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11 April 2021

Über 250 Jahre Schweizer Kaffeetradition.

Turm Kaffee aus St. Gallen hat die Auszeichnung «Schweizer Röster des Jahres 2020» erhalten. Seit einem Vierteljahrtausend zelebriert das Familienunternehmen das Rösten und Zubereiten von Kaffee auf höchstem Niveau – und geht dabei seinen ganz eigenen Weg.

Turm Kaffees Gründung geht zurück auf die Eröffnung einer Spezerei im Jahr 1761. Im Laufe des Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Geschäft die heutige Kaffeemanufaktur. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer Roger Bähler wird schnell deutlich, welch besondere Wandlungsfähigkeit die Rösterei besitzt. «Es arbeitet bereits die vierte Familiengeneration im Unternehmen. Ich selbst bin vor 15 Jahren genau zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen. Die SCA(E) kam gerade nach Europa und das Kapsel-Geschäft begann die Kaffeebranche zu revolutionieren. Das wirkte sich auch auf die Bedürfnisse der Konsumenten aus», so Bähler.

Die Kaffeeprodukte vom Turm
Gourmet-Mischungen aus der Schweiz
Turm Kaffee Schild

Das Herzstück der Firmentradition – die schonende Trommelröstung – wird schweizweit an zwei Standorten gepflegt. Zwischen Bodensee und Basel wird im Geburtsort St. Gallen und im malerischen Schaffhausen tagein tagaus dafür gesorgt, dass man auch schmeckt, was auf den Päckchen geschrieben steht. Die beachtliche Kaffeeproduktion im St. Gallener Werk wird anhand modernster Technik inmitten von Hochregalen und Gabelstaplern auf einem 180 kg Trommelröster gestemmt. Nach dem All-in-One-Prinzip werden hier die Premiumlinien auf einer Etage eingelagert, geröstet, abgepackt und konfektioniert. In Schaffhausen ist alles ein bisschen kleiner und erinnert eher an Omas urige Backstube. In der verwinkelten Rösterei stehen von Kaffeesäcken umringt insgesamt vier unterschiedlich grosse Trommelröster, die mitsamt allerhand Schrauben und Hebeln manuell von fachmännischer Hand bedient werden. Abgesehen von einem kleinen Prozentsatz dunklerer Röstungen, bewegen sich die Gourmet-Mischungen hauptsächlich im goldbraunen Mittelfeld. Die hell gerösteten sortenreinen Spezialitäten finden durchaus Anklang bei eingefleischten Kaffeekennern der Dritte-Welle-Fraktion.

In Schaffhausen ist alles ein bisschen kleiner und erinnert eher an Omas urige Backstube.

Kaffeegenuss nach Gefühlen

Bähler weiss, dass seine Kunden bewusster konsumieren und sich wieder mehr nach einer persönlichen Note sehnen. «Unsere Schlüssel zum Erfolg ist – neben ehrlichen Produkten, die halten, was sie versprechen – auch Empathie. Wer unseren Kaffee mit geschlossenen Augen geniesst, soll mit den Füssen im Ursprung stehen.» Eine besonders grosse Nachfrage erfährt im Bereich der Spezialitäten neben zwölf hochwertigen Single Origins die Produktlinie Men’s Coffee. Drei verschiedene Mischungen in italienischer Stilrichtung – Gentlemen, Rocker Supreme und Rebel Supreme – verraten im Namen, welchen Typ sie ansprechen. Bei der Ideenfindung kam Bähler eine Ausbildung in psychologischer Sensorik zugute. «Die Vermarktung über Gefühle beobachten wir bei Tee schon lange. Oft ist was drin steckt sekundär, sondern der Kunde entscheidet nach Stimmung und Bedürfnissen. So lässt er sich unterbewusst steuern», bringt er seinen Denkansatz auf den Punkt.

Kaffeetasting

Bewusster Einkauf und respektvoller Umgang mit dem Produkt sind Prunkstücke der Unternehmensphilosophie. Doch der Nachhaltigkeitsgedanke wird gleichermassen und konsequent auch bei anderen Faktoren der Kaffee-Wertschöpfungskette verfolgt. «Auch unser Packaging unterliegt einer strengen Qualitätskontrolle. Da hinterfragen wir die Barriereleistung für den Aromaschutz ebenso, wie die Werkstoffe selbst. Ob Rohkaffee oder Verpackung, täglich flattern 10 – 20 Muster ins Haus, die wir komplett auseinandernehmen, testen und ehrlich bewerten.»

Bei aller Liebe zum Detail lässt sich eine entscheidende Komponente nur schwer überwachen. «Die fachgerechte Zubereitung ist eine Hürde, die überwunden werden muss, um aus einer erstklassigen Röstung einen erstklassigen Kaffee zu machen. Leider ist das Wissen von Konsumenten hier noch bescheiden klein», bedauert Bähler. Richtiges Brühen will gelernt sein, sonst nützt das beste Ausgangsprodukt nichts. «Das ist nicht wie bei Wein, Korken raus, Luft und los. Kaffee muss richtig zubereitet werden, sonst kann alles, was in der Wertschöpfungskette richtig gemacht wurde, auf Knopfdruck zerstört werden.»

Weitere Informationen: www.turmkaffee.ch

Röster des Jahres Logo
Turm Kaffee Logo

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