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Zürich
3 Juni 2020

«Wir bleiben ein Familienunternehmen».

Im Segment der Luxusprodukte findet aktuell ein Umdenken statt: Waren lange Zeit ausschliesslich erlesenes Design sowie hervorragende Qualität und Verarbeitung gefragt, verlangen Kundinnen und Kunden heute zusätzlich einen «nachhaltigen» Luxus. Die Schweizer Traditions-Uhrenmanufaktur Chopard ist hier seit jeher ein Vorreiter. «Fokus» sprach mit Co-Präsidentin Caroline Scheufele über die Werte eines Familienunternehmens sowie über ethisches Gold.

Caroline Scheufele, die Marke «Chopard» wird weltweit mit Luxusuhren und Schmuck assoziiert. Doch wofür steht Chopard für Sie persönlich? 

Für mich steht der Name natürlich auch für «Familie» – denn meine Eltern erwarben die Uhren-Manufaktur Chopard im Jahr 1963. Monsieur Paul-André Chopard arbeitete dann noch bis zu seinem Tod als Uhrmacher mit meinen Eltern zusammen.  Der Name steht für mich aber auch für Verantwortung. Denn bereits sehr früh übertrugen meine Eltern diese an meinen Bruder Karl-Friedrich und mich. Sie sind immer noch aktiv und ihre Ratschläge sowie ihre grosse Erfahrung stellen eine enorme Bereicherung dar und sind eine Quelle der Inspiration für uns.

Mein Bruder und ich sehen es als eine sehr schöne Aufgabe an, das Erbe von Chopard zu pflegen und weiterzutragen. Dieses zeichnet sich aus durch Tradition und handwerkliches Savoir-faire. Dementsprechend war und ist Chopard in der Lage, aussergewöhnliche und einzigartige Kreationen zu schaffen, die bei unseren Kundinnen und Kunden besondere Emotionen wecken. Generell spreche ich bei unseren Produkten aber nicht gerne von «Luxusgegenständen». Es geht uns mehr um die Qualität sowie um die Zeit, die wir investieren, um eine Uhr oder ein Schmuckstück in unserer Manufaktur zu erschaffen. Wir leisten uns zudem ganz bewusst noch Berufsgruppen, die womöglich längst von Maschinen ersetzt werden könnten – allerdings wäre dann das Resultat nicht mehr das gleiche.

Die Firma Chopard bezeichnet sich als «Artisans of Emotions». Wofür steht dieser Begriff? 

Er betont einen ganz wesentlichen Aspekt unserer Kultur: die Leidenschaft: Denn unsere anspruchsvolle Fertigung ist nur möglich, weil sie auf der Arbeit passionierter Kunsthandwerkerinnen und -handwerker beruht. Sie alle sind Experten in ihrem jeweiligen Fachbereich, die über eine umfangreiche und beinahe unerschöpfliche Kreativität verfügen. Ein weiterer Wert, der für das Selbstverständnis unseres Hauses zentral ist, ist Ethik. Denn wir vertreten die Ansicht, dass «Luxus» heute für ein ethisches und verantwortungsbewusstes Handeln stehen muss. Aus diesem Grund haben wir im Jahr 2013 unsere «Journey to sustainable Luxury» angetreten.

Dieses Projekt ist uns ein wichtiges Anliegen, denn als Familienunternehmen ist sich Chopard der sozialen und ökologischen Herausforderungen im Umfeld der Uhren- und Schmuckindustrie bewusst und hat den Anspruch, Mensch und Umwelt mit seiner Arbeitsweise respektvoll zu behandeln. Seit 2010 sind wir Mitglied im Responsible Jewellery Council (RJC). Im letzten Jahr wurde dann ein wichtiger Meilenstein erreicht: Seit Juli 2018 verwenden wir für unsere Uhren und Schmuck ausschliesslich zu 100 Prozent ethisch gewonnenes Gold. Wir konnten dieses Ziel unter anderem durch unsere eigene Goldschmelze erreichen, die mein Vater bereits 1978 in unsere Produktionsstätte in Genf integriert hatte. Seitdem stellen wir unsere eigenen Goldlegierungen für den Schmuck sowie die Uhrgehäuse her. Da sind wir praktisch das einzige Haus in Genf, welches das tut.

Was darf man sich unter «ethisch gewonnenem Gold» genau vorstellen?

Gemeint ist damit Gold, bei dem sich verifizieren lässt, dass es aus nachhaltigen Quellen stammt und der Abbau geltende Umweltauflagen und Best Practices erfüllt. Darüber hinaus unterstützen wir Goldminen in Lateinamerika, die das «Fairmined Zertfiikat» erlangen möchten. Auch sind wir seit 2017 Partner der «Swiss Better Gold Association» (SBGA), die sich für Fairtrade sowie nachhaltige Ressourcengewinnung einsetzt. 

Als Familienunternehmen ist sich Chopard der sozialen und ökologischen Herausforderungen im Umfeld der Uhren- und Schmuckindustrie bewusst.

