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Künstliche Intelligenz Schweiz Gesundheit

Von der Forschung in die Praxis: Wie Gesundheitsinnovationen erfolgreich werden

28.10.2026
von SMA

Innovative Ideen bringen die Gesundheitsversorgung voran. Doch von der Idee bis zum marktreifen Produkt ist der Weg lang und herausfordernd. Förderprogramme können einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg leisten.

Eine gute Idee ist entscheidend, doch sie allein verändert noch kein Gesundheitssystem. Zwischen einer wissenschaftlichen Erkenntnis, einem funktionierenden Prototyp und einer Innovation, die tatsächlich bei Patient:innen ankommt, liegen zahlreiche Hürden. Gerade im Gesundheitswesen ist der Weg von der Forschung in die Versorgung lang: Technologien müssen klinisch validiert werden, regulatorische Anforderungen erfüllen und sich in bestehende Abläufe integrieren lassen. Gleichzeitig brauchen junge Unternehmen Zugang zu Kapital, Fachwissen und den richtigen Partnern.

Die Schweiz bringt für diesen Prozess gute Voraussetzungen mit. Von der ETH Zürich und der EPFL bis zu den Universitäten Zürich, Basel, Bern und Lausanne verfügt die Schweiz über eine dichte Forschungslandschaft in Medizin, Life-Sciences und Technologie. Hinzukommen eine starke Life-Sciences-Industrie, innovative Spitäler und ein leistungsfähiger Gesundheitssektor. Dennoch gelingt es nicht immer, aus wissenschaftlichem Know-how auch erfolgreiche Produkte und Anwendungen für den Versorgungsalltag zu machen. Eine der entscheidenden Fragen für die Zukunft lautet deshalb: Wie lässt sich die Lücke zwischen Innovation und Umsetzung schliessen?

Vom Forschungsergebnis zur klinischen Anwendung
Der erste Schritt einer Gesundheitsinnovation entsteht häufig in der Forschung. Neue Erkenntnisse über Krankheiten, Diagnostik oder Therapie bilden die Grundlage für Technologien, die eines Tages die Versorgung verbessern könnten. Eine Technologie muss aber nicht nur funktionieren, sondern auch einen nachweisbaren Nutzen für die Gesundheitsversorgung bieten. Dafür braucht es klinische Daten und Evidenz. Gleichzeitig müssen Datenschutz, Medizinprodukterecht und weitere regulatorische Vorgaben berücksichtigt werden. Hinzu kommt die Frage, wie sich eine neue Lösung in die bestehenden Prozesse von Spitälern, Arztpraxen oder anderen Leistungserbringern integrieren lässt.

Für Start-ups ist das eine besondere Herausforderung. Sie verfügen häufig über technologische Kompetenz und innovative Ideen, aber nicht über die Ressourcen und Netzwerke etablierter Unternehmen. Und die sind fast unvermeidbar, denn eine grundsätzlich funktionierende Idee ist eine Sache, aber daraus ein marktreifes Produkt zu entwickeln, eine andere.

Die schwierigste Phase beginnt oft nach dem Prototyp
Gerade die sogenannte Skalierungsphase kann für junge Healthtech-Unternehmen zum kritischen Punkt werden. Einer der Gründe dafür ist die Finanzierung. Die Entwicklung medizinischer Technologien ist kapitalintensiv und dauert oft länger als in anderen Branchen. Investitionen müssen über Jahre getragen werden, bevor sich ein Produkt am Markt etabliert. Gleichzeitig benötigen Start-ups Zugang zu klinischem Know-how, Testumgebungen und Partnern, die ihre Lösungen unter realen Bedingungen erproben können.

Auch der Marktzugang ist komplex. Im Gesundheitswesen entscheiden nicht nur die Patient:innen über die Nutzung einer Innovation. Je nach Anwendung sind Ärzt:innen, Spitäler, Versicherer, Behörden und weitere Akteure beteiligt. Was technisch möglich ist, muss deshalb auch organisatorisch, wirtschaftlich und regulatorisch funktionieren.

Wie vielfältig die Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien sind, zeigen aktuelle Entwicklungen. Künstliche Intelligenz wird beispielsweise eingesetzt, um medizinische Bilddaten zusätzlich auszuwerten. Algorithmen können dabei Informationen erkennen, die bei einer herkömmlichen Auswertung möglicherweise nicht im Fokus stehen. Andere digitale Anwendungen setzen bei der Therapie an und versuchen, Verhaltensänderungen oder den Umgang mit chronischen Beschwerden zu unterstützen.

Innovation entsteht nicht im Alleingang
Damit aus solchen Ansätzen funktionierende Anwendungen werden, braucht es ein Ökosystem. Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt der Zusammenarbeit. Wenn unterschiedliche Akteure erst dann zusammenkommen, wenn ein Produkt bereits fertig entwickelt ist, können wichtige Anforderungen übersehen worden sein. Erfolgversprechender ist es, potenzielle Anwender und weitere Partner früh in den Entwicklungsprozess einzubeziehen.

Fördermodelle können dabei eine entscheidende Funktion übernehmen. Sie können jungen Unternehmen nicht nur finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, sondern Zugang zu einem breiten Netzwerk aus Expert:innen, Forschung, Versorgung und Wirtschaft ermöglichen. Gerade für Start-ups, die sich an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesundheitswesen bewegen, kann dieser Zugang entscheidend sein.

Die Schweiz braucht mehr als gute Forschung
Für die Schweiz ergibt sich daraus eine doppelte Aufgabe. Zum einen gilt es, die bestehenden Stärken in Forschung und Life-Sciences zu erhalten und weiter auszubauen. Zum anderen müssen die Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen besser funktionieren. Dazu gehören geeignete Finanzierungsmodelle und Förderprogramme wie der Future Health Grant, ebenso wie klare regulatorische Rahmenbedingungen, Zugang zu klinischen Daten und Testumgebungen sowie bessere Möglichkeiten für Kooperationen. Die Geschwindigkeit technologischer Entwicklung macht diese Aufgaben dringlicher. Künstliche Intelligenz, personalisierte Medizin, digitale Diagnostik und neue datenbasierte Therapien verändern bereits heute die Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung. Entscheidend wird jedoch nicht sein, wie viele Innovationen die Schweiz hervorbringt, sondern wie viele davon den Weg aus dem Labor in die Praxis schaffen.

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