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Wie lassen sich Augenkrankheiten bei Kindern frühzeitig erkennen und behandeln?

03.06.2026
von SMA

Und warum macht es Sinn, auch ohne sichtbare Beschwerden einen Kinderophthalmologen aufzusuchen? Antworten gibt Prof. (UNIC) Dr. med. Johannes P. Eisenack, Gründer der Augenklinik Bellevue in Zürich und einer der führenden Spezialisten für Kinderaugenheilkunde in der Schweiz.

Prof. Dr. med. Johannes P. EisenackOphthalmologe

Prof. Dr. med. Johannes P. Eisenack
Ophthalmologe

Wir sitzen nebeneinander an einer Veranstaltung, plaudern über Familie und Beruf. Ganz beiläufig sagt Johannes Eisenack, Kinderophthalmologe in Zürich: «Mach doch mal einen Termin bei mir, einfach so zur Vorsorge.» Ich runzle die Stirn. Meine Tochter ist zwanzig Monate alt, tappt neugierig durch die Welt, greift zielstrebig nach ihrem Teddybären, ihr Blick wirkt wach, klar, konzentriert – warum also zum Augenarzt, wenn nichts auf eine Störung hinweist?

«Genau das ist der Punkt», sagt der Mediziner. «Viele Sehschwächen bleiben lange unbemerkt, weil Kinder keine Vergleichsmöglichkeit haben. Sie nehmen ihre Welt so hin, wie sie sie sehen, selbst wenn ein Auge schwächer ist oder die Augen nicht optimal zusammenarbeiten.»

Eltern könnten zwar auf Anzeichen achten, doch oft seien diese subtil: ein schiefer Kopf beim Malen, häufiges Stolpern, Kopfschmerzen oder das ständige Heranrücken an Bücher und Bildschirme. «Um sicherzugehen, braucht es den Blick des Spezialisten.»

Das macht mich nachdenklich. Wie oft verlassen wir uns als Eltern auf unser Gefühl – und übersehen dabei, dass die entscheidenden Weichen für die Sehfähigkeit schon in den ersten Lebensjahren gestellt werden? «Im Kindesalter ist vieles noch gut korrigierbar», führt der Augenarzt aus. «Aber was in dieser Phase versäumt wird, lässt sich im Erwachsenenalter oft nicht mehr rückgängig machen.»

Früherkennung und Behandlung

Augenärztliche Vorsorge bedeutet nicht nur das Ausschliessen von Auffälligkeiten, sondern aktives Handeln im richtigen Moment. Besonders wichtig ist das sensitive Zeitfenster der Neuroplastizität: In den ersten sechs bis acht Lebensjahren formt das Gehirn die Sehbahn, synaptische Verbindungen entstehen und festigen sich. «Wird in dieser Phase ein Schielen oder eine Amblyopie übersehen, bleibt ein Auge dauerhaft im Nachteil – auch dann, wenn es organisch gesund ist», erklärt er mir.

Kinder sollen sich wohlfühlen. Wenn sie spielen, wenn sie lachen, wenn sie sich geborgen fühlen – dann gelingen auch die Untersuchungen.– Prof. Dr. med. Johannes P. Eisenack,
Ophthalmologe

Schielen – in der Fachsprache Strabismus – zeigt sich in unterschiedlichen Varianten. Blickt ein Auge nach innen, handelt es sich um eine Esotropie; weicht es nach aussen ab, spricht man von einer Exotropie. Seltener treten vertikale Fehlstellungen auf. «Entscheidend ist nicht nur, ob ein Schielen konstant sichtbar ist oder nur gelegentlich, sondern auch, ob es im gesamten Blickfeld gleich bleibt oder in bestimmten Richtungen stärker wird.» Bei Letzterem handelt es sich um ein inkomitantes Schielen, häufig durch eine Lähmung einzelner Augenmuskeln bedingt.

Die Folgen sind gravierender, als man denkt: Um Doppelbilder zu vermeiden, blendet das Gehirn das schwächere Auge aus – Fachleute nennen das Suppression. Das Resultat ist eine Amblyopie, eine funktionelle Sehschwäche, die später kaum mehr zu beheben ist. Herr Eisenack verdeutlicht: «Wir können das schwächere Auge gezielt trainieren, indem wir das stärkere zeitweise abkleben. Aber dafür braucht es Geduld – und das Verständnis der Eltern, dass schon wenige Stunden Pflastertragen pro Tag langfristig einen echten Unterschied machen.»

Nicht immer reicht diese konservative Therapie. Bei schwerem Schielen hilft nur ein chirurgischer Eingriff: «Wir versetzen die betroffenen Augenmuskeln in ihrer Länge oder Ansatzstelle, damit die Augen wieder parallel stehen.» Moderne Operationsmethoden erlauben heute eine sehr präzise Korrektur, die das beidäugige Sehen in vielen Fällen vollständig wiederherstellt.