Sie und Ihr Bruder leiten die Geschicke der Firma seit den 1980er-Jahren. Wie hat sich Chopard in dieser Zeit entwickelt, bzw. worauf legen Sie Ihren Fokus?

Richtig, mein Bruder und ich führen das Unternehmen gemeinsam als CO-Präsidenten.  Mein Augenmerk gilt dem Schmuck und der Haute Joaillerie. Heute verfügt Chopard über das grösste Atelier «Création Haute Joaillerie» in der Schweiz. Gleichzeitig brachte mein Bruder Chopard sozusagen «zurück zu den Wurzeln»: 1996 erfolgte die Gründung von «Chopard Manufacture» in Fleurier, wo die hochwertigen mechanischen L.U.C Werke entwickelt und von A-Z inhouse gefertigt werden. Dies eröffnet uns einen hohen Grad an Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit. Heute beschäftigen wir in Genf über 800 Mitarbeitende, weltweit sind es rund 2000 Personen.

Caroline Scheufele und ihr Bruder Karl-Friedrich Scheufele
Die Schmuck- und Uhrenbranche befindet sich im Wandel, traditionelle Events wie die Baselworld erfinden sich aufgrund der Digitalisierung neu. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie auf Ihr Unternehmen zukommen?

Einer unserer grossen Vorteile besteht darin, dass wir als eigentümergeführtes Familienunternehmen sehr schnell auf (geopolitische) Veränderungen reagieren können. Denn wir agieren sehr nahe am Markt. Und in der Tat: Aufgrund der Digitalisierung geht die Kommunikation viele neue Wege. Aber letztendlich handelt es sich bei unserem Geschäft um ein «People Business». Das bedeutet, dass der direkte Austausch nach wie vor im Zentrum steht. Darum halten wir eine Messe wie die Baselworld auch in Zukunft für unsere Branche als unverzichtbar: Wenn mein Bruder und ich all die Menschen, denen wir dort begegnen, anderweitig treffen wollten, dann bräuchten wir dafür ein Jahr. Es ist ein grosser Vorteil, wenn alle vor Ort sind – Hersteller, Händler, Journalisten und Partner. Und dieser persönliche Austausch wird im digitalen Zeitalter nur noch wichtiger.

Welche Weichen wird Chopard mittel- und langfristig stellen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben?    

Unser Unternehmen ruht auf zwei gleichwertigen Standbeinen, die uns auch in Zukunft tragen werden: Uhren sowie Schmuck. In beiden Segmenten gehen wir weiterhin den Weg der Vertikalisierung in unserer Produktion. Bei uns am Hauptsitz in Genf vereinen wir über 30 verschiedene Métiers unter einem Dach. Unsere Intention bleibt dabei stets die gleiche: Wir wollen sämtliche Fertigungsschritte von A bis Z kontrollieren, um den höchsten Qualitätsstandard gewährleisten zu können.

Weitere Prioritäten setzen wir in der Ausbildung und Weitergabe unserer traditionellen Handwerksberufe an die kommende Generation. Wir bilden im Unternehmen viele Lehrlinge in unterschiedlichen Berufen aus und betreiben eine eigene Uhrmacherschule in Fleurier. Unser Vertrieb erfolgt weltweit in alle Märkte und dank unserer breit aufgestellten Produktpalette sprechen wir viele attraktive Zielgruppen an. Darüber hinaus treiben wir den Ausbau unseres Boutiquen-Netzwerks voran. Die Summe all dieser Massnahmen und Qualitätsmerkmale wird uns auch künftig eine hervorragende Marktposition sichern. Ganz wichtig ist uns dabei aber: Trotz ständiger Weiterentwicklung wollen wir ein Familienunternehmen bleiben.

Über Chopard

Chopard ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit einem ausgeprägten Sinn für Unabhängigkeit. Die Geschichte der Firma reicht bis ins Jahr 1860 zurück, als Louis-Ulysse Chopard eine Uhrenmanufaktur für Präzisionsuhren gründet, die auf Chronometer und Taschenuhren spezialisiert ist. Er siedelt sein Unternehmen im schweizerischen Sonvilier an. In den 1960er-Jahren geht Chopard in den Besitz des jungen Unternehmers Karl Scheufele über, der in dritter Generation das Unternehmen Karl Scheufele in Pforzheim führte, welches seit 1904 edle Schmuckuhren produziert. In den 1980ern übernimmt dann mit Caroline und Karl-Friedrich Scheufele als Co-Präsidenten von Chopard die nächste Generation der Familie die Geschicke des Unternehmens. Unter ihrer Führung wird die Unabhängigkeit des Hauses Chopard weiter ausgebaut. Heute werden alle Uhren- und Schmuck-Kreationen an den Produktionsstandorten in Genf, Fleurier und Pforzheim produziert.

Interview: SMA,  Bilder: Chopard

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