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25 Oktober 2020

Wenn Vorgesetzte ins Fettnäpfchen treten.

Fehler sind menschlich und sogar die Big Bosse machen ab und an welche. Die gute Nachricht: Die meisten Fehler lassen sich vermeiden. Aber wie?

In der Schweiz haben die meisten Einwohner eine Arbeitsstelle. Laut Statista Schweiz liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 2,4 Prozent und ist somit im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent gesunken. Diese positiven Zahlen sagen allerdings nichts über die Zufriedenheit der Angestellten aus. Denn Arbeiten ist ein fester Bestandteil unserer Kultur; sei es wegen des Gehalts oder der gesellschaftlichen Anerkennung. Hört man sich bei seinen Mitarbeitenden und Bekannten um, scheint auch das Klagen über den Arbeitgeber dazuzugehören.

Die Balance zwischen Lob und Kritik

Meistens gelten die unschönen Worte nicht etwa der Arbeit an sich, sondern dem Vorgesetzten persönlich. Blöderweise ist das genau die Person, bei der Frau und Herr Schweizer einen guten Eindruck machen möchten und sich lieber still aufregen, anstatt das Gespräch zu suchen. Doch auch umgekehrt scheint die Kommunikation öfters zu kurz zu kommen. So beklagen sich viele Arbeitnehmer darüber, dass sie nie oder nur selten Lob bekommen. Arbeitgeber sollten wissen, dass nichts auszusetzen, keineswegs dasselbe wie ein «Das haben Sie gut gemacht!» ist. Wenn der Angestellte keine Rückmeldung auf die Arbeit erhält, hat der Vorgesetzte wohl nichts zu bemängeln – motivieren tut das Schweigen aber nicht.

Konfliktscheue darf keine Chefsache sein

Gute Arbeitgeber sollten aber nicht nur wegen Lob und Kritik das Gespräch zu ihren Arbeitnehmern suchen. Viele unzufriedene Mitarbeiter klagen gerade bei sehr freundlichen Vorgesetzten über Konfliktscheue. Wenn dieser beinahe jedem Konflikt aus dem Weg geht, fühlen sich die Mitarbeiter im Stich gelassen. «Sie sollten genug alt sein, um diese Probleme untereinander zu lösen», lautet oftmals die Rechtfertigung der Vorgesetzten. Doch so harmlos eine Streiterei auch scheinen mag, sie kann zu ernsthaften Konsequenzen führen. Die Rede ist von Burnouts, Depressionen und Kündigungen. Das kann zu hohen Kosten für die Firma und zu einem schlechten Ruf führen. Angestellte schätzen es, wenn sich der Vorgesetzte mit Konflikten auseinandersetzt. Im Gegenzug dafür lernt er sein Team besser kennen und gewinnt dessen Vertrauen.

In der Regel sind Mitarbeiter hoch motiviert, wenn sie einen neuen Job beginnen. Insofern sollten Vorgesetzte primär darauf achten, Mitarbeiter nicht zu demotivieren.

Dr. Martin Kleinmann, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie am Psychologischen Institut der Universität Zürich
Unterforderung kann zu Kündigungen führen

Wer seinen Angestellten zu wenig zutraut, stösst ebenfalls auf Kritik. Die Mitarbeiter fühlen sich überwacht und werden von Zeit zu Zeit demotivierter. Wenn sowieso alles kontrolliert wird, wieso sollte man sich dann überhaupt noch Mühe geben? «Ich bin total unterfordert», beklagen sich viele mit einem Vorgesetzten dieser Art. Wenn Angestellte nicht genug gefordert sind, tendieren sie dazu, schlechter zu arbeiten. Und gerade jene, welche eigentlich Vollgas geben möchten aber nicht können, suchen früher oder später eine neue Arbeitsstelle. Manchmal führt nicht nur die «Ich-mache-alles-selber-Einstellung» des Chefs zur Unterforderung der Mitarbeiter, sondern die Tatsache, dass es einfach nicht mehr Arbeit gibt. In solchen Fällen haben Vorgesetzte zwei Möglichkeiten: Entweder sie offerieren eine neue Arbeitsstelle mit neuen Herausforderungen, oder sie belassen es so und rechnen damit, dass der Unterforderte sich eine neue Stelle sucht.

Gründe zum Beschweren gibt es immer

Ein Vorgesetzter sollte also dankbar sein, sich mit Problemen auseinandersetzen und sein Team genügend fordern, wobei er trotzdem immer als Chef und nicht als Arbeitskollege gesehen werden sollte. Ist das Verhältnis zu kollegial, treten andere Schwierigkeiten auf, die auch rechtlich gesehen nicht haltbar sind. Wenn beispielsweise zwei Gleichgestellte nicht sonderlich gut miteinander klarkommen und sich deshalb aus dem Weg gehen oder gelegentlich mal einen Spruch fallen lassen, ist das unangenehm aber grundsätzlich legitim. Eine Führungsperson hingegen, die ihre Mitarbeiter wie Luft behandelt oder gar verbal angreift, betreibt Mobbing. Sie ist demnach verpflichtet, mit jeder einzelnen Person im Team respektvoll umzugehen. Das fördert das Arbeitsklima und sorgt für einen rücksichtsvolleren Umgang unter den Gleichgestellten.

Gesundes Arbeitsklima beeinflussen

Selbst wenn eine Führungsperson alle erwähnten Punkte richtig umsetzt, wird es Leute geben, die sich beklagen. Irgendetwas gibt es immer, das sich verbessern lassen würde: Sei es der Kaffee, die Arbeitszeiten oder die zu unbequemen Bürostühle. Die Arbeitsatmosphäre leidet extrem unter solchen jammernden Mitarbeitern und verleitet die bis anhin positiv eingestellten in das gleiche Schema zu verfallen. Eine erfolgreiche Methode, dieser Abwärtsspirale vorzubeugen, besteht darin, die Freude an der Arbeit der gesamten Belegschaft wieder zum Leben zu erwecken. Noch besser wäre, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Dr. Martin Kleinmann, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie am Psychologischen Institut der Universität Zürich, hat zu dem Thema eine klare Meinung: «In der Regel sind Mitarbeiter hoch motiviert, wenn sie einen neuen Job beginnen. Insofern sollten Vorgesetzte primär darauf achten, Mitarbeiter nicht zu demotivieren.»

Gemäss einer Studie des Personaldienstleisters Robert Half ist es für die Schweizer essentiell, ehrlich wertgeschätzt zu werden. Mit ehrlicher Wertschätzung ist gemeint, dass die Angestellten nicht nur nette Worte, sondern auch konstruktive und regelmässige Feedbacks von ihrem Vorgesetzten erhalten. Es ist wichtig, dass Mitarbeiter die Möglichkeit haben, Erfolgserlebnisse zu geniessen. Dies können sie nur erleben, wenn sie genaue Zielvorstellungen haben und an diesen arbeiten dürfen. Das gibt den Arbeitenden ein besseres Gefühl und die Führungsperson erhält zufriedenstellende Ergebnisse.

Text: Michelle Christen

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