design-skills
© Guillaume Musset / ZHdK
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«Design-Skills sollten als zentrale Zukunftskompetenz in den Fokus jeder Stellenausschreibung rücken!»

16.07.2026
von SMA

KI, neue Arbeitsformen und globale Umbrüche verändern nicht nur Organisationen, sondern auch die Art und Weise, wie wir arbeiten, lernen und führen. Unsere Kompetenzen verschieben sich derzeit rasanter denn je. Was heisst das und welche Futures Skills sind besonders gefragt? Stefano Vannotti, Studienleiter des MAS Strategic Design und Co-Leiter des Zentrums Weiterbildung an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, sieht eine grosse Chance in der mutigen Erweiterung unserer Kompetenzprofile. Im Interview erläutert er, wie Hands-on-Designmethoden und eine erfahrungsorientierte Haltung uns dabei unterstützen und uns einen neuen Umgang mit Komplexität lehren.

Stefano Vannotti, die Welt da draussen dreht sich gerade wie wild. Was macht das mit uns Menschen und wie verändert sich unsere Arbeitstätigkeit?

Wir erleben gerade bewegte Zeiten, in denen technologische Veränderungen, geopolitische Dynamiken und gesellschaftliche Fragen stärker als zuvor ineinandergreifen. Umso wichtiger wird es, mit diesen kaum bewältigbaren Komplexitäten offen umzugehen und sie aktiv unter sich permanent verändernden Vorzeichen mitzugestalten. Dieser offene Umgang mit Komplexität verlangt nach einer enormen Reflexionskompetenz. Hierbei beobachten wir in der Weiterbildung, dass Wissen und Fähigkeiten heute gleichzeitig und eingebettet erweitert werden und nicht mehr in klar abgegrenzten Lebensphasen wie Schule, Ausbildung, Beruf und Weiterbildung.

Reflexives Know-how und selbständiges Gestalten werden also zu Kernkompetenzen in einem von KI und Multikrisen dominierten Leben?

Viele versuchen, Unsicherheit möglichst schnell zu beseitigen. Doch nicht alles lässt sich durch Vereinfachung besser bewältigen. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine empfehlenswerte Strategie. Vielmehr benötigen Organisationen zunehmend Menschen, die Zusammenhänge erkennen, unterschiedliche Perspektiven miteinander verbinden und selbstbestimmt handeln können. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Oktopus-Organisation: Anstatt starr und zentralisiert zu operieren, werden Entscheidungen dezentral von kleineren Einheiten getroffen. Somit wird die Adaptionsfähigkeit der gesamten Unternehmung erhöht. Hierfür braucht es eine gemeinsame Vision, viele kleine Experimente, kontinuierliches Lernen durch Reflexion und das Vertrauen der Führungsebene.

Welche Rolle spielt dabei KI?

Sie beschleunigt den Shift von Kompetenzen in mehrfacher Hinsicht. Während wir bisher in Teams mit verschiedenen Charakteren möglichst produktive Formen der Zusammenarbeit finden mussten, gilt es nun, auch nicht-menschliche KI-Agenten gewinnbringend in unsere Prozesse zu integrieren. Aus meiner Sicht hat die Experimentierfreudigkeit durch die Nutzung von KI-Tools definitiv zugenommen. Darüber freue ich mich als Designer besonders. Permanentes Prototyping ist ja für uns der Schlüssel, um Innovationen voranzutreiben und organisationalen Wandel zu gestalten. Gleichzeitig merke ich, dass wir reflektierter und kritischer werden müssen: Wenn die KI bestimmte kognitive Tätigkeiten übernimmt, gewinnen menschliche Fähigkeiten wie Urteilskraft, Empathie, Kreativität an Bedeutung.

Sie sprechen sogenannte Future Skills an. Welche konkreten Fähigkeiten sind in Zukunft besonders wichtig?

Reflexionskompetenz, Experimentierfreude oder integrales Denken habe ich bereits erwähnt. Die KI nimmt uns die Hard Skills, also erlernbare und messbare Fertigkeiten, zunehmend ab. Sie kann uns allerdings nicht die Frage abnehmen, in welcher wünschenswerten Zukunft wir leben möchten. Das heisst, dass Soft Skills, die im Bereich der sozialen, persönlichen und methodischen Kompetenzen liegen, zu Future Skills werden. Wir als Gesellschaft benötigen sie, weil immer häufiger scheinbar widersprüchliche Anforderungen gleichzeitig auf uns wirken: Stabilität und Wandel, Effizienz und Innovation, Geschwindigkeit und Sorgfalt. 

Das ist unauflösbar!

Die Herausforderung wird darin bestehen, solche Spannungen nicht vorschnell aufzulösen, sondern nebeneinander stehenzulassen und produktiv zu nutzen. Dabei helfen mindestens drei zentrale Designkompetenzen: Erstens das Imaginieren als Teil einer übergreifenden Futures Literacy. Zweitens das Anleiten oder Facilitieren von kollaborativen Settings, die aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteur:innen bestehen. Und drittens das Vernetzen von scheinbar widersprüchlichen Wissensdimensionen als Fundament für erfolgreiche Lernfähigkeit.

Für Sie, Stefano Vannotti, sind also Designprinzipien der Schlüssel für höhere Zukunftskompetenz?

