Hohe Löhne sind nicht das grösste Problem der Schweizer Industrie. Schwieriger wird es, wenn teure Produktion auf unnötige Hindernisse trifft. Im Wettbewerb um Investitionen und Fachkräfte muss der Wirtschaftsstandort seine Stärken neu beweisen.

Ein guter Ruf allein bringt noch keine neue Fabrik ins Land. Wer einen Produktionsstandort plant, kalkuliert über Jahrzehnte. Dabei zählen nicht nur die Arbeitskosten, sondern auch eine sichere Energieversorgung und der Zugang zu internationalen Märkten. Die Schweiz punktet mit politischer Stabilität und qualifizierten Fachkräften. Doch ihre hohen Kosten verlangen eine entsprechend hohe Produktivität. Genau hier sieht die OECD Handlungsbedarf.
Die Bremsen im eigenen Land
Im Wirtschaftsbericht vom September 2026 stellt die OECD fest, dass sich das Produktivitätswachstum stark auf einzelne Branchen wie die Pharmaindustrie und die Präzisionsfertigung stützt. Um die Wirtschaft breiter voranzubringen, empfiehlt sie mehr Wettbewerb, insbesondere im Energiesektor, sowie weniger administrative Hürden. Auch sechs Studien des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) vom Januar 2026 untersuchen die Wettbewerbsbedingungen. Ihr Befund: Insgesamt funktioniert der Wettbewerb gut, doch in einzelnen regulierten Märkten bestehen Schwächen. Für Industriebetriebe beeinflusst dies die Kosten und damit den Spielraum für Investitionen.
Wer investiert, braucht Sicherheit
Neben Energie und Kapital entscheidet die Verfügbarkeit von Fachkräften darüber, ob Unternehmen wachsen können. Ebenso wichtig sind leistungsfähige Verkehrswege und belastbare Lieferketten. Exportbetriebe müssen sich darauf verlassen können, dass Vorprodukte rechtzeitig eintreffen und ihre Waren internationale Kundinnen und Kunden erreichen. Unsichere Handelsbeziehungen oder langwierige Bewilligungsverfahren erschweren langfristige Entscheidungen. Deshalb reicht es nicht, bestehende Standortvorteile zu verwalten. Die Schweiz muss Hindernisse abbauen und den Zugang zu wichtigen Absatzmärkten sichern.
Dabei geht es nicht darum, jede Produktion um jeden Preis im Land zu halten. Entscheidend ist, dass Unternehmen hier auch künftig aus eigener Kraft wettbewerbsfähig arbeiten können. Ob neue Anlagen entstehen oder bestehende Werke ausgebaut werden, hängt von einer nüchternen Rechnung ab. Je mehr unnötige Kosten und Unsicherheiten der Standort verursacht, desto schwerer fällt sie zugunsten der Schweiz aus.
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