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Innovation

Warum E-Mobilität flexiblen Parkraum in der Tiefgarage braucht

18.07.2026
von Vanessa Bulliard

Elektromobilität spielt eine wichtige Rolle in der Reduktion der CO2-Emissionen im Verkehr. Doch die politisch angestrebte Elektrifizierung des Verkehrs sieht in Schweizer Tiefgaragen in der Realität anders aus. Elektroladeinfrastrukturen allein lösen das Problem nicht – es braucht eine intelligente Steuerung der dazugehörigen Fläche.

Bis 2050 soll der Verkehr in der Schweiz unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen. Schweizweit existieren für die Erreichung des Netto-Null-Ziels bereits über 14 000 Ladestationen für Elektroautos. Auch in den Tiefgaragen laden Elektroautos ihre Batterie auf. An einer öffentlichen Ladesäule braucht ein Auto zwei bis vier Stunden zum Vollladen. Jedoch stehen die E-Autos auch mit geladener Batterie oftmals mehr als zwölf Stunden auf dem Ladeparkplatz. Die teure Infrastruktur wird so ineffizient genutzt.

Mehr Ladestationen lösen das Problem nicht

Die Anzahl der Elektroautos steigt. Wenn man nun jedoch einfach an jeden Parkplatz eine Ladestation bauen möchte, stösst man schnell auf ein Problem. Die Anschlusskapazität des Gebäudes ist begrenzt. Auch mit einem intelligenten Stromsteuerungssystem lässt sich das Problem nur teils lösen. Ein flexibles Lastmanagement, das die Verteilung des Stroms laufend an den aktuellen Bedarf anpasst, ist kostspielig. Die Lösung liegt daher nicht in der Menge der Ladekabel, sondern in mehr Bewegung auf den Parkplätzen.

Die Symbiose aus «Charging» und «Sharing»

Parkplatzmanagement ist hier das Stichwort. Der Parkplatz gehört nicht mehr exklusiv dem Mietenden, egal ob das Auto dort steht oder nicht. Der Ladeplatz wird temporär für ein bestimmtes Zeitfenster gemietet, das exakt auf die Ladezeit abgestimmt ist. Buchungssysteme erfassen das Auto digital. Algorithmen steuern den gesamten Prozess im Hintergrund – sobald der Ladevorgang beendet ist, fordert das System den Nutzenden zum Umparken auf. So stellt das Buchungsprogramm sicher, dass Ladeparkplätze effektiv nur zu ihrem wahren Zweck gebraucht werden. Ein Parkplatz kann so täglich zur Ladestation von mehreren Fahrzeugen werden.

Wirtschaftlichkeit für den Eigentümer

Die Installation von Ladesäulen gilt in der Immobilienwirtschaft oft als teure Pflichtübung, die erhebliche Investitionskosten mit sich bringt. Werden die Ladesäulen auch noch starr vermietet, amortisiert sich die Anlage kaum. Verknüpfen Immobilienbesitzende dieses Problem mit einer dynamischen Bewirtschaftung, brechen sie das unrentable Muster auf. Vergeben sie Ladeplätze an mehrere Nutzende wie Pendelnde, Lieferdienste und Anwohnende, steigt die Nutzung der Fläche massiv. Automatisierte Blockierungsgebühren nach Ende des Ladevorgangs und die Öffnung für Drittnutzende in Randzeiten wandeln die Tiefgarage von der Kostenstelle zum Profitzentrum um.

Sharing-Modell als Streitschlichter

Der regulatorische Druck auf Immobilienbesitzende steigt. Die Kantone verschärfen ihre Energiegesetze und auf politischer Ebene gewinnt das «Recht auf Laden» an Fahrt. Immobilienbesitzende müssen also handeln. Doch der Bau von Ladestationen sorgt gerade bei Stockwerkeigentümerschaften für Streit: Wer bezahlt den Ausbau, wenn nicht alle ein E-Auto besitzen? Wer darf wann an die Steckdose? Ein dynamisches Sharing-Modell löst diese Probleme noch vor ihrer Entstehung. Die Hausgemeinschaft nutzt flexible, gemeinsame Ladeplätze. Eine App regelt dabei den Zugang und rechnet den Strom sowie die Parkzeit für jeden Nutzenden automatisch und fair ab. Diese Lösung entschärft nicht nur soziale Konflikte, sondern entlastet auch die Verwaltungen, indem das Sharing-Modell administrativen Mehraufwand übernimmt.

ESG-Reporting und Dekarbonisierung

Nachhaltigkeit ist in der Immobilienwirtschaft längst kein Trendwort mehr, sondern Pflichtprogramm. Investierende müssen genau nachweisen können, wie umweltfreundlich ihre Gebäude sind. Dabei verschafft ein intelligenter E-Mobilitätshub in der Tiefgarage Abhilfe. Dank der digitalen Steuerung fliessen Daten zu Ladevorgängen und CO2-Einsparungen automatisch zusammen. Für die Eigentümerinnen und Eigentümer entsteht so auf Knopfdruck eine Übersicht mit den exakten Zahlen für ihren Nachhaltigkeitsbericht. Zusätzlich werden durch das Sharing-Prinzip die Parkplätze optimal ausgelastet, was den Bau von mehr Parkplätzen verhindert. Die Umwelt wird so geschützt, die Liegenschaft bleibt für grüne Fonds attraktiv und kann ihren Marktwert langfristig sichern.

Die Tiefgarage als urbanes Kraftwerk

Die Mobilitätswende geschieht nicht nur auf den Strassen, sondern auch im Untergeschoss. Allein die Existenz von physischen Ladesäulen in den Tiefgaragen reicht nicht aus – sie brauchen ein digitales Gehirn. Erst die Verknüpfung von Energie und flexiblem Parkraum macht den Umstieg auf die E-Mobilität für die Eigentümerschaft bezahlbar und für Verwaltungen simpel. Ungenutzte Flächen werden durch schlaue Software zu lebendigen Lade-Hubs und hinterlassen so lauter Gewinnerinnen und Gewinner: Investierende sichern ihre Rendite, Autofahrende laden flexibel ihre Autos auf und Städte gewinnen wertvollen Lebensraum an der Oberfläche. Die Zukunft des Parkierens ist digital, gemeinschaftlich und elektrisch.

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