Due-Diligence-Prozesse lassen sich mit KI massiv beschleunigen und verbessern
Große, internationale Kanzleien nutzen KI bereits intensiv. Dr. Katy Ritzmann und Dr. Jens Uwe Rügenhagen, Rechtsanwälte bei GSK Stockmann, erläutern, wie ihre Kanzlei ihr eigenes KI-Tool einsetzt – und warum ihre Mandanten von schnelleren Ergebnissen und exakteren Analysen und Prüfungen profitieren.
Frau Dr. Ritzmann, Herr Dr. Rügenhagen, Sie haben ein eigenes digitales Workflow-Tool für Due-Diligence-Prozesse für M&A, Private Equity, Venture-Capital sowie Real-Estate-Transaktionen entwickelt. Können Sie das Tool kurz vorstellen?
Wir haben in unserer Kanzlei sehr frühzeitig eine KI-Strategie entwickelt und setzen KI insbesondere im Due-Diligence-Prozess ein. Dabei wird der gesamte Prozess von Anfang bis Ende neu gedacht und durch KI unterstützt. Die zentralen Entscheidungen trifft aber weiterhin der menschliche Prüfer.
Die KI unterstützt die inhaltliche Prüfung der Dokumente, identifiziert Risiken und gibt Handlungsempfehlungen. Parallel wird auch die Erstellung des Reports KI-gestützt. Die Kanzlei hat hierfür ein eigenes Tool und einen Workflow-Workspace aufgebaut, gemeinsam mit Legal Engineers und unter Nutzung der Plattform von Harvey.
Inwiefern beschleunigt das Tool die umfassenden Prüfungen bei diesen Transaktionen?
In unserer derzeitigen Anfangsphase sparen wir bereits 15 bis 20 Prozent Zeit ein. Zukünftig erwarten wir eine Beschleunigung um mindestens 50 Prozent. Dabei geht es uns nicht nur um Geschwindigkeit, auch Qualität, Tiefe und Vollständigkeit der Prüfung werden deutlich verbessert. Unseren juristischen Sachverstand setzen wir dort ein, wo die KI ihn nicht ersetzen kann.
Müssen Kanzleien heute auch Softwareexperten sein?
Sie müssen definitiv Softwareexperten haben, wenn sie auf einem relevanten Level mitspielen wollen. Tools von der Stange stoßen schnell an ihre Grenzen, Applikationen müssen individuell angepasst werden und miteinander interagieren. Dafür brauchen wir Software-Expert:innen und idealerweise Legal Engineers mit juristischem Sachverstand. Dieses Berufsfeld gewinnt in Kanzleien zunehmend an Bedeutung. Um unsere Mitarbeitenden zu befähigen, haben wir einen »digitalen Führerschein« eingeführt, den nicht nur Anwältinnen und Anwälte, sondern sämtliche Mitarbeitende absolvieren. Die Resonanz ist überwältigend und nahezu alle Anwälte setzen KI in der Mandatsarbeit ein.
Wie wird man Legal Engineer?
Oft entstehen Legal Engineers aus Jurist:innen, die sich zusätzlich in Richtung Softwareentwicklung weiterentwickeln. Gleichzeitig gibt es inzwischen auch erste Hochschulen, die hierfür Master-Programme anbieten. Legal Prompting sehen wir als zentrale Kernkompetenz in der Ausbildung.
Können interessierte Kanzleien Ihr Tool käuflich erwerben?
Wir sind und bleiben eine Anwaltskanzlei und kein Softwareunternehmen. Wir wollen Trusted Advisor für unsere Mandanten sein und vergeben deshalb keine Lizenzen. Allerdings teilen wir unsere Erfahrungen gerne: Seit unsere Case-Study öffentlich wurde, erhalten wir großes Interesse aus dem Kanzleimarkt.
Wobei hat Ihnen Ihr Tool am meisten geholfen?
KI hat uns in der Mandatsarbeit klar vorangebracht: So konnten wir aktuell bei einem Mandat über 400 Verträge in sehr kurzer Zeit wirtschaftlich prüfen, was händisch so nicht machbar gewesen wäre. Der Einsatz von KI ist daher fester Teil unserer Strategie und wird zunehmend auch von Mandanten erwartet.
Weitere Informationen unter gsk.de


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