Sternenhimmel, Sternschnuppe
Winter

Funkelnde Sternschnuppen und andere Himmelskörper

27.11.2021
von Severin Beerli

Die Winterzeit lockt mit vielen Versuchungen. Schnee und Weihnachtsgebäck lassen so einige nostalgisch schwelgen. Ein weiteres Highlight im Winter sind aber auch die klaren Nächte, welche zum Beobachten von Sternen und Sternschnuppen einladen. Bei all den Gestirnen verliert man aber schnell den Überblick und fragt sich: Was ist eigentlich eine Sternschnuppe, was ein Asteroid und was ein Komet? «Fokus» klärt auf.

Der Name Sternschnuppe stammt noch aus der Zeit vor der Elektrizität. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert spendeten Kerzen Licht, um zu dunklen Abendstunden die Räumlichkeiten zu erhellen. Als Schnuppe wurde der mit der Schere oben gekürzte glühende Docht einer brennenden Kerze bezeichnet. Funkensprühend fiel dieser nach dem Abschneiden in die Kerzenschale. Ein passender Name also für das, was alljährlich immer wieder am Himmel beobachtet werden kann.

Kleine Weltraumkunde

Der wissenschaftliche Fachbegriff für Sternschnuppe ist Meteor. Dieser sorgt umgangssprachlich vor allem in Abgrenzung zu Meteoriten, Asteroiden und Kometen immer wieder für Verwirrung. Der Schweizer Astronom und Publizist Markus Griesser von der Sternwarte Eschenberg in Winterthur erklärt die Unterschiede: «Kometen gelten als ‹schmutzige Schneebälle›, das heisst, in ihren Körpern mischen sich gefrorene Gase, also Eis, mit festem Material. In Sonnennähe tauen diese auf und es bildet sich in weitem Umkreis eine Dunstglocke, aus der Gas- und Staubteilchen aufgrund des Strahlungsdrucks der Sonne wegfliegen. Sie bilden so den oft Millionen von Kilometern langen Kometenschweif und können ein eindrucksvolles Schauspiel am Firmament bieten.»

Und was sind Asteroiden?

Auch der Unterschied von Meteoren zu Asteroiden ist frappant. Markus Griesser: «Asteroiden sind kosmische Kleinkörper von meist nur wenigen Kilometern Grösse, die auf langgezogenen Bahnen die Sonne umkreisen. Asteroiden, oft auch Kleinplaneten oder auch Planetoiden genannt, sind tote Steinbrocken, die grösstenteils zwischen Mars und Jupiter unterwegs sind.» Zurzeit sind der Wissenschaft über eine Million Asteroiden bekannt. Markus Griesser hat eine beträchtliche Zahl davon selbst beobachtet: «Zehn davon habe ich auf dem Eschenberg entdeckt und nach der Bahnbestimmung dann auch benennen dürfen. Stolz bin ich vor allem auf unsere himmlische (113390) ‹Helvetia›.»

Meteore, Meteoriten und Meteoroiden

So weit so gut, aber was sind denn nun Sternschnuppen, also Meteore, und wie entstehen sie? Meteore sind Leuchterscheinungen. Sie treten vor allem dann in Erscheinung, wenn Meteoroiden in die Erdatmosphäre eindringen. Letztere sind grundsätzlich das Gleiche wie ein Asteroid, einfach viel kleiner. Was von Meteoroiden den Erdboden erreicht, wird dann als Meteorit bezeichnet. Die auftretenden Leuchterscheinungen, die Meteore, entstehen durch Teilchen von Meteoroiden, welche in der Atmosphäre durch Reibung die Luft zum Leuchten bringen und dabei verglühen.

Leuchterscheinungen sind regelmässig zu sehen

Mehrmals im Jahr lassen sich wiederholt ganze Schauer solcher Meteore von der Erde aus beobachten. Dass diese Meteorschauer jedes Jahr um die gleiche Zeit auftreten, hat einen Grund: «Die Erde durchfliegt auf ihrem Sonnenumlauf mehrmals pro Jahr die Trümmerschleppen von Kometen, die sich im Laufe von Jahrtausenden entlang ihrer Bahn gebildet haben. Die meist nur sehr kleinen, vielleicht kirschsteingrossen Partikel, schiessen dabei mit sehr hohen Geschwindigkeiten in die irdische Lufthülle ein und lösen dort im physikalischen Wechselspiel mit den Luftmolekülen in einem Umkreis von mehreren Metern entlang der Einschussbahn die Lichterscheinung aus. Durch die hohe Reibungswärme verdampft das auslösende Kometenteilchen in noch grosser Höhe», erklärt Griesser. Mit einem Stern haben Sternschnuppen also nichts zu tun.

 Geminiden sind ein Winterhighlight

Im Winter findet einer der bekanntesten und auch intensivsten Meteorschauer statt: Die Geminiden. Der Meteorschauer lässt sich zwischen dem 6. und 16. Dezember beobachten. Griesser weiss: «Ihr Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild der Zwillinge, das jeweils abends im Dezember im Osten aufgeht. Daher auch ihr Name. Im Maximum, das jeweils in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember eintritt, sind bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde sichtbar.» Da die Sternschnuppen über das ganze Firmament verteilt sind, sehen wir nur einen Bruchteil davon. Für die Weihnachtszeit bietet der Meteorschauer aber Mitte Dezember pünktlich die passende Stimmung.

Wie Sternschnuppen beobachten?

Am besten Sternschnuppengucken lässt es sich von einem erhöhten Beobachtungsstandort. Empfehlenswert ist es auch, möglichst weit weg von störenden, irdischen Lichtern zu gehen. Griesser hat noch weitere Geheimtipps: «Am besten legt man sich auf eine Decke oder auf ein Liegebett, deckt sich gut zu und blickt nach oben. Wo auch immer eine Sternschnuppe am Firmament niedergeht, liegend hat man gute Chancen sie zu sehen.» Wichtig dabei ist, dass man bei aller Gemütlichkeit nicht dem Schlaf verfällt. «Wer sich zu wohlig in eine Decke oder den Schlafsack kuschelt, setzt sich der Gefahr aus, dass er oder sie in Orpheus’ Armen versinkt. Wer schläft, sündigt zwar nicht, – sieht aber auch keine Sternschnuppen.»  

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