Es wäre vermessen zu behaupten, Design mit seinen Prinzipien allein sei die Lösung für die Herausforderungen unserer Zeit. Gleichzeitig sehe ich in den Ansätzen des Designs ein vielversprechendes Potenzial, den Fundus der Future Skills sukzessive mit Methoden und Herangehensweisen des Designs anzureichern. Zugespitzt würde ich sagen: Design-Skills sollen als zentrale Zukunftskompetenz in den Fokus jeder Stellenausschreibung rücken. Jede Branche benötigt heute und künftig Menschen, die gegenwärtige Situationen ganzheitlich und kollaborativ in wünschenswerte Realitäten transformieren können. Design hilft dabei, sich dezidiert auf das «Wie» zu fokussieren und Veränderung konkret auf den Boden zu bringen.

Und diese Zukunftskompetenzen kann man sich an einer Kunsthochschule wie der ZHdK, an der Sie den Bereich Weiterbildung verantworten, aneignen?

Unbedingt! An der Zürcher Hochschule der Künste bieten wir ein breites Spektrum an Weiterbildungsprogrammen. Neben Kursen wie einem CAS Crafting Futures im Bereich des Strategic Designs gibt es Weiterbildungsangebote in den Bereichen Musik, Theater und Vermittlung. Querschnittsformate wie die kompakten Summer- und Winter-School-Bausteine verschränken verschiedene Disziplinen der Künste miteinander. Gerade Führungskräfte entdecken uns zunehmend als Weiterbildungsanbieterin, die dabei hilft, das eigene Kompetenzspektrum mit teilweise überraschenden Fähigkeiten, wie sie etwa im CAS Design Leadership vermittelt werden, zu erweitern. Führung war lange eng mit Steuerung und Kontrolle verbunden. Heute rückt jedoch Orientierung in den Vordergrund. Wer Verantwortung trägt, schafft zunehmend Bedingungen, in denen Menschen experimentieren, voneinander lernen und gemeinsam Wirkung entfalten können. Solche Kompetenzen entstehen vor allem durch Erfahrung. Warum also nicht einmal für ein Stimmtraining bei uns vorbeischauen oder im November am Hybrid-Lehrgang AI-Encounter teilnehmen und seine KI-Kompetenzen um eine kreative Tech-Note erweitern?

Warum sollte ich ans Toni-Areal kommen, wenn mich Futures Skills interessieren?

Future Skills zu erweitern, bedeutet ja gleichzeitig auch, aus der Komfortzone zu treten. Gerade diejenigen, die sich aufgrund ihres disziplinären oder beruflichen Hintergrunds nicht als Kreative bezeichnen würden, lieben die vibrierende Stimmung am Toni-Areal. Man trifft auf Menschen aus allen denkbaren Feldern. Was sind bessere Bedingungen, um sich auf Neues einzulassen und die eigene Zukunftsfähigkeit zu stärken?

Zur Person

Stefano Vannotti ist strategischer Designer, Hochschuldozent und kreativer Stratege. Seine Lehr- und Dienstleistungstätigkeiten liegen in den Themenfeldern Designmethodologie, Strategisches Design und organisationaler Kulturwandel. An der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) leitet er das Zentrum Weiterbildung in interimistischer Co-Leitung und ist im Departement Design für den Bereich Dienstleistung und Weiterbildung verantwortlich. Darüber hinaus ist er Gründer und Studienleiter des Weiterbildungsportfolios MAS Strategic Design, welches dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum feiert.

Weiterbildungen an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK)

Im Kontext von Futures Skills verfügt das Weiterbildungsportfolio MAS Strategic Design über ein sehr gezieltes Kursangebot. Der Bereich umfasst insgesamt fünf CAS-Programme, in denen Zukunftskompetenzen und Transformationsfähigkeit in unterschiedlicher Tiefe und Ausrichtung vermittelt werden:

Der CAS Crafting Futures (Programmstart 11. März 2027) vermittelt Methodenkompetenz im Zukunftsdenken (Futures Literacy), um als Zukunftsagent:in Prozesse mit hoher Imaginationskompetenz zu begleiten und richtungsweisende Strategien zu entwickeln und kommunizieren.

Im CAS Design Leadership (Programmstart 4. März 2027) lernen die Teilnehmenden zeitgemässe Führungsansätze kennen und anwenden, schärfen ihr persönliches Führungsprofil und erweitern ihre Handlungs- und Gestaltungskompetenz.

Der CAS Design Thinking (Programmstart 10. September 2026, letzte Plätze!) vermittelt Mindset, Modelle und Methoden für transformative Projekte in Organisationen und Gesellschaft und öffnet einen praxisnahen Lernraum für konkrete Projekte aus dem eigenen Kontext.

Der CAS Facilitating Innovation (Programmstart 3. September 2026, letzte Plätze!) setzt auf praxisnahe Anwendungen, um Veränderung wirkungsvoll zu begleiten und Menschen über Disziplinen, Teams und Rollen hinweg zu orchestrieren. Er hilft, ein individuelles Profil als Facilitator:in zu entwickeln.

Der CAS Design Cultures (Studienreise nach Guatemala im April 2027) bietet die Möglichkeit, in innovative und regenerative Lebens- und Kulturräume einzutauchen, um so eine Auseinandersetzung mit der Gestaltbarkeit der eigenen Kultur und Umgebung zu fördern.

Das Weiterbildungsangebot der ZHdK umfasst weitere CAS- und MAS-Programme in den Bereichen Design, Musik, Vermittlung und Theater. Jeweils im September bzw. Januar/Februar werden in der Summer bzw. Winter School eine Vielzahl attraktiver Kurzbausteine angeboten. Diese können individuell und flexibel zu einem CAS Arts and Design in Practice bzw. MAS Creative Practice angerechnet werden. Hybridformate wie die beliebten AI-Encounter und Design Your Future runden das attraktive Weiterbildungsangebot des Zentrums Weiterbildung ab.

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