Doch nicht nur Strabismus beschäftigt die Kinderophthalmologie. Ein wachsendes Problem ist die Myopieprogression, in anderen Worten: die Zunahme der Kurzsichtigkeit. Durch die intensive Nutzung digitaler Geräte verbringen Kinder unzählige Stunden im Nahbereich. «Das Auge reagiert darauf mit axialem Längenwachstum. Der Augapfel wird zu lang, und die Bilder entstehen vor statt auf der Netzhaut.» Das Resultat: unscharfes Sehen in die Ferne. Je früher die Myopie beginnt, desto stärker schreitet sie voran.

Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle, doch der Lebensstil hat enormen Einfluss. «Wir können die Progression nicht völlig stoppen, aber deutlich bremsen», stellt er klar. Zwei Stunden Tageslicht pro Tag, viel Bewegung im Freien und – falls nötig – spezielle Brillengläser oder niedrig dosiertes Atropin: All das reduziert das Risiko merklich. Studien zeigen, dass damit langfristig auch die Gefahr schwerer Netzhauterkrankungen sinkt. Gar nicht so schwierig, denke ich als Mutter. Zwei Stunden Tageslicht pro Tag, das sollte machbar sein.

Kinder im Fokus

Eine weitere Säule der Kinderaugenheilkunde ist die «Sehschule». Dort begleiten spezialisierte Orthoptistinnen die kleinen Patientinnen und Patienten mit spielerischen Methoden: mit Formen, Figuren und kindgerechten Sehzeichen. Was nach Spiel aussieht, liefert wertvolle Informationen über die Sehentwicklung – etwa zur Zusammenarbeit der Augen, zur Augenstellung oder zum räumlichen Sehen. Diese Tests unterstützen den Kinderophthalmologen in der Diagnostik und in der Verlaufskontrolle nach einer Behandlung oder Operation. «Für die Kinder ist es ein Spiel – für uns ein entscheidender Baustein, um ihre Sehfähigkeit zuverlässig zu beurteilen», fasst Prof. Eisenack zusammen.

Wie wichtig die Atmosphäre ist, erlebe ich, als meine Tochter und ich – nach anfänglicher Skepsis – dann doch die Augenklinik Bellevue aufsuchen. Statt karger Stühle stehen im Wartezimmer Bücher, Stofftiere, ein Piratenschiff und sogar ein kleines Auto. Julia entdeckt sofort die bunten Figuren, klettert neugierig ins Schiff und vergisst, dass wir eigentlich zu einer Untersuchung hier sind. Genau das ist der Sinn, betont Johannes Eisenack: «Kinder sollen sich wohlfühlen. Wenn sie spielen, wenn sie lachen, wenn sie sich geborgen fühlen – dann gelingen auch die Untersuchungen.»

Für ihn sind Kinder die schönsten Patientinnen und Patienten. «Sie bringen Ehrlichkeit und Lebendigkeit mit – da ist jede Untersuchung einzigartig!»

Auch für mich als Mutter ist die Erfahrung prägend. Ich hatte nie gezweifelt, dass meine Tochter gut sieht – und doch öffnete mir das Gespräch mit dem Experten im übertragenen Sinne «die Augen». Vorsorge bedeutet nicht, eine Krankheit zu suchen, wo keine ist, sondern dem Kind die bestmöglichen Chancen mitzugeben. Manchmal reicht ein kurzer Termin, um Gewissheit zu gewinnen; manchmal entdeckt man dabei etwas, das sich mit kleinen Schritten behandeln lässt.

Und dann, so lerne ich, hat Vorsorge noch eine zweite Wirkung: Sie verwandelt Zweifel in Gelassenheit. Das Wissen, alles getan zu haben, um die Sehfähigkeit des Kindes zu schützen, ist mehr als ein medizinischer Akt – es ist ein stilles Versprechen an die Zukunft. Dass die Welt für die eigenen Kinder offen bleibt, in ihren Farben und Dimensionen. Und dass der Blick frei bleibt, neugierig und stets nach vorn gerichtet. 

Text Verena Maria Neuhaus

Augenklinik Bellevue

Die Augenklinik Bellevue in Zürich gilt als führende Adresse für Kinderaugenheilkunde. Gegründet von Johannes P. Eisenack, klinisch assoziierter Professor an der Universität Nikosia, deckt sie das gesamte Spektrum ab – von der präzisen Diagnostik über konservative Therapien bis hin zu operativen Eingriffen. Unterstützt wird Herr Eisenack von einem eingespielten Team aus Orthoptistinnen, Optikerinnen und erfahrenen Fachassistentinnen. 

www.augenklinik-bellevue.ch

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