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Gesundheit Kinder

Mädchen vor, noch ein Tor

12.05.2022
von SMA

Mädchen – aber nicht Jungen –, die in der Kindheit aktiv am Schulsport teilnehmen, zeigen gemäss einer kanadischen Studie in der frühen Jugend ein besseres Verhalten und eine höhere Aufmerksamkeit.

Mädchen, die zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr regelmässig ausserschulischen Sport treiben, zeigen im Alter von zwölf Jahren weniger Symptome einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) als Mädchen, die nur selten Sport treiben.

Dies sagt jedenfalls Linda Pagani, Professorin an der School of Psychoeducation der Université de Montréal. «Überraschenderweise scheinen Jungen jedoch keinen Verhaltensvorteil aus einer anhaltenden sportlichen Betätigung in der Kindheit zu ziehen», so Pagani, welche die Studie gemeinsam mit der ausserordentlichen Medizinprofessorin Tracie Barnett von der McGill University leitete.

Als das Team seine Forschung vorbereitete, «war unklar, inwieweit organisierte körperliche Aktivität für Kinder mit ADHS-Symptomen von Vorteil ist», erinnert sich Pagani. «Frühere Studien waren von sehr unterschiedlicher Qualität, sodass der tatsächliche Zusammenhang zwischen Sport und Verhaltensentwicklung unklar ist.

Ausserdem hat die bisherige Forschung nicht berücksichtigt, dass sich Jungen und Mädchen in der Art und Weise, wie sie ADHS-Symptome zeigen, unterscheiden.»

Eine Chance, sich zu organisieren

ADHS beeinträchtigt die Fähigkeit von Kindern, Informationen zu verarbeiten und in der Schule zu lernen. Sport hilft jungen Menschen, Lebenskompetenzen und unterstützende Beziehungen zu Gleichaltrigen und Erwachsenen zu entwickeln. Er bietet die Möglichkeit, sich unter dem Einfluss oder der Aufsicht von Erwachsenen zu organisieren.

«Aus gesundheitspolitischer Sicht hat der ausserschulische Sport das Potenzial, ein positiver, nicht stigmatisierender und engagierter Ansatz zur Förderung des psychischen Wohlbefindens zu sein und könnte daher als Verhaltenstherapie für Jugendliche mit ADHS betrachtet werden», so Pagani. «Sport ist besonders vorteilhaft, wenn er in der frühen Kindheit beginnt. Da der Einsatz von Konzentration und zwischenmenschlichen Fähigkeiten wesentliche Elemente des Sports sind, haben wir in unserer Studie untersucht, ob er langfristig zu einer Verringerung der ADHS-Symptome führen würde.»

Bei Mädchen hingegen bleibt ADHS eher unentdeckt – und die Schwierigkeiten der Mädchen werden zu Hause und in der Schule vielleicht sogar noch mehr toleriert.

Erste Verhaltensanalyse

Pagani und ihr Team kamen zu ihren Schlussfolgerungen, nachdem sie die Daten einer Quebecer Kohorte von 1997 und 1998 geborenen Kindern untersucht hatten, die Teil der vom Institut de la statistique du Québec koordinierten Quebecer Längsschnittstudie zur Kindesentwicklung war.

Die Eltern der 991 Mädchen und 1006 Jungen, die an der Studie teilnahmen, gaben an, ob ihre Söhne und Töchter im Alter von 6 bis 10 Jahren an einer ausserschulischen körperlichen Aktivität teilnahmen, für die ein Trainer oder Betreuer erforderlich war. Im Alter von zwölf Jahren bewerteten die Lehrer das Verhalten der Kinder im Vergleich zu ihren Klassenkameraden.

Paganis Team analysierte dann die Daten, um einen signifikanten Zusammenhang zwischen anhaltender Teilnahme und späteren ADHS-Symptomen festzustellen, wobei viele mögliche Störfaktoren ausgeschlossen wurden. «Unser Ziel war es, alle Vorerkrankungen der Kinder oder Familien auszuschliessen, die unsere Ergebnisse in ein anderes Licht rücken könnten», so Pagani.

Jungs sind impulsiver

Warum profitieren Mädchen mit ADHS von Sport, aber nicht Jungs? «In der Kindheit sind Jungs mit ADHS impulsiver und motorisch geschickter als Mädchen – infolgedessen erhalten Jungs mit grösserer Wahrscheinlichkeit Medikamente gegen ihre ADHS, sodass eine schnellere Diagnose und Behandlung für Jungs in der Kindheit die nachweisbaren Vorteile von Sport verringern könnte», sagte Pagani.

«Sie könnten vorhanden sein, sie sind nur schwieriger herauszufinden. Bei Mädchen hingegen bleibt ADHS eher unentdeckt – und die Schwierigkeiten der Mädchen werden zu Hause und in der Schule vielleicht sogar noch mehr toleriert.

Eltern von Jungs könnten hingegen eher geneigt sein, sie zu Sport und anderen körperlichen Aktivitäten anzumelden, um ihnen zu helfen. Wir wissen, dass sportliche Aktivitäten zahlreiche weitere Vorteile für die psychische Gesundheit aller Kinder haben. Zur Verringerung der ADHS-Symptome scheint Sport in der Grundschule für Mädchen jedoch relevanter zu sein.»

Nützliche soziale Fähigkeiten

Deshalb könnten strukturierte ausserschulische Aktivitäten, die körperliche Fähigkeiten und Anstrengungen unter der Aufsicht eines Trainers oder Lehrers erfordern, für jede öffentliche Politik zur Förderung der Verhaltensentwicklung wertvoll sein, so die Forschenden aus Montréal.

Pagani fasst wie folgt zusammen: «Sportliche Aktivitäten in der frühen Kindheit können Mädchen dabei helfen, wichtige soziale Fähigkeiten zu entwickeln, die später nützlich sein werden und letztlich eine Schlüsselrolle für ihren persönlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Erfolg spielen». Dass sportliche Aktivitäten in jedem Fall vorteilhaft sind, versteht sich dabei von selbst.

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