundlage schaffen. Voraussetzung ist, dass Cybersicherheit von Anfang an mitgedacht wird – etwa durch klare Zugriffsrechte, sichere Dateninfrastrukturen und hohe Sicherheitsstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zweiter wichtiger Faktor: künstliche Intelligenz. Sie kann aus unzähligen Datenpunkten Muster erkennen, Prognosen verbessern und Entscheidungen unterstützen – von der Netzplanung bis zum laufenden Betrieb. So lassen sich Ressourcen gezielter einsetzen, Investitionen effizienter steuern und bislang ungenutzte Potenziale erschließen.
Dass sich hier – auch in Deutschland – viele gute Ideen für neue Geschäftsmodelle entwickeln, sehen wir bei der dena in unserer Arbeit mit Start-ups wie etablierten Unternehmen. In Initiativen wie dem dena Energy Award und dem Start Up Energy Transition (SET) Award erreichen uns jedes Jahr zahlreiche Bewerbungen von nationalen sowie internationalen Unternehmen, die mit ihren Ideen bereits heute die Zukunft der Energie gestalten.
Für Resilienz braucht es Cybersicherheit und physischen Schutz
Neben unternehmerischem Mut zu Innovationen braucht es einen verlässlichen regulatorischen Rahmen. NIS2 oder das KRITIS-Dachgesetz haben die Anforderungen an Risikomanagement, Sicherheitsmaßnahmen und Krisenvorsorge weiter konkretisiert. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Wissen, Erfahrungsaustausch und Qualifizierung, um diese Vorgaben wirksam umzusetzen. Ebenso wichtig ist der Austausch über Bedrohungslagen, Schutzmaßnahmen und Lösungsansätze. Möglich ist dies unter anderem im Rahmen der Branchenplattform Cybersicherheit.
Neben Cyberrisiken rückt die physische Sicherheit kritischer Infrastrukturen stärker in den Fokus. Die zunehmende Vernetzung von Anlagen oder neue Möglichkeiten zur Ausspähung kritischer Infrastruktur machen uns angreifbar. Resilienz entsteht nicht erst im Krisenfall. Sie beginnt bei der Planung: durch Redundanzen, robuste Sicherheitsstandards, schnelle Wiederherstellungsfähigkeit und eine systematische Risikoanalyse. Die Erfahrungen der Ukraine zeigen eindrucksvoll, wie wichtig dezentrale Strukturen, Reparatur- und Anpassungsfähigkeit für die Aufrechterhaltung der Energieversorgung unter schwierigen Bedingungen sein können. Diese Erfahrungen sollten wir nutzen, um unser Energiesystem widerstandsfähiger zu machen.
Die Zukunft der Energie ist digital, resilient und klimaneutral
Unsere Energiezukunft ist erneuerbar, digital und vernetzt. Damit wachsen die Anforderungen an Sicherheit, Resilienz und intelligente Datennutzung. Die entscheidende Aufgabe besteht darin, diese drei Dimensionen konsequent zusammenzudenken – in der Regulierung, bei Investitionen und in der praktischen Umsetzung. Die Beiträge und Projekte in dieser Ausgabe liefern dafür wichtige Impulse.
Text Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur

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