on demand
Transport & Logistik

Alles funktioniert heute »on demand«, auch in der Logistik

26.08.2021
von Rüdiger Schmidt-Sodingen

Schnelligkeit sowie die Unversehrtheit der transportierten Ware – diese beiden Metriken sind zentrale Qualitätsmerkmale von Logistikunternehmen. Immer mehr kommt nun der Aspekt »Flexibilität« dazu: Denn die Kundschaft entscheidet heute selber, wann, wo und wie etwas geliefert wird. Diese »Logistik on demand« hat Folgen für die Branche. 

Die eine Kundin möchte ihren eben georderten Computerbildschirm gerne schnellstmöglich direkt ins Büro geliefert bekommen – allerdings ist sie dort nur vormittags zwischen 7 und 11.30 Uhr anzutreffen. Die nächste Bestellung stammt von einem Kunden, der seine neuen Kopfhörer zu sich nach Hause ins Homeoffice bestellt hat. Er präferiert eine Lieferung um die Mittagszeit – allerdings nur von Montag bis Mittwoch.

Diese Form der bedarfsgerechten Logistik, oder »Logistik on demand«, ist laut Branchenkennern im B2C-Bereich mittlerweile zum Standard avanciert. Doch auch in der B2B-Sparte wird von Logistikdienstleistern vermehrt eine maximal-flexible sowie agile Auftragsabwicklung erwartet. Dieser Trend hat Folgen – und führt dazu, dass der Druck auf die Dienstleister zunimmt: Sie müssen mit den bestehenden Ressourcen nicht nur steigende Auftragsvolumina bewältigen, sondern sich darüber hinaus teilweise enorm kurzfristig auf neue Situationen einstellen. Um angesichts dieser Ausgangslage wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen insbesondere auf der letzten Meile unnötige Fahrten und Mehrfachzustellungen vermieden werden.

Logistik muss smart werden

Doch wie müssen Unternehmen dafür konkret vorgehen? Eine Lösung liegt in der sogenannten »Smart Logistic«: Gemeint ist damit laut PwC Deutschland die Fähigkeit, Lager- und Transportprozesse, Lieferanten, Hersteller, Logistikdienstleister und Kunden basierend auf digitalen Transparenz-, Planungs- und Exekutionslösungen interaktiv zu verbinden. Und wie die aktuelle PwC-Studie »Connected and autonomous supply chain ecosystems 2025« zeigt, ist diese smarte Logistik von höchster Priorität für führende Unternehmen. 

Eine wesentliche Rolle bei der konkreten Umsetzung spielen laut den Studienautor:innen integrierte Lagerverwaltungssysteme, die zu einem nahtlosen Bindeglied werden zwischen den einzelnen Supply-Chain-Partnern sowie der Lagerverwaltung. Das Lager wiederum sollte möglichst automatisiert sein, um effiziente Abläufe gewährleisten zu können. Und auch der Kommunikation mit der Kundschaft muss ein hoher Stellenwert eingeräumt werden: Die Studie führt hier ein automatisiertes »Omnichannel-Auftragsmanagement« an, welches die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden über eine Vielzahl von Kanälen ermöglicht. Und das jederzeit. Zu guter Letzt wird der Fokus ebenfalls auf flexible Distributionslösungen gelegt, die sich bedarfsgerecht anpassen lassen und dabei helfen, Kosten zu sparen. Ein Beispiel dafür ist »Warehousing on demand«, sprich die bedarfsgerechte Lagerung von Waren. 

Wenn Unternehmen zusammenspannen

Diese Art der Lagerbewirtschaftung ist ein besonders spannender Aspekt, da auf diese Weise die Vorzüge der Digitalisierung mit der Kooperation zwischen Unternehmen verbunden werden. Denn beim »Warehousing on demand« geht es darum, Waren flexibel zu lagern und digital zu verwalten. Auf diese Weise können Unternehmen, die über freie Lagerkapazitäten verfügen, diese für Betriebe bereitstellen, die einen flexiblen Lagerbedarf aufweisen. So profitieren letztlich beide Seiten, Fixkosten werden gesenkt und neue Partnerschaften entstehen. 

Die beschriebenen Entwicklungen, Herausforderungen und Lösungsansätze machen eines deutlich: Ein hoher Digitalisierungsgrad ist für die Erhaltung oder gar Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in der Logistik unumgänglich. Gerade für mittelständische Unternehmen stellt sich zudem die Frage, ob sie die digitalen Hilfsmittel auch über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus nutzen möchten, um sich zusammen mit anderen Betrieben neue Synergien und Absatzpotenziale zu erschließen. Denn Prognosen skizzieren deutlich, dass die bedarfsgerechte und zunehmend agile Logistik auch im B2B-Bereich das Modell der Zukunft darstellt. Nur eine smarte vernetzte Supply Chain ist in der Lage, diesen neuen Bedürfnissen gerecht zu werden – und den Dienstleistern zusätzliche Chancen zu eröffnen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Vorheriger Artikel Sei speziell bei der Lieferung, nicht beim Produkt
Nächster Artikel So sieht die Logistik aus, wenn Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten