Lebensfreude
50+

Ist 50 wirklich das neue 30?

31.07.2021
von Mohan Mani

Älterwerden in Zeiten des Jugendwahnes. Doch immer mehr Menschen fühlen sich mit 50 noch fit für viel Fun.

«Die Jugend ist die Zeit, die Weisheit zu lernen. Das Alter ist die Zeit, sie auszuüben», schrieb im Jahre 1778 Jean-Jacques Rousseau. Der Spruch erschien in «Rêveries du promeneur solitaire», wörtlich «Träumereien des einsamen Spaziergängers». Es war eine Autobiographie voller Aphorismen. Denn Rousseau, der grosse Genfer Geist, zermarterte sich das Gehirn, auch was sein eigenes Älterwerden betraf. Sehr verständlich. Zu der Zeit belief sich die durchschnittliche Lebenserwartung in Mitteleuropa auf knapp 35 Jahre. Dabei wurde Rousseau sogar sage und schreibe 66 Jahre alt. Heutzutage fängt das Leben mit 66 Jahren erst recht an. Udo Jürgens sang dies in seinem Ohrwurm-Song, brachte es bekanntlich selbst auf 80 Jahre und war, trotz eines bewegten Lebens, kein Kind von Traurigkeit.

Midlife-Crisis überwinden

Wer sich zwischen der zweiten Lebenshälfte und den dritten Zähnen befindet, muss sich offenbar durch die berühmt-berüchtigte Midlife-Crisis durchbeissen können. Die Bezeichnung Midlife-Crisis beschreibt einen psychischen Zustand, in dem Männer wie Frauen so ab 45 Jahren erfahrungsgemäss von Selbstzweifel, Grübeleien und Unzufriedenheit geprägt werden. Bis dahin hat man womöglich eine ganze Menge gemeistert. Doch die an Jugendwahn leidende Konsumgesellschaft verleiht einem das Gefühl, nur noch ein runzeliger, übergewichtiger Aussenseiter zu sein, der wahrscheinlich nicht mal bei Whatsapp registriert ist. Es können komische Sachen passieren. Man meldet sich zum Fallschirmspringen und Tauchen an und interessiert sich plötzlich für ein verjüngtes Erscheinungsbild. Bauchfreie Blusen, Boho-Kleider Fit über 50und Botox-Spritzen. Oder man legt die Kreuzfahrtkataloge beiseite und entscheidet sich für eine Einhand-Weltumsegelung. Dann das Bisherige kann doch nicht alles sein, oder?

Aufbruch statt Zusammenbruch

Wenn es sich um Herzenswünsche handelt, spricht nichts dagegen, die Dinge endlich anzupacken, die man bislang verdrängt oder vernachlässigt hatte. Nur Mut! Übermut dagegen ist aber bedenklich. Bestenfalls bedenklich. Vor allem in Sachen Liebe. Es ist ja nie zu spät, sich neu zu verlieben. Wichtig ist, dass man sich eine faire Chance gibt, indem man nicht dem Zeitgeist kopflos hinterherrennt, wie etwa die Partnervermittlung Ernestine schreibt. Der Aufbruch ist gut und gesund, doch der Zusammenbruch als Zeitgeistjäger kann weh tun.

Jugendkult im Arbeitsmarkt

Der deutsche Soziologe Prof. Dr. Stephan Lessenich glaubt gemäss noz.de, dass für den durchschnittlichen Mitbürger der 50. Geburtstag immer noch eher ein Krisendatum ist: «Für Frauen steht mit 50 meist fest, dass sie endgültig keine Kinder mehr bekommen können, und beide Geschlechter rutschen in diesem Alter schon in den Status des älteren Arbeitnehmers.» Denn obwohl die Lebenserwartung der Menschen immer weiter steige, würden 50-Jährige in vielen Arbeitsmarktsegmenten bereits als schwer vermittelbar gelten: «Der Jugendkult in den Betrieben und auf dem Arbeitsmarkt ist noch nicht gebrochen, obwohl wir eigentlich wissen, dass Alterung unsere Zukunft ist», kritisiert er. Doch viele aus der «Babyboomer»-Generation sehen ihr eignes Alter auch sehr positiv. Sie geniessen ihre neu gewonnene Freiheit, weil die Kinder aus dem Haus sind und sie sich nun lang gehegte Träume erfüllen können.

Eine Antwort zu “Ist 50 wirklich das neue 30?”

  1. YVONNE LAEDERACH sagt:

    50 + = Ja man Blüht nochmals frisch auf, Sieht alles mit Blauem Himmel, Man braucht weniger um Glücklich zu sein!

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