MyBluePlanet ist ein gemeinnütziger Verein aus Winterthur, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, Menschen in der Schweiz zu aktivieren, sich für den konkreten Klimaschutz einzusetzen. Mit seinem Programm ClimateActions 4 Companies nimmt es Unternehmen in den Blick und schafft zusammen mit den Mitarbeitenden zukunftsorientierte Massnahmen, die Spass machen.

Rahel Guggenbühl
Programmleiterin ClimateActions 4 Companies
Frau Guggenbühl, Ziel Ihres Employee-Engagements ist die Reduzierung von Emissionen in Unternehmen. Um welche Bereiche geht es dabei?
Entsprechend klimapolitischen Kategorien bemessen Unternehmen ihre Treibhausgasemissionen nach Scopes. Scope 1 und 2 umfassen direkte und indirekte Emissionen, die auf den Energieverbrauch des Unternehmens zurückzuführen sind. Scope-3-Emissionen lassen sich schwerer messen.
Einen grossen Faktor in diesem Bereich stellen die Mitarbeitenden und ihr Verhalten im Privatbereich, vor allem aber im Unternehmensumfeld dar. Zunächst stellt sich die Frage des Arbeitswegs. Später geht es um das Mittagessen und den Umgang mit Abfall. Strom und Wasser prägen den gesamten Arbeitstag. Ein weiterer Bereich ist der Ressourcenverbrauch bei Anschaffungen für das Unternehmen.
Wie kommt MyBluePlanet dabei ins Spiel?
Mit ClimateActions 4 Companies unterstützen wir insbesondere KMU und Tourismusbetriebe dabei, ihre Klimastrategie in konkrete Massnahmen zu übersetzen. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden betrachten wir relevante Handlungsfelder und identifizieren sowohl im betrieblichen Alltag als auch in den Abläufen und Strukturen des Unternehmens konkrete Verbesserungspotenziale. Daraus entwickeln wir konkrete ClimateActions, die zum Betrieb passen und langfristig umgesetzt werden können.
Wie ist das Programm konkret gestaltet?
Es handelt sich um ein Dreijahresprogramm und mehr als 100 Betriebe machen bereits mit. Auf der ersten Ebene geht es vor allem um Information und die Begeisterung für konkrete Aktionen. In Grundlagenworkshops befassen wir uns allgemein mit dem Thema CO2. Andere Workshopformate gehen stärker auf die Möglichkeiten des Employee-Engagements ein. Dabei fokussiert sich jeder Workshop auf ein spezifisches Thema der übergreifenden Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens, etwa Energie, Abfall, Wasser, Beschaffung oder Mobilität. Im Lauf der Zusammenarbeit planen die Mitarbeitenden selbst eine Initiative und realisieren diese im Unternehmen. Was die Mitarbeitenden einbringen, wird eher umgesetzt als top-down installierte Massnahmen.
Dafür muss das Unternehmen aber erst einmal eine Nachhaltigkeitsstrategie auf Ebene der Mitarbeitenden entwickeln. Woher bekommen Geschäftsführungen hierfür die notwendige Datengrundlage?
Für Tourismusbetriebe haben wir ein E-Learning entwickelt, währenddessen sich die Mitarbeitenden mit ihren Möglichkeiten auseinandersetzen, in Bereichen wie Zimmer, Küche oder Empfang nachhaltig zu handeln. Einerseits dient es dazu, die Mitarbeitenden zu informieren. Andererseits ist es ein gutes Management-Tool. Auf dieser Basis lässt sich einschätzen, wo die Mitarbeitenden in Bezug auf ihr Klimawissen stehen.
Wie bewegen Sie die Mitarbeitenden dazu, sich zu engagieren?
Innerhalb unseres Programms bieten wir Corporate-Volunteering-Events an, während derer die Mitarbeitenden etwas Gemeinnütziges tun, um sich der Thematik anzunähern. Beispielsweise starten wir Baumpflanzaktionen oder Cleaning-Events, bei denen die Mitarbeitenden in der Stadt oder im Wald Müll einsammeln. Diese ersten Aktionen generieren Selbstinitiativen innerhalb der Abteilungen, Mitarbeitende erhalten eine zusätzliche Plattform und die Mitarbeiterzufriedenheit steigt markant.
Auch digitale Tools mit Gamification-Approach dienen als Anreiz. Unsere App nutzen die Mitarbeitenden, um in verschiedenen Challenges in Teams gegeneinander anzutreten. Dabei geht es darum, kleine Aktionen zu absolvieren und in der App abzuhaken, zum Beispiel kurz und kühl zu duschen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder abends den Laptop auszuschalten. Auf diese Weise sammeln die Teams Punkte. Das Unternehmen kann hier Anreize schaffen, indem es Kampagnen über begrenzte Zeiträume fährt und die Teams mit den meisten Punkten anschliessend beschenkt.
Wie stellen Sie sicher, dass es nicht bei einem einmaligen Spiel bleibt?
Im Rahmen des Programms definieren wir mit dem betreffenden Unternehmen jeweils ein jährliches Ziel. Das bietet dem Betrieb die Möglichkeit, seine Mitarbeitenden auf die Reise mitzunehmen. Beispielsweise könnte das Jahresziel lauten, die Emissionen im Mobilitätsbereich zu halbieren. Schritt für Schritt nähert man sich so dem Gesamtziel an.
Wichtig ist, ein Core-Team in der Firma zu installieren, das die Ziele weiterverfolgt und die Kolleg:innen mitzieht. Nach der Ideensammlung und der Umsetzung der Ideen kommt die Implementierung. Anschliessend braucht es ein Monitoring, um nicht in alte Muster zurückzufallen.
Einmal betriebswirtschaftlich betrachtet: Warum sollte ein Unternehmen das Employee-Engagement im eigenen Haus fördern?
Mitarbeitendenengagement hat Überschneidungen mit dem Teambuilding. Es dient der Teamkultur und daraus folgend der Unternehmenskultur. Gleichzeitig suchen potenzielle Mitarbeitende häufig gezielt nach Unternehmen, die im Nachhaltigkeitsbereich aktiv sind. Ein weiteres Thema ist die Nachweispflicht gegenüber staatlichen Institutionen.
Da die Bilanzierung öffentlich einsehbar ist, stellt sie einen wesentlichen Faktor im Bereich der Kommunikation dar. Die Wahrnehmung von aussen und innen ist nicht zu vernachlässigen.
Interview Pia Soldan
Weitere Informationen unter:
myblueplanet.ch
Die MyBluePlanet-Mission:
«Wir inspirieren, aktivieren und engagieren Menschen und Organisationen in der Schweiz, sich konkret für den Klimaschutz einzusetzen.»
Die MyBluePlanet-Vision:
«Wir engagieren uns für eine Schweiz, die vorausgeht, in der 2040 nachhaltiges Handeln selbstverständlich ist und 2050 Netto-Null-Emissionen Realität sind.»

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