solarenergie ist  vielversprechendste erneuerbare energie in  schweiz.
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Solarenergie: Wie die Sonne den Planeten rettet

19.09.2026
von Pia Soldan

Neben Wasser und Wind gibt es in der Schweiz vor allem eine nachhaltige Energiequelle: die Sonne. Unerschöpflich könnte sie mit ihrer Strahlung den Energiebedarf der ganzen Erde decken – wenn man sie bereits optimal zu nutzen wüsste. Doch Forschung und Entwicklung arbeiten daran.

Im September 2023 ging im neuenburgischen Cressier mit einer Kapazität von acht Megawatt die leistungsstärkste Freiflächen-Solaranlage der Schweiz ans Netz. Rechnerisch produziert sie allein mit 8,4 GWh pro Jahr genug Strom, um 2000 Haushalte zu versorgen. Bei dem Gelände handelt es sich um den Grund und Boden der Raffinerie Cressier. Mit der Einweihung der PV-Anlage schlossen Varo Energy und das Energieunternehmen Groupe E die Haushalte der Region Cornaux-Cressier an das Fernwärmenetz Entre-deux-Lacs an, das die Abwärme der Raffinerie zum Heizen nutzt. Gleichzeitig sorgen die 19 000 Paneele für eine klimaoptimierte Energiegewinnung für eine energieintensive Industrie. Während Energieproduktionspeaks bei maximaler Sonneneinstrahlung decken sie 60 Prozent des Bedarfs der Raffinerie.

Weiterentwicklung von Solaranlagen

Etwa fünf Prozent der Anlage in Cressier nutzt das Technologie-Innovationszentrum CSEM in Neuchâtel für Forschung und Entwicklung. Im Fokus steht dabei, die Energieproduktion zu optimieren und Wartungskosten zu minimieren. «Unsere Technologien der nächsten Generation direkt in einer industriellen Produktionsumgebung zu testen, ist eine grosse Chance für CSEM», liess sich Matthieu Despeisse als Group Leader Solar Modules zur Inbetriebnahme der PV-Anlage in einer Pressemitteilung von Groupe E zitieren. Die Tests würden es CSEM ermöglichen, genaue Daten über die verschiedenen Innovationen zu erhalten, um die Entwicklungen validieren und steuern zu können.

Die Innovation von Solarzellen und -modulen ist Teil des Portfolios bei CSEM. Dabei geht es einerseits um Leistungsoptimierung durch chemische Lösungen und Kontakttechnologien, die auch die Lebensdauer der Solarpaneele verlängern können. Andererseits entstehen in Neuchâtel PV-Fassaden, die sich den klimatischen Bedingungen anpassen und auch den Ansprüchen moderner Architektur Genüge tun sollen.

Autarke Energieversorgung als unternehmerisches Konzept

Mit seinen Entwicklungen schafft das Forschungsunternehmen Anreize für Gewerbe, Industrie und gegebenenfalls auch Privatpersonen, auf die eigene Stromproduktion zu setzen und Prozesse unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen. Um die klimapolitischen Ziele zu erreichen, ist dies aus Sicht der Schweizerischen Energiestiftung (SES) unverzichtbar, so Dr. Léonore Hälg als Leiterin des Fachbereichs erneuerbare Energien: «Wenn wir Netto-Null erreichen wollen, müssen wir die Energieversorgung dekarbonisieren. Drei Viertel der Treibhausgasemissionen der Schweiz kommen aus der Energieversorgung, der Energiebereitstellung und der Energienutzung.»

Für Unternehmen jedoch schlagen die Produktion und Nutzung erneuerbarer Energien auch finanziell zu Buche. Wer die eigene Solarenergie nutzt, muss weniger Strom zukaufen. Damit dies nicht nur in den Mittagsstunden an sonnigen Tagen der Fall ist, ergänzen immer mehr Betriebe ihre eigene Solaranlage um eine Speicherlösung. In Zeiten der Überproduktion von Solarstrom kann dieser eingespeichert und per Lastverschiebung zu einem späteren Zeitpunkt verbraucht oder ins Netz eingespeist werden.

EMS und Elektroautos als Stromspeicher

Sinn ergeben für Unternehmen, die ihren eigenen Strom produzieren, zusätzlich Energiemanagementsysteme (EMS). KI-gestützt ermitteln sie die aktuellen Strompreise am Markt und gleichen diese mit dem Verbrauch in der Produktion ab. Handelt es sich um Prozesse, die sich unterbrechen lassen, gibt das EMS entsprechende Empfehlungen ab, zu bestimmten Zeitpunkten die Maschinentätigkeit hoch- oder herunterzufahren.

Gegebenenfalls startet oder unterbricht das EMS automatisiert den Ladevorgang etwaiger Elektrofahrzeuge, die an einem Ladepunkt im eigenen System hängen. Vereinzelt können diese Autos bereits selbst als Stromspeicher dienen. Wie eine Batterie werden sie bei viel verfügbarer Solarenergie aufgeladen und geben den Strom dann ab, wenn er benötigt wird.

Elektrifizierung des Verkehrssektors

Grundsätzlich hält Dr. Léonore Hälg es im Hinblick auf die Klimaziele für unverzichtbar, den Verkehr weiter zu elektrifizieren. Um die Treibhausgasemissionen nicht nur zu verlagern, sondern zu reduzieren, lässt sich auch hier Solarenergie nutzen, wie das Beispiel einer Parkplatzüberdachung über dem Migros Chablais Center in Aigle zeigt.

Dieses und ähnliche Projekte treiben laut Dr. Hälg die Elektrifizierung des Strassenverkehrs voran, denn wo es viel Ladeinfrastruktur gibt, entscheiden sich mehr Menschen für ein Elektroauto. In einer Art «Virtuous Circle» beziehungsweise einer Aufwärtsdynamik gelte das auch umgekehrt: «Wenn man mehr Elektroautos hat, dann gibt es zwangsläufig auch mehr Ladestationen, denn dann wird ausgebaut.»

Dekarbonisierung für Netto-Null 2050

Als Teil der Umweltallianz aus SES, WWF, Pro Natura, BirdLife, Greenpeace und VCS zeigte Dr. Hälg sich im Januar 2026 gegenüber SRF optimistisch, was die Versorgungssicherheit im Winter 2050 vor dem Hintergrund der Dekarbonisierung und des anvisierten Atomausstiegs betrifft. So habe die Solarenergie im vorvergangenen Winter bereits mehr Strom produziert als das AKW Beznau I. Ausserdem treibe auch die EU den Ausbau erneuerbarer Energien voran, sodass die Schweiz gegebenenfalls Strom importieren könnte.

«Drittens zeigt die Wissenschaft, dass es möglich ist, eine hohe Versorgungsqualität mit erneuerbaren Energien im Jahr 2050 zu erreichen.» Es zeichnet sich ab, dass die Schweiz die Versorgungssicherheit mit oder gerade wegen der Dekarbonisierung auch zukünftig realisieren wird. Gehen Ausbau und Innovation weiterhin Hand in Hand, scheint das Schweizer Gemeinschaftsprojekt Netto-Null 2050 stemmbar zu sein.

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