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22 Oktober 2020

Martina Bisaz: «Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt».

Die Reisefotografin Martina Bisaz ist eine der erfolgreichsten Influencern der Schweiz. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Reiselust und gibt zu, dass sie influencen nicht für einen Beruf hält.

Martina Bisaz, wie haben Sie Ihre Reiselust entdeckt?

Das hat nach meiner ersten kontinentalen Reise nach Thailand begonnen. Da war ich 16 Jahre alt. Dort habe ich zum ersten Mal eine komplett andere Kultur kennengelernt und fand es total spannend.

Bevor Sie als Reisebloggerin tätig waren, haben Sie als wissenschaftliche Illustratorin gearbeitet. Welche Skills des Zeichnens kommen Ihnen auch beim Bloggen zugute?

Bloggen ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck, denn mein Schwerpunkt liegt beim Fotografieren. Da kann ich einiges von meiner Ausbildung als Illustratorin nutzen, wie beispielsweise die Bildkomposition.

Bloggen ist vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck, denn mein Schwerpunkt liegt beim Fotografieren.

Martina Bisaz

Stellen Sie sich vor, Sie dürften auf einen Trip nur fünf Gegenstände mitnehmen, Kleidung ausgeschlossen. Was würden Sie packen?

Handy, Kamera, Zahnbürste, Taschenmesser und vegane Snacks

Welche Destination steht zudem ganz oben auf Ihrer Bucket List?

Oh, da gibt es ein paar, zum Beispiel Algerien, Peru, Bolivien und Kirgisistan.

Von welchem Ort waren Sie enttäuscht?

Ich war von keinem Ort enttäuscht. Das einzige was mich letztens schockiert hat, war der enorme Abfall auf der Insel Socotra. Denn ich wusste von dem Problem nichts. Da war ich anfangs gleich etwas sprachlos, als ich ankam. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen.

Ich war von keinem Ort enttäuscht.

Martina Bisaz

Wie gehen Sie mit Kulturschocks um?

So einen richtigen Kulturschock hatte ich noch nie. Klar gibt es immer wieder etwas Neues auf Reisen, Dinge, die man nicht kennt, oder einem total fremd sind. Ich versuche dies dann aufzunehmen, zu befolgen, und zu akzeptieren. Denn verstehen kann man ja nicht immer. Aber vieles wiederholt sich dann auch in verschiedenen Ländern oder fremden Kulturen.

Sie haben einmal gesagt, Sie möchten Menschen mit Ihren Reisen die Angst vor der Fremde nehmen. Wovor haben Sie Angst?

Auf Reisen mit dem Camper ist meine einzige Angst, dass er geklaut wird oder dass jemand einbricht.

Haben Sie einen Reise-Soundtrack?

Nein, nicht wirklich. Ich mag Musik aus dem Land, welches ich gerade bereise. Egal, ob ich die Sprache verstehe oder nicht, die Reise fühlt sich mit der einheimischen Musik einfach viel echter an und geht unter die Haut.

Welches war Ihr verrücktestes Reiseerlebnis?

Nebst den Reisen durch den Iran, war das eindeutig mein Solo-Roadtrip nach und durch Marokko.

Was ist beim Planen einer Reise essenziell?

Wenn die Reise in ein fremdes Land mit fremder Kultur geht, sollte man sich über die Kultur und die Do’s und Dont’s schlau machen. Das finde ich fast das wichtigste. Aber natürlich ist auch eine grobe Reiseroute nicht schlecht. Je nachdem ob es Hochsaison ist, muss man auch Übernachtungen bereits im Voraus buchen. In dem Fall ist man fast gezwungen, die Route vor der Reise schon komplett durchzuplanen. Das mag ich persönlich nicht so. Lieber reise ich spontan durch ein Land. Ich schlafe zudem auch lieber im Camper als im Hotel. Denn so bin ich flexibler und freier.

Welcher Mensch ist Ihre liebste Begleitung auf Reisen und warum?

Das ist eindeutig meine Freundin Farzaneh aus dem Iran. Denn wir sind uns in so vielen Dingen ähnlich und ergänzen uns wunderbar. Es gibt keine Unstimmigkeiten und wir lachen immer sehr viel zusammen. Jedoch können wir uns auch mal stundenlang anschweigen und für uns sein, ohne dass es unangenehm wird.

Immer mehr Menschen wollen das Fliegen vermeiden, um die Umwelt zu schonen. Wie wirkt sich dies auf Ihren Beruf aus?

Bis jetzt hat dies noch keine Auswirkungen auf meine Arbeit gehabt. Aber ich selber achte darauf, dass ich bei Aufträgen, die gut mit dem Zug machbar sind auf den Zug bestehe um keine unnötigen Kurzstreckenflüge zu machen. Und wenn ich wohin fliege, plane ich einen längeren Aufenthalt und fliege nicht einfach nur für ein paar Tage um die halbe Welt.

Sie gehören zu du den erfolgreichsten Influencern der Schweiz. Wie denken Sie über diesen sehr neuen Beruf?

Ich habe etwas Mühe damit, dies einen Beruf zu nennen. Vielleicht auch, weil ich mir dies nicht selber gezielt ausgesucht habe, sondern es bei mir über die neun Jahre, die ich bei Instagram bin, einfach so entstanden ist. Ich habe das gar nie als Beruf angesehen. Oder ich bin einfach zu altmodisch (lacht) Oder es ist die Bezeichnung Influencer, die mich stört. Die mag ich nicht. Aber vielleicht muss ich mich auch einfach daran gewöhnen, dass das jetzt ein Beruf ist. Ich brauch immer etwas länger für etwas neues.

Lieber reise ich spontan durch ein Land.

Martina Bisaz

Auf Ihren Bildern sind Sie selbst kaum zu sehen, ein krasser Kontrast zu anderen Influencern. Wie kommt’s?

Ich bin ein introvertierter Mensch und stehe selber nicht gerne im Mittelpunkt. 

Sehen Sie sich denn eher als Infuencerin oder als Fotografin?

Als inspirierende Reisefotografin

Zu wem schauen Sie auf?

Zu all denen, die den Mut haben, Ungerechtigkeiten auf dieser Welt zu zeigen und sich dagegen zu wehren und sich für die schwächeren einsetzen, ob dies nun Menschen sind oder Tiere.

Martina Bisaz in Kürze

Meer oder Alpen? Am liebsten beides.
Koffer oder Backpack? Je nach Destination.
Bewährtes oder Neues? Bewährtes
Postkarte oder Whatsapp-Message? Postkarte
Kaffee oder Kakao? Kakao

Über Martina Bisaz

Martina Bisaz, geboren 1981, arbeitete zuerst als wissenschaftliche Illustratorin. Als ihr Instagram-Account an Erfolg gewann, begann sie sich 2017 ganz der Fotografie zu widmen. Martina Bisaz‘ traumhafte Fotos sind auf Instagram unter @kitkat_ch zu finden. Frohes Schwelgen!

Interview Fatima Di Pane

Das Interview mit einer weiteren Social-Media-Persönlichkeit gibt es hier.

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