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Transport & Logistik

So sieht die Logistik aus, wenn Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten

26.08.2021
von SMA

Automation und Robotik bestimmen in der produzierenden Industrie seit Jahrzehnten das Bild. Der wohl bekannteste Vorreiter ist die Automobilbranche. Doch auch in der Logistik halten diese Technologien vermehrt Einzug. Das bringt diverse Vorzüge mit sich – auch wenn noch einige Hürden zu überwinden sind.

Die Logistik war niemals ein starres Handlungsfeld. Vielmehr durchlief sie bis zum heutigen Tag mehrere entscheidende Entwicklungsphasen. In der Studie »Supply Chain Management 2040« des Frauenhoferinstituts gehen die Autorinnen und Autoren auf die wichtigsten Meilensteine ein – und skizzieren gleichzeitig die Zukunft dieser Fachdisziplin. Zusammengefasst lässt sich sagen: Während es in den Anfängen der Logistik vor allem darum ging, zeitliche und räumliche Optimierungen von Transportprozessen zu erzielen, führten neue Technologien und Ansätze zur heute gängigen, ganzheitlichen Führungslehre, die wir als »Supply-Chain-Management« (SCM) kennen. Automatisierte Förder- und Lagersysteme sowie Informationssysteme zwischen den einzelnen Akteuren spielen für ein erfolgreiches SCM eine absolute Schlüsselrolle. Und in Zukunft wird die Relevanz dieser Technologien noch zunehmen.

Was bedeutet das konkret? Und wo stehen wir derzeit? Zwar stellen vollautomatisierte Lagersysteme heute noch nicht durchgehend den Branchenstandard dar, sie erfahren aber eine zunehmende Verbreitung. Ein anschauliches Beispiel dafür stellen unter anderem Regalsysteme dar, entlang denen sich autonom agierende »Pickup-Roboter« bewegen können und so die georderten Waren zusammentragen. Die Waren werden dann für die finale Kommissionierung an menschliche Mitarbeitende weitergereicht. Dieses Vorgehen ermöglicht nicht nur schnellere Abläufe, sondern erlaubt auch eine platzsparende Hochregal-Bauweise, dank der sich die zur Verfügung stehende Lagerfläche effizienter nutzen lässt.  

Mensch und Maschine als Team

Eine andere Möglichkeit der Logistikautomation stellt der Einsatz von sogenannten »Cobots« dar. Dabei arbeiten menschliche Angestellte mit Robotern »Hand in Hand«. Dieses Prinzip ist unter anderem für das Fertigen und Kommissionieren von kleinen Produkten oder Komponenten ideal anwendbar: Nachdem ein Fertigungsmitarbeiter zum Beispiel filigranen Kabel an eine Computerplatine angeschlossen hat, schnappt sich der Roboterarm diese und legt sie feinsäuberlich in den Verpackungsbehälter. Dank moderner Sensor-Technik reagieren moderne Roboter unverzüglich auf die Bewegung und Handgriffe ihrer menschlichen Teamgefährten – wodurch sich Mensch und Maschine nie in die Quere kommen und die Effizienz der Zusammenarbeit enorm erhöht wird. 

Natürlich: Noch schneller und effizienter würden Intralogistikprozesse ablaufen, wenn sich der Anteil menschlicher Arbeit noch weiter minimieren ließe. Laut Richard Bormann, Leiter der Gruppe »Intralogistik und Materialfluss« am Frauenhoferinstitut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), ist dafür aber noch eine technische Weiterentwicklung nötig. Denn eine komplexe und flexible Logistik-Automation setze »kognitive Roboter« voraus. 

Die aufmerksame Maschine

Was damit gemeint ist, führt Bormann in einem aktuellen Expertenartikel aus, der im Fachmagazin »Automationspraxis« erschienen ist. Die größte Herausforderung für den Robotereinsatz in der Logistik sieht der Fachmann demnach im Umgang mit der Vielfalt: So stellten die verschiedenen Anwendungen wie das Palettieren und Depalettieren, das Bilden von Mischpaletten oder das Kommissionieren von Kundenbestellungen aus dem Lager jeweils ganz eigene Anforderungen an die Robotiklösungen. »Und damit ein Roboter diese Aufgaben übernehmen kann, benötigt man Technologien für drei zentrale Fähigkeiten, die dem Menschen leichtfallen: das Erkennen, das Greifen und das überlegte Handeln«, schreibt Bormann. Am KI-Forschungszentrum des Frauenhoferinsituts werde derzeit an solchen Technologien geforscht. Die marktweite Einführung dieser Robotiklösungen ist aber dementsprechend noch Zukunftsmusik. 

Ebenfalls noch nicht heute oder morgen implementierbar ist die Nutzung autonom agierender Fahrzeuge. Doch laut einer Befragung führender Logistikexpertinnen und -experten durch das IPA werde sowohl dem autonomen Fahren als auch den unmittelbar vor- und nachgelagerten Logistikprozessen (wie etwa der Be- und Entladung von Vans oder LKWs, entweder unterstützt durch Exoskelette oder gänzlich autonom per Roboter) in Zukunft eine hohe Bedeutung zugesprochen. 

In all diesen Fällen geht es letztlich darum, das Personal bei seiner täglichen Arbeit rund um ein Fahrzeug im gewerblichen Verkehr immer mehr zu unterstützen – oder teilweise sogar gänzlich abzulösen.

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