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18 Februar 2020

Die Cloud-Giganten buhlen um den Schweizer Markt.

Was vor einigen Jahren noch als progressiv galt, ist heute in immer mehr Schweizer Unternehmen Usus: die Nutzung von Cloudcomputing-Services.  Mittlerweile kämpfen auch die ganz grossen Anbieter wie Amazon, Microsoft, Google oder IBM um die Vormachtstellung im hiesigen Datenwolken-Markt. Kein Wunder – schliesslich geht es um Milliarden.

Lange Zeit stellte der betriebseigene Server für viele Unternehmen quasi das digitale Äquivalent zum Haussafe dar; statt Geld waren darin einfach die sensiblen und relevanten Firmendaten untergebracht. Erst mit dem Einzug des Cloudzeitalters vor einigen Jahren wurde diese Maxime in Frage gestellt und Unternehmensinformationen nicht mehr nur «inhouse» gespeichert, sondern vermehrt auch in der Datenwolke abgelegt. Der Siegenzug des Cloudcomputings in der Schweiz ist für viele Marktbeobachter darum nicht nur eine technische Revolution, sondern ebenso eine kulturelle. Auch wenn dieses Umdenken hierzulande etwas mehr Zeit in Anspruch nahm als zum Beispiel in Deutschland oder England. Dort nämlich setzen selbst grosse Konzerne seit zwei oder drei Jahren primär auf Cloudcomputing, während man in der Schweiz in vielen Grossunternehmen erst jetzt soweit ist. Und bei diesem Schritt geht es längst nicht mehr nur darum, Daten extern zu lagern, sondern vielmehr um das Outsourcing aufwendiger, komplexer Rechenprozesse und IoT-Anwendungen.

Nun, da die hiesigen Grossunternehmen nachziehen, ist der Cloud-Markt «Schweiz» sehr attraktiv geworden für diejenigen, welche die entsprechende Technologie bereitstellen können. In einem aktuellen Beitrag zum Thema schreibt die «Handelszeitung»: «Dass Amazon Web Services (AWS) hier ansiedelt, zeigt: Auch in der Schweiz lässt sich mit der Wolke gutes Geld verdienen.» Amazon Web Services ist in der Schweiz in Zürich und Genf vertreten und verantwortet die Cloud-Sparte des Amazon-Konzerns. 2017 war AWS hierzulande der umsatzstärkste Cloudanbieter, noch vor Microsoft, SAP und Google.

Ein wachstumsfreudiger Milliardenmarkt

Weltweit soll der Markt mit der Public Cloud (siehe Infobox) laut «Handelszeitung» dieses Jahr um mehr als 17 Prozent auf 206 Milliarden Dollar wachsen. In der Schweiz sei er zwischen 2013 und 2017 jährlich um 35 Prozent auf 1,3 Milliarden Franken angestiegen. Der Marktforscher IDC rechne nun zwar mit einer Entschleunigung, dennoch dürfen jährlich noch Wachstumsraten von rund 20 Prozent möglich sein. Entsprechend sei davon auszugehen, dass sich der Konkurrenzkampf unter den globalen Anbietern, die um Schweizer Unternehmen buhlen, verschärfen wird. Diese dürften die Nutzniesser dieser Entwicklung sein.

Auch in der Schweiz lässt sich mit der Wolke gutes Geld verdienen.

Oder doch nicht? Denn während innovative Cloudservices zwar grundsätzlich neue unternehmerische Potenziale eröffnen, geht gleichzeitig in immer mehr Firmen die Angst um, bei der digitalen Transformation auf der Strecke zu bleiben. Am 13. März fand in Olten der von der Fachhochschule Nordwestschweiz ausgerichtete «6. Cloud Use Cases Day» statt. Dort hielt Gastreferent Kai Reinhardt, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin fest, dass viele Unternehmen «mit der digitalen Transformation überfordert sind».

Integrative Organisation wegen FOMO

Die «Fear of missing out», also die Angst, im digitalen Bereich etwas zu verpassen, sei für vielen Unternehmensvertreter geradezu lähmend. Der Ausweg aus dieser Starre führe über eine Re-Organisation des Betriebs: «Früher waren Unternehmen noch reaktiv organisiert», hielt Reinhardt fest. Später seien sie vermehrt agil geworden. Und in Zukunft? «Da sollten sie integrativ sein», so der Experte. Gemeint ist damit, dass starre Organisationsstrukturen durch eine fast hierarchielose «Cloud-Organisation» ersetzt werden, die auf Ökosystemen und Netzwerken aufbaut. Als Beispiel führte Kai Reinhardt die IT-Firma Netlight Consulting aus Schweden an. Diese setze auf Rollen und Verantwortungen statt auf Hierarchien, die Kommunikation unter den Mitarbeitern geschehe über 1500 Slack-Channels. Das mache die Entscheidungsprozesse effizient und die meisten Mitarbeiter glücklich. Ein gemeinsames Firmen-Werte-System sorge dafür, dass die Ordnung im Unternehmen beibehalten wird.

Welche Cloud wird in der Schweiz genutzt – und wie?
Vergleichsweise aktuelle Daten zeigen, dass Schweizer KMU ihre Berührungsängste in Sachen Cloud abgelegt haben. 2016 befragten IDC und Computerworld 778 Schweizer Unternehmen, Organisationen und Einrichtungen zu ihrem IT-Gebrauch und der Cloud-Technologie. Ergebnis: Zwischen 2015 und 2016 stieg der Anteil an Unternehmen, die sich die Datenwolke zunutze machen, um 29 Prozent (von 51 auf 80 Prozent). Doch Wolke ist nicht gleich Wolke. So dominiert die «Private Cloud» in Unternehmen ganz klar mit 55 Prozent, während «Public Cloud» und «Hybrid Cloud» jeweils nicht einmal auf die Hälfte dieses Wertes kommen. Zur Orientierung: Eine Private Cloud wird zwar ebenfalls von einem externen Dienstleister betrieben. Der Server steht dabei z.B. in einem Rechenzentrum. Allerdings ist die Cloud nicht öffentlich. Das bedeutet, nur die Mitarbeiter des jeweiligen Kundenunternehmens nutzen sie und können dabei typische Mehrwerte nutzen wie eine skalierbare IT-Infrastruktur oder installations- und wartungsfreie IT-Anwendungen, die über einen Webbrowser genutzt werden. Eine Public Cloud ist im Gegensatz dazu öffentlich, der Provider stellt deren Nutzung online für jedermann zur Verfügung. Die Hybrid Cloud ist eine Mischform der beiden Konzepte.

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