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3 Juni 2020

Chronische Krankheiten kommen selten allein.

Wenige sprechen offen darüber und sie bleiben unerkannt: Chronische Krankheiten gehen häufig mit Depressionen einher. Bei gewissen Symptomen genauer hinzusehen, lohnt sich daher ungemein. 

Die Diagnose einer chronischen Erkrankung ist für Betroffene ein Schock. Schliesslich müssen sie sich auf ein neues Leben mit der Krankheit als ständigem Begleiter einstellen. Die Krux: Das Erkennen von Auswirkungen auf die Psyche erfolgt oft nicht frühzeitig 

Depression schwer erkennbar

Die Psychologin und Forscherin des Schweizer MS Register Zentrums, Stephanie Rodgers, bestätigt: «Oftmals kann es schwierig sein, eine Depression bei gleichzeitigen chronischen Erkrankungen zu erkennen.» Stimmungsveränderungen würden auf die Belastung durch die chronische Erkrankung geschoben. Zu Unrecht. Denn im Vergleich zu nicht chronisch Kranken haben beispielsweise MS-Betroffene ein zwei- bis viermal höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken. Natürlich sind solche Ergebnisse nicht für alle chronischen Erkrankungen verallgemeinerbar. Die grundlegende Wechselwirkung zwischen Depressionen und chronischen Krankheiten besteht jedoch bei allen chronischen Leiden bis zu einem gewissen Grad.

Diagnostische Herausforderung

Depressionen stellten die Medizin gemäss Rodgers vor eine diagnostische Herausforderung. Die Symptome von Depression und chronischer Krankheit sind häufig ähnlich. Beispielweise äussern sich beide durch starke Erschöpfung und Schlafstörungen. Zusätzlich müssten die Patienten sogenannte «stille», von aussen unsichtbare, Symptome selbst als relevante Symptome erkennen, um sie den Medizinern dann kommunizieren zu können. Stille Symptome die einen aufhorchen lassen sollten, sind Traurigkeit, Verlust an Freude, starker Pessimismus, Versagensgefühle, Selbstablehnung und Selbstkritik bis hin zu Suizidgedanken. Kürzlich ausgewertete Daten des Schweizer MS Registers ergaben, dass etwa ein Drittel der befragten MS-Betroffenen von einschränkenden, «stillen» Depressionssymptomen betroffen sind. Es ist wichtig, auch diese Symptome dem medizinischen Team mittzuteilen.

Die gute Nachricht

Chronische Krankheiten lassen sich meist nicht vollständig heilen – Depressionen jedoch oft schon. Dass sich Betroffene möglichst frühzeitig Hilfe suchen ist entscheidend. Je nach individueller Situation kann eine Depression unterschiedlich behandelt werden: psychotherapeutisch, zusätzlich medikamentös oder auch ergänzend mit alternativ-medizinischen Verfahren. Auch körperliche Aktivität ist zur Depressionstherapie überaus wirksam. Beispielsweise Nordic Walking oder andere muskelstärkende Aktivitäten können Symptome von chronischen Krankheiten positiv beeinflussen. Und ganz wichtig: Betroffene können sich Hilfe suchen. Als chronisch Kranke mit depressiven Symptomen sind sie mit der Situation definitiv nicht alleine. 

Weitere Informationen zu MS und Depression:

von Montag – Freitag zwischen 9 und 13 Uhr unter 0844 674 636

oder online unter www.multiplesklerose.ch

Text: Johanna Widmer

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